Einflussversuche aus dem Kreml

Russischsprachige Bürger: Neues Bündnis will sich gegen AfD und Putin stellen

Fabian Schweyher29. August 2017
Russland Deutschland Fahne
Die Beziehung zwischen Deutschland und Russland gilt als angespannt.
Mit einer neuen Plattform wollen sich russischsprachige Menschen in Deutschland gegen eine Vereinnahmung durch Russland zur Wehr setzen. Eindringlich warnen sie vor einer russischen Einmischung in die Bundestagswahl und vor der AfD.

In Deutschland gelten russischsprachige Menschen oft als Unterstützer Putins, als AfD-Anhänger, als nationalistisch und antiliberal. Um sich gegen dieses Klischee und gegen eine Instrumentalisierung durch den Kreml zu wehren, will sich nun eine Gruppe zusammenschließen und ein „Forum russischsprachiger Europäer in Deutschland“ gründen. Die Initiative geht auf den russischen Soziologen und Autor Igor Eidman zurück, der in Deutschland lebt.

Russlandkongress der AfD

„Wir, russischsprachige Bürger in Deutschland, sind empört darüber, dass Vertreter der Putinschen Machtstrukturen versuchen, in unserem Namen zu sprechen“, heißt es in einer Erklärung des Organisationskomitees auf Facebook. Der Kreml stütze sich bei seinem Engagement auf ein „verzweigtes manipulatives Netz“. Dazu zählt laut den Verfassern auch die AfD, die zuletzt in Magdeburg einen „Russlandkongress“ veranstaltet hatte.

Die Folge: Ein Teil der deutschen Medien setze russischsprachige Bürger in Deutschland mit Sympathisanten Putins gleich. Dies stimme jedoch nicht. Ein großer Teil der Gemeinde vertrete demokratische und europäische Werte. Mit dem neuen Forum solle diese Gruppe endlich eine Stimme bekommen, so die Erklärung.

Spaltungsversuche

In dem Facebook-Beitrag wird eindringlich auch vor einer Einmischung Russlands in die Bundestagswahl gewarnt. „Rastlos schüren Putins Propagandisten Fremdenhass und werben unter russischsprachigen Bürgern dafür, ihre Stimme der rechtsextremen AfD zu geben. So versuchen sie, die deutsche Gesellschaft zu spalten und zu destabilisieren.“ Die Verfasser rufen die russischsprachigen Menschen auf, die AfD und andere fremdenfeindliche Kräfte nicht zu unterstützen.

Initator Igor Eidman wurde 1968 in der Stadt Gorki geboren. Der Kremlkritiker arbeitete als Politikberater sowie als Kommunikationsdirektor für ein Meinungsforschungsinstiut. Im Jahr 2009 verließ er Russland und zog nach Leipzig. Seitdem veröffentlicht Eidman immer wieder Meinungsbeiträge in deutschen Medien. Im vergangenen Jahr erschein sein Buch „Das System Putin“.

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