Prüfung abgeschlossen

Rüge erteilt: Dr. Franziska Giffey darf Doktortitel behalten

Benedikt Dittrich31. Oktober 2019
Darf ihren Doktortitel behalten: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
Kandidiert nicht als SPD-Vorsitzende: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey
Franziska Giffey darf ihren Doktortitel behalten. Die SPD-Familienministerin wurde von der Freien Universität Berlin gerügt, die Dissertation ist nach Ansicht der Prüfungsgruppe aber weiterhin eine eigenständige wissenschaftliche Leistung. Damit ist ihr Rücktritt vom Tisch.

Die Freie Universität Berlin, bei dem Dr. Franziska Giffey 2010 ihre Doktorarbeit eingereicht hatte., rügt die Arbeit der SPD-Ministerin, ihren Doktortitel darf sie aber behalten. „Das Gesamtbild der festgestellten Mängel rechtfertigte die Entziehung des Doktorgrades nicht“, erklärte das eingesetzte Prüfungsgremium das Urteil, dem sich das Präsidium der Hochschule am Mittwoch anschloss.

Damit kritisiert die Universität, dass die SPD-Ministerin zwar wissenschaftliche Standards in ihrer Arbeit nicht durchgängig beachtet hat. Trotz der bemängelten Stellen sehen die Prüfer in der Arbeit aber einen „wesentlichen Beitrag zum Kenntnisstand der empirischen Politikforschung über die EU-Politik.“ Die genannten Mängel schmälern diese Leistung nach Ansicht der Wissenschaftler nicht.

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin im Bereich Politikwissenschaft und erhielt für die Dissertation 2010 ihren Doktortitel. Anfang 2019 mehrte sich die Kritik an der Arbeit, im Februar bat die Sozialdemokratin schließlich die Universität um eine formelle Prüfung ihrer Arbeit. Das Verfahren hatte sich bis jetzt gezogen. In der Zeit wurde Franziska Giffey auch als Kandidatin für den Parteivorsitz der SPD gehandelt. Beworben hatte sie sich aber nicht, sie wollte nach eigenen Angaben das Ergebnis der Prüfung abwarten, auch ihr Amt als Ministerin machte sie davon abhängig.

Rücktritt vom Tisch

Franziska Giffey zeigte sich in einer ersten Reaktion erleichtert über die Begründung der Universität: „Ich danke dem vom Promotionsausschuss der FU eingesetzten Gremium für die eingehende Befassung mit meiner Dissertation.“ Giffey hatte im Vorfeld auch ihre politische Zukunft von dem Urteil abhängig gemacht. Da ihr der Titel nicht aberkannt wurde, sieht sie nun keinen Grund mehr für einen Rücktritt: „Meine Arbeit als Bundesfamilienministerin setze ich weiter mit großem Engagement und viel Freude fort.“

Auch in das Rennen um den Parteivorsitz will Giffey nicht eingreifen, erklärte sie am Donnerstag in Mainz. Sie habe sich bewusst entschieden, nicht in das laufende Verfahren einzusteigen. Sie war in Rheinland-Pfalz zur Unterzeichnung des Vertrags zum "Gute-Kita-Gesetz" zu Gast.

Die SPD will per Mitgliederentscheid eine neue Parteispitze finden, die Bewerberphase ist längst abgelaufen, die erste Befragungsrunde bereits abgeschlossen. Am Wochenende war das Ergebnis der Mitgliederbefragung in der SDP verkündet worden, nachdem Klara Geywitz und Olaf Scholz in der ersten Runde vorne liegen, gefolgt von den Zweitplatzierten Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans.

weiterführender Artikel

Kommentare

New Law and Order nicht mehr auf Rezept...

Wolfgang Schäuble hatte 2007 praktisch die Vorbereitungen für die Abschaffung des Doktortitels aus dem Personalausweises abgeschlossen. Diese müssten einfach nur aufgegriffen werden, um den Unfug von der Aufwertung personaler Identität durch akademische Titel zu beenden. Künftig wären Promotionen sowie Habilitationen nur nachgelagerte akademische Grade wie Juristin, Dr. jur. habil. oder Biologe, Dr. phil. Der Titelhandel wäre zwar immer noch ein einträgliches Geschäft, aber auf dem Niveau der Hochstapelei, vielleicht sogar Urkundenfälschung oder auch Betrug, aber nicht mit dem Personalausweis. Es ist schon schlimm genug, dass manch einer darauf besteht, mit der Berufsbezeichnung Prof. angesprochen zu werden. Urkomisch wäre es, wenn Handwerksmeister ebenso darauf bestünden. Diese Ständelei hätte sich Franziska Giffey entziehen können, hat sie aber nicht. Sie hat sowohl den akademischen Grad im Personalausweis eingeführt, wie auch Rüge für ihre Promovierung gefangen, was wohl einem Absturz vom "magna cum laude" auf ein "cum laude" wahrscheinlich eher einem "rite" entsprechen sollte. So! wäre ihre Arbeit nie veröffentlich worden und Plagiatsjäger wären ihr nicht auf die Spur gekommen.

Titelhuberei

Wird da nicht zu viel Wert auf einen formalen Titel gelegt ? Frau Giffey mag ja arg geschludert haben, aber es stellt sich die Frage warum die Gutachter/Prüfer dies erst jetzt bemerken. Seit Jahren gibt es immer wieder diese Plagiatvorwürfe und teilweise deren Bestätigung. Im Zeitalter des Neoliberalismus gehört es wohl dazu "Doktorfabriken" und sonstige "Excellenzen" zu produzieren, aber das heißt nichts anderes als die permanente Entwertung wissenschaftlicher Arbeit. Die Rüge an Frau Giffey ist wohl berechtigt, aber wer rügt die Universitäten/Prüfer*** ob ihrer fahrlässigen (?) Überprüfung der eingereichten Arbeiten ?

Richtiges Zitieren +

Richtiges Zitieren + Quellenangaben gilt doch nicht nur für Doktorarbeiten sondern auch für Semesterarbeiten, Bachelorthesis und Masterthesis. Soweit ich weiß, prüfen die Unis dies sogar auch mittels Computeprogrammen.
Studenten/Doktoranten müssen m.W. diesbezüglich besonders achtram sein, wollen sie nicht riskieren, dass ihnen die Arbeit "um die Ohren gehauen" wird. Mit einem neuen Thema einen 2. Versuch starten kostet imense Zeit.

Franziska Giffey darf ihren Doktortitel behalten

Das Franziska Giffey ihren Doktortitel behalten kann ist für die SPD nicht so wichtig. Wichtig ist, dass sie als durchsetzungsfähige, kompente und beliebte politische Zukunftshoffnung der SPD weiter erhalten bleibt. Der Vorrat an solchen Persönlichkeiten in der SPD ist schließlich eher überschaubar.