Ortsvereinsporträt

Rote Insel in Niederbayern: Warum die SPD in Vilshofen gegen den Trend erfolgreich ist

Jonas Jordan15. September 2020
Die Vilshofener SPD-Zwerge beim Faschingsumzug mit Bürgermeister Florian Gams (stehend, l.)
Die Vilshofener SPD-Zwerge beim Faschingsumzug mit Bürgermeister Florian Gams (stehend, l.).
Einer deutlichen Niederlage folgte der rasante Aufstieg für die SPD in Vilshofen. Das liegt auch an einem Bürgermeister, der zugleich Ortsvereinsvorsitzender ist.

Ende Februar versammelten sich in Vilshofen Schneewittchen und gleich 15 sozialdemokratische Zwerge mit roten Zipfelmützen, um durch die Stadt zu ziehen. Die Verkleidung war natürlich durch Fasching bedingt. Doch anlässlich des Ergebnisses, das die Sozialdemokrat*innen wenige Wochen später bei der Kommunalwahl in Vilshofen erzielten, könnte man auch von einem vorzeitigen Triumphzug sprechen.

Ein vorzeitiger Triumphzug

Denn anders als in anderen Teilen des Freistaates war die SPD in der gut 16.000 Einwohner*innen zählenden Stadt an der Donau überaus erfolgreich. Sie entthronte die CSU und wurde mit sieben Sitzen stärkste Kraft im Stadtrat. Gleichzeitig wurde Bürgermeister Florian Gams trotz zweier Gegenkandidaten mit mehr als 72 Prozent im Amt bestätigt. Zudem ist der Juso-Kreisvorsitzende Simon Berger seit März mit gerade einmal 20 Jahren der jüngste Stadtrat in der Geschichte von Vilshofen.

Dabei begann die heutige Erfolgsgeschichte der Vilshofener SPD 2008 mit einer Niederlage. Bei der Bürgermeisterwahl kam der SPD-Bewerber nur auf elf Prozent. Zeit für einen Neuanfang. Der damals 24-jährige Florian Gams übernahm den Ortsvereinsvorsitz und baute die SPD mit guter Arbeit wieder auf. Sechs Jahre später setzte er sich in der Stichwahl überraschend mit 50,5 Prozent gegen den CSU-Bürgermeister durch, nachdem er im ersten Wahlgang noch fast 25 Prozent hinter ihm gelegen hatte.

„Wir hatten einen riesengroßen Bonus“

„Dadurch hatten wir als SPD einen riesengroßen Bonus“, sagt Gams. Als Bürgermeister initiierte er einen Jugendbeirat, um auch die Interessen junger Menschen stärker zu repräsentieren. So fand auch Simon Berger seinen Weg zur Sozialdemokratie. Er komme aus einem „klassisch niederbayerischen CSU-Wähler-Haushalt“, sagt der 20-jährige Berger. Dass er zur SPD kam, lag an Gams, der ihm eine Karte für den politischen Aschermittwoch schenkte. Später machte er Berger zu seinem Stellvertreter an der Spitze des Ortsvereins und hievte ihn auf einen aussichtsreichen Listenplatz für die Stadtratswahl.

„Wichtig ist, auch mal jüngeren Leuten das Vertrauen zu schenken und einen Neuanfang zu wagen“, betont Berger, der sich durch zahlreiche Haustürbesuche in der Bevölkerung bekannt gemacht hat. Obwohl die SPD mit rund 120 Mitgliedern in vier Ortsvereinen der politischen Konkurrenz zahlenmäßig unterlegen sei, zeichne die Sozialdemokratie in der niederbayerischen Kleinstadt der unbedingte Wille zum Erfolg aus. „Unser Ansatz ist: Wir wollen einfach etwas reißen. Diesen Willen haben wir gezeigt“, sagt Gams.

Eine gute Stimmung

Hinzu komme die dauerhafte Präsenz im gesamten Vilshofener Stadtgebiet mit seinen sage und schreibe 135 Stadtteilen. „Es ist immer die Bereitschaft da, etwas zu machen und sich zu zeigen. Das ist einer der ganz großen Erfolgsfaktoren“, erklärt Berger. Zudem harmonieren die vier Ortsvereine – anders als in früheren Zeiten – auch persönlich gut miteinander und organisieren häufig Veranstaltungen zusammen. „Wir sind ein sehr starkes und mittlerweile gewachsenes Team“, unterstreicht Berger. Bürgermeister Gams ergänzt: „Das macht natürlich auch eine gute Stimmung.“

Parteichefin Saskia Esken beim Politischen Aschermittwoch in Vilshofen: „Die SPD kann mehr und will mehr.“
Parteichefin Saskia Esken beim Politischen Aschermittwoch in Vilshofen: „Die SPD kann mehr und will mehr.“

Zu den Aktivitäten der Ortsvereine kommt in Vilshofen zudem der Politische Aschermittwoch hinzu, bei dem seit vielen Jahren Politgrößen aus Land und Bund auftreten. In diesem Jahr war die Parteivorsitzende Saskia Esken in Vilshofen, im Vorjahr Europa-Spitzenkandidatin Katarina Barley, 2018 Vizekanzler Olaf Scholz. „Eine Riesen-Plattform“ sei der Politische Aschermittwoch, sagt Gams. Womöglich hat auch er dazu beigetragen, dass die SPD nun erstmals seit 1978 wieder die größte Fraktion im Stadtrat stellt.

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