Frankfurter Buchmesse

Rein in die Parteien, raus auf die Straße!

Birgit Güll11. Oktober 2017
„Wir sind darauf geeicht, unsere Diskussionen an die Talkshows zu übergeben.“ Autorin Susanne Mayer im Gespräch mit Achim Post am vorwärts-Stand auf der Frankfurter Buchmesse
Ist unsere Demokratie in Gefahr? Zumindest ist sie kein Selbstläufer. Am vorwärts-Stand auf der Frankfurter Buchmesse diskutieren die Journalistin Susanne Mayer und der Generalsekretär der SPE, Achim Post, über politisches Engagement in schwierigen Zeiten.

Europa, das sei vor fünf Jahren kein Thema gewesen, um auf Feuerwehrfesten Leute zu erreichen, sagt Achim Post. Der Generalsekretär der Europäischen Sozialisten betont, dass sich das geändert habe. Europafragen würden jetzt diskutiert, genau wie der globale Kapitalismus. Dazu geführt haben Bedrohungen: Die Zugewinne rechter Parteien in ganz Europa, der EU-Austritt Großbritanniens oder der Wahlsieg Donald Trumps. Auch für Susanne Mayer und vier befreundete Journalistinnen waren das Warnsignale. „Eine Demokratiemüdigkeit hat sich eingeschlichen“, sagt sie.

Alle paar Jahre wählen und lästern reicht nicht

Die Journalistinnen haben das Buch „Was tun. Demokratie versteht sich nicht von selbst“ veröffentlicht. Denn: „Alle paar Jahre wählen und lästern reicht nicht“, sagt Mayer. Man müsse sich einbringen. Sie und ihre Kolleginnen bringen Beispiele für politisches Engagement und rufen dazu auf sich zu beteiligen: rein in die Parteien, raus auf die Straße. Jede und jeder kann was tun. „Anderen die Räume nicht überlassen“, nennt Achim Post das. Wenn sich fünf Nazis treffen, gebe es in seinem nordrhein-westfälischen Wahlkreis eine Gegendemonstration.

Position beziehen. Das gelte auch für Gespräche in privaten Räumen. „Wir sind darauf geeicht, unsere Diskussionen an die Talkshows zu übergeben“, sagt Susanne Mayer. Doch wir müssten uns darauf einlassen, auch Familienmitgliedern oder Freunden zu widersprechen, wenn wir ihre politische Haltung nicht teilen. Und nicht ängstlich sein, mit politischen Debatten das Abendessen zu verderben.

Gespräche sind für die Demokratie unverzichtbar

Achim Post und Susanne Mayer wollen aber auch über das Gute reden. So viele Menschen engagierten sich, nur ein Beispiel: das Willkommen, das viele Deutsche Flüchtlingen auf Bahnhöfen bereitet hätten. Die Antwort auf die Frage: Was tun? „Demokratie. Was tun!“, sagt Susanne Mayer. Wenn sie eine Stunde auf einer „Pulse of Europe“-Demonstrationen in Hamburg verbringe, ergeben sich daraus vier, fünf Stunden Gespräche darüber im Bekanntenkreis. Macht das Sinn? Wie war es da? Diese Gespräche seien wichtig und für eine lebendige Demokratie unverzichtbar.

Achim Post sieht eine Renaissance von Politik und politischem Streit: „Wer nach der Wahl von Donald Trump nicht erkennt, dass Wahlen was entscheiden, tut mir leid.“

Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer, Evelyn Roll, Elke Schmitter: Was tun: Demokratie versteht sich nicht von selbst, Kunstmann 2017, ISBN 978-3956142109, 10 Euro

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