Brandenburg

Rechte prügeln auf Nachwuchsfußballer ein

Karsten Wiedemann27. August 2009

Die etwa 15 Schläger haben nach bisherigem Erkenntnisstand den Berliner Jugendlichen kurz vor Feierabend vor einem Supermarkt in Lindow aufgelauert. Sie waren Aussagen der Betroffen zufolge
mit Messern, Baseballschlägern und Bierflaschen ausgestattet und skandierten rechtsextreme und fremdenfeindliche Parolen. Eines der Opfer soll nach eigenen Angaben mit dem stumpfen Teil der Axt
geschlagen worden sein und musste im Krankenhaus behandelt werden.
Eine Zeugin der tätlichen Auseinandersetzung informierte schließlich die Polizei, die Supermarktbeschäftigten nahmen offenkundig keinerlei Notiz. Beim Eintreffen der Polizei hatten dann die
beteiligten Jugendlichen den Tatort bereits verlassen. Die 15- bis 16-jährigen türkischen Jugendlichen gehören zur B-Jugend des Berliner Fußballclubs Türkiyemspor und nahmen an einem
Trainingslager des Vereins in der Sportschule in Lindow teil.
Bekannt wurde jetzt auch, dass bei einer verbalen Auseinandersetzung bereits am Vortag die türkischen von den einheimischen Jugendlichen ausländerfeindlich beschimpft worden waren − und
wobei auch der Hitler-Gruß gezeigt wurde. Nach Auskunft eines Trainers von Türkiyemspor zufolge verschwiegen die jungen Fußballer zunächst die beiden Vorfälle, bis am Dienstagabend gegen 21.00
Uhr im Trainingslager des Vereins die Polizei auftauchte.
Die Polizeibehörden im Schutzbereich Ostprignitz-Ruppin haben zur Aufklärung des Sachverhalts eine Ermittlungsgruppe gebildet. Es besteht der Verdacht auf unter anderem Landfriedensbruch,
gefährliche Körperverletzung, Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Das Vorstandsmitglied von Türkiyemspor, der Berliner SPD-Abgeordnete Robert
Schaddach, nannte es "erschreckend", dass man befürchten müsse, Opfer von Neonazis zu werden, wenn man anders aussehen würde.
Böhning: Kampf gegen Rechts aufnehmen
Der SPD-Kandidat zur Bundestagwahl, in den dessen Berliner Wahlreis der Verein Türkiyemspor zu Hause ist, verurteilte den Vorfall aufs Schärfste. "Es darf nicht sein, dass Menschen in
unserer Gesellschaft aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit diskriminiert oder angegriffen werden! Es darf nicht sein, dass Eltern um das Wohl ihrer Kinder fürchten, wenn sie für
ein Trainingslager oder ein Fußballspiel in eine andere Stadt reisen", erklärte Böhning. Er forderte mobile Beratungsteams und Initiativen zur Opferberatung abzusichern und weiter auszubauen.
Nötig sei zudem eine Bundesstiftung für demokratische Kultur, so der SPD-Poilitiker.


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www.bnr.de

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