US-Wahl

Ralf Stegner: Trumps Sieg ist „verblüffend und erschreckend“

Robert Kiesel09. November 2016
Anhänger von Donald Trump feiern den Wahlsieg ihres Kandidaten
Anhänger von Donald Trump feiern den Sieg ihres Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl in den USA.
Er flog eigens in die USA und zog für Hillary Clinton von Tür zu Tür, gereicht hat es trotzdem nicht. Ralf Stegner ist schockiert über die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und berichtet von einer Spaltung des Landes, die bleiben wird.

Wie haben Sie den Wahlsieg von Donald Trump aufgenommen?

Ich habe von 2 Uhr an die Auszählung verfolgt und lange Hoffnung gehabt, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnt. Über das Ergebnis bin ich schockiert. Die Amerikaner haben einen Mann zu ihrem Präsidenten gewählt, der keinerlei Voraussetzungen für dieses Amt mitbringt. Trump hat keine Ahnung von Außenpolitik, er hat alle Minderheiten in den USA beleidigt. Insofern bin ich verblüfft und erschreckt zugleich. Dennoch müssen wir die Wahl anerkennen und mit dem Ergebnis umgehen.

Was bedeutet ein US-Präsident Donald Trump für Deutschland und die Sozialdemokratie?

Klar ist, dass viele Trump-Wähler dem Establishment auf ihre Weise eins auswischen wollten. In den USA und in Deutschland gilt: Wir müssen uns mit den Problemen dieser Menschen auseinandersetzen. Dazu gehört auch, eigene Schwerpunkte und Kompetenzen wieder stärker zu betonen. Wenn sich die großen Parteien nicht mehr voneinander unterscheiden, haben es Populisten wie Donald Trump leicht.

Welche Lehren muss die SPD aus dem Wahlsieg von Donald Trump ziehen?

Wir müssen die Unterschiede zur politischen Konkurrenz noch deutlicher machen, eine klare Gerechtigkeitspolitik fahren. Es sind reale und subjektive Gerechtigkeitsprobleme, die politischen Kräften wie Donald Trump Rückenwind verschaffen. Dem müssen wir uns entgegenstellen. Die SPD in Tradition eines Willy Brandt kann das.

Sie waren selbst in den USA, haben Hillary Clinton unterstützt. Wie gespalten ist dieses Land?

Ich habe ein sehr gespaltenes Land wahrgenommen, mit richtigem Hass auf beiden Seiten. Die „lock her up“-Forderungen gegen Hillary Clinton haben mich schockiert. Ihr Problem ist, dass sie als Kandidatin des Establishments wahrgenommen wurde. Die Rolle des Geldes ist ein echtes Problem in den USA.

In seiner Rede nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses sagte Trump, er wolle die Spaltung des Landes überwinden. Ein Hohn?

Dass gerade derjenige ‚Haltet den Dieb!’ ruft, der in den Laden einbricht, ist fast schon zynisch. Ich bin sehr skeptisch, was das angeht. Die insbesondere durch Donald Trump vorangetriebene gesellschaftliche Spaltung der USA wird nur sehr schwer wieder zu kitten sein.

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Die Reise hat Ralf Stegner in seiner Funktion als stellvertretender SPD-Vorsitzender gemacht. Die Kosten trägt also die Partei. Er war jedoch nicht auschließlich als Wahlkämpfer (oder wie Sie sagen "zur Wahlwerbung") in den USA, sondern hat ein umfangreiches Besuchs- und Informationsprogramm absolviert. Und falls es Sie auch interessiert: Er ist Economy-Class geflogen.