Instagram-Live-Talk mit Isabel Cademartori und Manuel Gava

Nach der Präsidentschaftswahl: „Jetzt ist Brasilien wieder da“

Jonas Jordan10. November 2022
Proteste gegen die Abholzung des Regenwaldes: Mit dem Wahlsieg von Lula ist Brasilien als Partner beim Klimaschutz wieder im Boot.
Proteste gegen die Abholzung des Regenwaldes: Mit dem Wahlsieg von Lula ist Brasilien als Partner beim Klimaschutz wieder im Boot.
Die SPD-Bundestagsabgeordneten Manuel Gava und Isabel Cademartori waren zur Präsidentschaftswahl in Brasilien vor Ort. Sie berichten, welche Chancen der Wahlsieg von Lula auf internationaler Ebene bietet.

„Wir sind von unserem Hotel zur Wahlparty der PT gelaufen und haben auf dem Weg die Meldung bekommen, dass Lula vorne liegt, aber wir brauchten diese Meldung gar nicht, weil man aus den Straßen unglaubliche Jubelschreie gehört hat“, berichtet Manuel Gava. Gemeinsam mit seinen Fraktionskolleg*innen Frank Schwabe und Isabel Cademartori hat der SPD-Bundestagsabgeordnete kürzlich im Kontext der Präsidentschaftswahl das größte Land Lateinamerikas besucht und dort den Wahlsieg des sozialdemokratischen Kandidaten miterlebt. Im Instagram-Live-Gespräch mit dem „vorwärts“ berichten Gava und Cademartori von ihren Erfahrungen.

Die Stimmung im Vorfeld der Stichwahl zwischen Lula und dem rechtsextremen Amtsinhaber Jair Bolsonaro sei recht angespannt gewesen, sagt Cademartori. „Dementsprechend groß war die Erleichterung. Es war eine riesengroße Party auf der Straße, etwas anders als in Deutschland.“ Zudem blieben die im Vorfeld befürchteten Unruhen nach der Wahl weitestgehend aus. Zwar gab es im ganzen Land Straßenblockaden, auch der Zugang zum größten Flughafen des Landes in São Paulo war zeitweise gesperrt. „Ich stand einmal drei Stunden im Stau und habe einige Termine verpasst, weil nichts mehr ging“, sagt Gava.

Gleichzeitig laufe der Prozess der Machtübergabe bereits. Das zeige, dass die brasilianischen Institutionen stärker seien als Bolsonaro. Dennoch mahnt der SPD-Abgeordnete: „Vier weitere Jahre Bolsonaro hätten diese Institutionen, dieses Land und diese Gesellschaft nicht überlebt.“

Mit Brasilien für den Klimaschutz

Der Wahlsieg Lulas scheint jedoch nicht nur innenpolitisch, sondern auch mit Blick auf internationale Fragen umso wichtiger, beispielsweise beim Klimaschutz. Sich innerhalb Lateinamerikas auf eine Position zu einigen geht nicht ohne Brasilien. Jetzt ist Brasilien wieder da“, sagt Cademartori. Die Abholzung des Regenwaldes werde sich zwar nicht von heute auf morgen stoppen lassen, aber zumindest sei jetzt der Wille da. „Lula ist jemand, der sehr viel internationale Erfahrung hat und der Außenpolitik einen stärkeren Stellenwert beimisst“, glaubt die SPD-Abgeordnete.

weiterführender Artikel

Kommentare

Mit Brasilien mehr Klimaschutz

"Die Abholzung des Regenwaldes werde sich zwar nicht von heute auf morgen stoppen lassen, aber zumindest sei jetzt der Wille da." ...

Der Wille allein reicht aber nicht! Überhaupt nicht!
Die Abholzung des Regenwaldes muss unverzüglich und effektiv gestoppt werden. Geschieht dies nicht, sind die Folgen global unumkehrbar katastrophal. Deutschland, die EU und vor allem die USA müssen Lula und Brasilien dabei tatkräftig und fair unterstützen. Das wäre doch eine 'Klimaschutz-, Umweltschutz-"NATO" ' , die etwas Gutes für die Menschheit gestalten würde.

Ergänzung:

Vielleicht

sollte unsere Außenministerin, die, um es mit den unsterblichen Worten der legendären Blues Brothers zu sagen, „im Auftrage des Herrn unterwegs“ ist, ganz schnell überlegen, wie der Werte-Westen Lula unterstützen kann, damit der seinem Volk wirtschaftlichen Erfolg in kurzer Zeit vorzeigen kann, damit wir in Brasilien einen dauerhaften Partner haben.