Debatte: Jugend und Politik

Politisches Engagement ist kein Selbstzweck: Warum ich Mitglied der SPD bin

Johanna Uekermann14. Juni 2017
Unter dem Motto #linksleben diskutierten die Jusos auf ihrem Bundeskongress über eine neue Arbeitswelt, das Freihandelsabkommen TTIP und eine soziale Asylpolitik.
Juso-Bundeskongress: Die Bundesvorsitzende der politischen Jugendorganisation Johanna Uekermann kann die Mitgliedschaft in einer Partei nur empfehlen.
Können einzelne Mitglieder in einer Partei überhaupt etwas bewegen? Ja, sagt Johanna Uekermann – auch wenn politisches Engagement oft anstrengend ist. Die Juso-Chefin hat einen Weg gefunden, damit sich die Arbeit in der Partei wirklich lohnt: Sie fährt eine „Doppelstrategie“.

Aktuell treten unglaublich viele Menschen in die SPD ein. Sie treten ein, weil sie sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen wollen – und weil sie merken, dass in diesem Land und in Europa etwas in Schieflage geraten ist. Bei mir selbst liegt diese Entscheidung schon etwas zurück. Im Jahr 2002, ich war 14 Jahre alt, bin ich Mitglied der SPD geworden. Grundsätzlich aber genau aus den gleichen Gründen, weshalb jetzt viele Leute eintreten – ich kann es nicht ertragen, wenn es ungerecht zugeht und wollte etwas verändern.

Parteiarbeit: Oft anstrengend, selten sexy

Und genau das ist schon der springende Punkt: Wer etwas ändern will, muss in die Parteien. Klar, das Engagement in Parteien ist oft anstrengend und selten sexy. Das Unterschreiben einer Online-Petition ist entspannter als die Ortsvereinssitzung in der holzvertäfelten Kneipe. Eine Demo mit ein paar Leuten aus der Uni organisieren, ist spannender als ein Infostand mit altgedienten Genossinnen und Genossen. Ja, vielleicht ist das so. Vielleicht ist es aber auch nur bequemer.

Natürlich hat auch ein solches Engagement seine Berechtigung. Politik wird nicht nur in Parlamenten und Parteien gemacht. Gewerkschaften, Jugendverbände, Umweltorganisationen, lokale Initiativen, auch die sind wichtig, wenn es darum geht, Themen auf die Agenda zu setzen, Druck auszuüben und um die richtigen Lösungen zu ringen. Deshalb bin ich unter anderem Gewerkschaftsmitglied. Wie ich machen das viele Jusos – wir nennen das Doppelstrategie. Letztendlich empfinde ich die Arbeit in einer Partei aber als die unmittelbarste Art, Politik zu verändern.

Der Ortsverein: Raus aus der Filterblase

Ich glaube, wer sich für das Engagement in Parteien öffnet, öffnet sich selbst für die gesamte Gesellschaft – denn genau die spiegelt sich zum Beispiel in der SPD wider. Durch meinen Ortsverein habe ich verschiedenste Menschen kennengelernt. Menschen, die ich nie kennengelernt hätte, wäre ich in meiner Filterblase aus Uni und Freundeskreis geblieben. Und Menschen, von deren Problemen ich nichts wusste, weil ich ihre Lebensrealität einfach nicht kannte. Wer sich für andere Menschen öffnet, zeigt, dass er es ernst meint mit der Veränderung der Gesellschaft – denn politisches Engagement ist kein Selbstzweck.

Es mag von außen manchmal so aussehen, als seien Parteien starre Gebilde und man könne als einzelnes Mitglied nichts erreichen. Das ist ein Trugschluss. Parteien sind immer in Bewegung, ständig in Veränderung – es kommt halt darauf an, diese Veränderung mitzugestalten. Ein gutes Beispiel dafür ist, das Engagement der Jusos für eine bessere Bezahlung von Azubis. Wir mussten lange dafür kämpfen, es war oft anstrengend, aber schlussendlich konnten wir die SPD überzeugen und im kommenden Wahlprogramm steht eine Mindestvergütung für Auszubildende.

Demokratie ist mehr als Wählen

Was ich damit meine: Demokratie findet nicht nur an der Wahlurne statt. Politik findet tagtäglich statt. Und wer nicht nur alle vier Jahre gehört werden will, muss sich dort engagieren, wo die politische Willensbildung vorangetrieben wird – in den Parteien.

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