Aktion gegen rechts

Politische Bildung und Corona: Prävention macht kreativ

Benedikt Dittrich22. Dezember 2020

Eine Kooperation mit bnr.de

Muss in der Corona-Krise kreativ werden: das Team von „Gesicht Zeigen!“ – hier noch vor der Pandemie
Muss in der Corona-Krise kreativ werden: das Team von „Gesicht Zeigen!“ – hier noch vor der Pandemie
Viele Projekte gegen Rassismus brauchen die Schule als Treffpunkt. Doch in der Pandemie ­gehen diese Kontakte verloren: Vereine wie „Gesicht Zeigen!“ improvisieren mit digitalen Formaten und erreichen so Menschen im ganzen deutschsprachigen Raum.

Schulen sind der Mittelpunkt der Bildung. In den Gebäuden lernen Kinder und Jugendliche mathematische Gleichungen ebenso wie demokratische Grundsätze – längst auch abseits des klassischen Unterrichts, mit Unterstützung von Vereinen, Sozialarbeitern und Pädagogen. Der Kampf gegen rechts und für Toleranz beginnt schon auf der Schulbank.

Persönliche Gespräche im Mittelpunkt

Ein Kampf, der mit der Corona-Pandemie in Gefahr gerät, wie Sophia Oppermann von „Gesicht Zeigen!“ schildert: Obgleich die Politik sich in der zweiten Welle der Pandemie dafür aussprach, Schulen offen zu halten, blieben Zusatzangebote auf der Strecke – was auch „Gesicht Zeigen!“ vor Probleme stelle. „Die aktuelle Situation ist katastrophal, weil wir bestimmte Gruppen gar nicht mehr erreichen“, erklärt Oppermann im Interview.

Der Verein setzt in vielen seiner Projekte auf persönlichen Austausch, Gespräche und viel Empathie im Umgang mit Jugendlichen. „Auf die Gruppe spezialisiert, individuell und auf Augenhöhe“, definiert Oppermann den Bildungsansatz. So arbeiten die Fachkräfte von „Gesicht Zeigen!“ beispielsweise mit marginalisierten Mädchengruppen, versuchen deren Selbstbewusstsein zu stärken, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. „Das ist ein freiwilliges Zusatzprogramm an Schulen“, sagt die Geschäftsführerin. In der Pandemie ­gehen diese Kontakte verloren, „und das ist sehr schlimm“.

Neue Wege der Prävention

Für andere Projekte hat der Verein digitale Konzepte entwickelt. Beim „Störungsmelder“ besuchten prominente Journalisten oder Politiker die Klassen, nun passiert das digital. Das sei schwierig online umzusetzen, aber, so ­Oppermann: „Wir haben das inzwischen mehrmals digital gemacht, haben extra neue Methoden dafür entwickelt.“ Nicht das ideale Konzept, aber: „Es ist ein Angebot.“ Hinzu kommt: Der Berliner Verein gewinnt mit anderen digitalen Formaten derzeit auch Menschen im ganzen deutschsprachigen Raum. Auch bisherige Formate gegen Rassismus im Netz, speziell in sozialen Medien, laufen weiter: „Da erreichen wir weiterhin die Leute, die wir erreichen wollen.“

„Gesicht Zeigen!“ setzt sich seit der Gründung vor 20 Jahren für eine weltoffene, tolerante Gesellschaft ein. Gründungsmitglieder waren Paul Spielgel, Uwe-Karsten Heye und Michel Friedman. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, ziviles Engagement und Toleranz zu stärken und so schon früh gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt vorzugehen.

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