Debatte: Jugend und Politik

Politik für junge Menschen: Warum der Start ins Berufsleben so wichtig ist

Manuela Conte15. Mai 2017
Der Start in das Berufsleben beschäftigt alle jungen Menschen.
Der Start in das Berufsleben beschäftigt alle jungen Menschen
Enorme Arbeitsanforderungen, schlechte Ausbildungsbedingungen und immer weniger BAföG: Die Gewerkschaftsjugend konnte in den letzten Jahren viele Mitglieder gewinnen, denn der Start ins Berufsleben beschäftigt alle jungen Menschen. Warum nicht auch die Parteien und ihre Politik?

Entgegen so mancher Behauptung sind junge Menschen durchaus politisch interessiert. Sie engagieren sich vor Ort für Themen, die ihnen wichtig sind. Viele posten und bloggen und pflegen ihre Netzwerke – und natürlich geht es dabei auch um Politik. Womit die junge Generation fremdelt, das sind die eher traditionellen Formen politischer Beteiligung. Von der Politik erwarten junge Menschen nicht allzu viel. Das zeigen die jüngsten Ergebnisse der Jugendstudie „Generation What?“. Besonders erschreckend: 82 Prozent der Befragten zwischen 18 und 34 Jahren in Europa gaben an, wenig bis gar kein Vertrauen in die Politik zu haben.

Hohe Belastungen im Berufsleben

Das ist alarmierend und verlangt nach genauerer Betrachtung. Wer ist denn „die Politik“, was will die „junge Generation“ von ihr? Oder anders gefragt: Wo, bei welchen Themen, treffen denn Jugend und Politik überhaupt aufeinander?
 
Für uns ist die berufliche Bildung ein erster Anknüpfungspunkt. Denn der Start ins Berufsleben beschäftigt alle jungen Menschen. Und schon hier hakt es. Bei den Befragungen für unseren DGB-Ausbildungsreport sehen sich mehr als die Hälfte der Auszubildenden durch enorme Arbeitsanforderungen oder schlechte Ausbildungsbedingungen hohen Belastungen ausgesetzt. Bei den Köchen zum Beispiel bricht die Hälfte der Auszubildenden die Ausbildung ab. Um diese Situation zu verbessern, kommt es auf die Arbeitgeber an – und eben auf die Politik, die hier bessere Rahmenbedingungen setzen muss. Zum Beispiel mit einer Reform des Berufsbildungsgesetzes, um die Qualität der dualen Ausbildung zu verbessern. Doch diese Reform wird seit Jahren auf die lange Bank geschoben.

Angst vor befristeten Jobs

Der nächste Punkt ist die Situation auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Wie sieht es hier für junge Leute aus? Wie wir wissen, haben ganze 70 Prozent der 15- bis 25-Jährigen Angst vor schlecht bezahlten Jobs und 60 Prozent vor befristeten Arbeitsverhältnissen. Auch hier muss Politik ran. Weg mit Befristungen ohne Sachgrund! Her mit mehr Tarifbindung, zum Beispiel indem Tarifverträge leichter für allgemeinverbindlich erklärt werden können. Derzeit können die Arbeitgeber das in den Tarifausschüssen blockieren.
 
Und das Studium? Das BAföG droht seine Rolle als wichtigste Säule der Studienfinanzierung zu verlieren. Jahrzehntelang hat Politik hier gespart. Nur noch 15 Prozent aller Studierenden erhalten heute überhaupt noch BAföG. Und ganze 98 Prozent von ihnen müssen dazuverdienen oder sind zusätzlich auf Geld von den Eltern angewiesen. Ganz zu schweigen vom Schüler-BAföG, das radikal eingedampft wurde. Hier läuft etwas grundlegend schief. Die Entscheidung, für oder gegen ein Studium, ja manchmal auch fürs Abitur, hängt erheblich vom Geldbeutel der Eltern ab. Und das in einem der reichsten Länder dieser Welt – unsäglich! Dieses Land braucht endlich eine Bildungspolitik für alle Menschen. Chancengerechtigkeit gehört in den Mittelpunkt.

Bildungspolitik als zentrales Thema

Für uns Gewerkschaften ist eine sozial gerechte Bildungspolitik zentrales Thema. Weil sie die Hoffnungen und Wünsche der jungen Generation ernst genommen hat, konnte die Gewerkschaftsjugend in den letzten Jahren viele neue Mitglieder gewinnen. Wie wir das machen? Wir stärken die jungen Menschen. Wir bieten ihnen Plattformen, um ihr Thema zu dem Thema zu machen. Wir vermitteln ihnen das Handwerkszeug, das sie brauchen, um ihre Rechte im Betrieb und darüber hinaus durchzusetzen – sei es während der Ausbildung, im Studium oder auch schon im Ferienjob. Die jungen Leute erleben, wie sie ihre Ausbildung, ja ihre Arbeitswelt, mitgestalten können. Und darauf kommt es bekanntlich an im Arbeitsleben.
 
Jugendliche interessieren sich nicht für Politik, heißt es – aber interessiert sich die Politik für Jugendliche? Bisher eindeutig zu wenig. Politik muss dringend deutlich mehr tun für gute Bildung, für gute Ausbildungsbedingungen, für die Studienförderung. Sie muss die soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems verbessern. Die Gewerkschaften haben längst erkannt, dass Jugendthemen nicht einfach „nebenherlaufen“ dürfen. Ziel der Gewerkschaften war und ist es, der Jugend zu helfen, Politik zu machen. Daran sollte sich die Politik, daran sollten sich die Parteien noch stärker orientieren.  

Jung, engagiert, unpolitisch? Wie Parteien für junge Menschen attraktiv werden

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