Welttag für menschenwürdige Arbeit

Plädoyer für Arbeitnehmerrechte

Anina Kühner10. Oktober 2012

Durch die Finanzkrise hat sich weltweit die Lage von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verschlechtert. Gleichzeitig fehlt ihnen zunehmend eine schlagkräftige Lobby.

International haben sich Gewerkschaften zusammengeschlossen, um alljährlich den „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ am 7. Oktober zu begehen. Dieser fiel in diesem Jahr auf einen Sonntag – dennoch war die Resonanz bei der gleichnamigen Veranstaltung in der Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin groß.

Gäste aus aller Welt waren angereist, um in verschiedenen Foren beispielsweise über prekäre Arbeit oder Gewerkschaftsrechte zu diskutieren. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Michael Sommer begrüßte die Gäste mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Stärkung globaler Arbeitnehmerrechte. „Die Wirtschaftskrise geht mit einem massiven Angriff auf die Gewerkschaften einher. Prekäre Beschäftigung breitet sich aus wie eine Seuche“, beklagte Sommer.

Gewerkschaften in Gefahr?

Zudem gerieten engagierte Gewerkschafter weltweit immer mehr in Gefahr, ihre Freiheit oder gar ihr Leben zu verlieren: Gerade in Staaten wie dem Iran oder China sei dies zunehmend der Fall. Sommer führte aus, dass diese besorgniserregende Entwicklung sich allerdings bei weitem nicht auf totalitär regierte Staaten beschränke: Auch in den USA werde derzeit der Versuch unternommen, gewerkschaftliche Arbeit gezielt zu stören.

In Bezug auf Deutschland stellte Sommer klar: „Für mich ist die Tatsache, dass in meinem Land ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung von Armutslöhnen leben muss, eine der größten Katastrophen meines Lebens.“ Hier zeige sich eine weltweite Tendenz, die natürlich auf unterschiedlichen Stufen ablaufe. Menschenunwürdige Arbeit in Indien sei nicht zu vergleichen mit prekärer Beschäftigung in Deutschland, räumte Sommer ein. Allerdings gäbe es weltweit immer schlechtere Arbeitsbedingungen: „Die Würde von Arbeit wird mit Füßen getreten“, stellte er klar.

Daher sei das internationale Engagement von Gewerkschaften und Nicht-Regierungs-Organisationen dringend notwendig, um Druck auf Politik und Wirtschaft aufzubauen. Dementsprechend äußerte sich auch Susanne Hoffmann, Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien der International Labour Organization, kurz ILO. Diese ist ein globales Organ zur Überwachung von Arbeitnehmerrechten. Arbeitgeber, Vertreter der Politik und Arbeitnehmer kommen in der ILO zusammen und erarbeiten konkrete Gesetze, die häufig von den beteiligten Staaten ratifiziert werden – wie etwa kürzlich ein neues Gesetz, das Hausangestellten das Recht auf Freizeit und Privatsphäre gegenüber ihren Arbeitgebern sichert.

Politikmix nötig

Susanne Hoffmann betonte beim „Welttag für menschenwürdige Arbeit“: „Soziale Gerechtigkeit ist die Grundlage für Frieden.“ Damit sei bei weitem nicht nur die Abwesenheit von Krieg gemeint, sondern auch der innenpolitische Frieden, der im Moment gerade in südeuropäischen Staaten wie etwa Spanien oder Griechenland durch die massiven Sparmaßnahmen der Regierungen extrem gefährdet sei.

„Es kann nicht sein, dass 20 Prozent der Weltbevölkerung 70 Prozent des Gesamtvermögens besitzen“, rief Hoffmann den Teilnehmern der Konferenz zu. In der EU gebe es mittlerweile 25 Millionen Arbeitslose, in Südeuropa liege die Jugendarbeitslosigkeit teilweise schon bei 50 Prozent und 94 Prozent der in den letzten Jahren europaweit geschaffenen Jobs seien Teilzeitjobs. „Diese Zahlen zeigen deutlich, in welche Richtung sich die Arbeitswelt entwickelt“, so Hoffmanns Bilanz. Gerade die Tatsache, dass die Zahl der „working poor“ zunehme, sei mit Blick auf den sozialen Frieden besorgniserregend. „Was fehlt, ist ein Politikmix, der Ökonomie und soziale Gerechtigkeit ausbalanciert“, stellte sie klar.

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