75 Jahre Kriegsende

Penzberger Mordnacht: Das Steigerlied in Gedenken an den SPD-Bürgermeister

Jonas Jordan08. Mai 2020
In der Penzberger Mordnacht töteten die Nazis 16 Menschen kurz vor Kriegsende, darunter der SPD-Bürgermeister Hans Rummer. Das Gedenken daran prägt die Menschen in der oberbayrischen Kleinstadt bis heute. In diesem Jahr wegen Corona mit einer besonderen Aktion.

Es war der Morgen des 28. Aprils 1945, als Hans Rummer im Radio vom Ende in Bayern hörte. Es war bereits das sechste Jahr des Zweiten Weltkriegs und nun sollte vorbei sein. Rummer, gelernter Bergmann und seit der Stadtgründung 1919 bis zur Machterlangung der Nationalsozialist*innen 1933 Bürgermeister von Penzberg, ergriff die Initiative.

Um 18 Uhr erschossen

Der Sozialdemokrat verhinderte die Sprengung des Bergwerkes, sorgte für die Befreiung von Zwangsarbeiter*innen und Gefangenen aus benachbarten Lagern und setzte den nationalsozialistischen Bürgermeister ab. Doch während Rummer versuchte die Verwaltung der oberbayrischen Kleinstadt 50 Kilometer südlich von München wieder aufzubauen, umstellten bewaffnete Einheiten das Rathaus. Gegen 18 Uhr erschossen sie auf Geheiß des Münchner Gauleiters Rummer und sieben seiner Mitstreiter. Insgesamt starben in der sogenannten Penzberger Mordnacht 16 Menschen. Zehn Tage bevor der Krieg dann wirklich in ganz Deutschland vorbei war.

Heute erinnert in Penzberg die „Bürgermeister-Rummer-Straße“, die direkt an der Stadthalle entlangführt, an den mutigen Sozialdemokraten. Unweit davon verläuft die Straße des 28. April 1945, die allen Opfern der Penzberger Mordnacht gewidmet ist. „Der 28. April hat sich ins kollektive Gedächtnis von Penzberg eingebrannt“, sagt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende und Stadtrat Bayram Yerli.

Steigerlied an 16 Orten

Seit 75 Jahren erinnern die Sozialdemokrat*innen vor Ort an die Opfer des 28. April 1945, alle fünf Jahre mit einem großen Festakt. Das war auch für dieses Jahr geplant. Markus Rinderspacher, Vizepräsident des Bayerischen Landtages und dort europapolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hatte bereits als Gastredner zugesagt. Doch dann kam die Corona-Pandemie und auch die Gedenkveranstaltung war in der vorgesehenen Form nicht mehr möglich.

Mitte März war klar, dass sich die Penzberger*innen klar, dass sie sich für den 75. Gedenktag etwas anderes einfallen lassen mussten. Zunächst war es schwierig einzuschätzen, was unter diesen Umständen überhaupt möglich sein würde. Doch dann kam in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Musikverein und dem Penzberger Bergknappen-Verein die Idee einer musikalischen Gedenkveranstaltung auf. An 16 zentralen Orten in der Stadt – wie zum Beispiel der Stadthalle, dem Friedhof, der Kirche oder dem Dach der Moschee – spielten 16 Musiker*innen das Steigerlied. „So hatten wir die Möglichkeit, die Sicherheitsabstände zu wahren und trotzdem den Ermordeten zu gedenken“, sagt Yerli.

Ein Datum als Mahnung und Erinnerung

Am Friedhof legten Yerli und die Erste Bürgermeisterin Elke Zehetner einen Kranz für die Ermordeten nieder, ebenso der Fraktionsvorsitzende Adrian Leinweber am Mahnmal in der Straße des 28. April 1945. Zur Bedeutung dieses Datums für die SPD in Penzberg sagt Yerli: „Es ist etwas, das so gar nicht mehr zu trennen ist, der 28. April, die SPD und in Penzberg. Die drei Sachen haben sich ins kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt. So traurig es auch ist: Das gehört einfach zusammen.“

Dieses Datum ist Erinnerung und Mahnung zugleich. Nicht für Sozialdemokrat*innen, sondern für alle Demokrat*innen. Denn: „Wenn man Penzberg sagt, denkt man sofort an den 28. April und daran, dass die Nazis ihr Morden und ihr verbrecherisches Tun bis zuletzt weiter verfolgt haben“, sagt Yerli. Auch noch zehn Tage vor dem Ende des Krieges.

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