Energie

Im Osten scheint die Sonne

Karsten Wiedemann06. August 2009

Noch ist nicht viel zu sehen von der Zukunft im Brandenburger Süden. Unweit der Gemeinde Turnow-Preilack erstreckt sich die menschenleere und trockene Landschaft der Lieberoser Heide bis zum
Horizont. Doch schon bald soll die Sonne nicht mehr ungenutzt auf den ausgedörrten Heideboden scheinen: Auf auf dem ehemals größten sowjetischen Militärgelände in Ostdeutschland entsteht ein
Solarkraftwerk.

Über 600 000 Solarmodule sollen dann 50 Megawatt Strom erzeugen. Damit lassen sich etwa 16 000 Haushalte, also eine Kleinstadt, mit Elektrizität versorgen. Die Firma Solar Projekt investiert
insgesamt 160 Millionen Euro. "Dieses Projekt soll Modellcharakter für die sinnvolle Nutzung der zahlreichen Truppenübungsplätze im Land Brandenburg haben", sagt Geschäftsführer Klaus Hoff.

Insgesamt 400 Hektar Fläche wurden von alten Minen und Munition gesäubert, ein Teil der Fläche bleibt dauerhaft Naturschutzgebiet. Die Kosten für die Bodensanierung übernahm der Betreiber.
Turnow-Preilack ist nur ein Beispiel der Erfolgsgeschichte Solarenergie in Ostdeutschland.

Jobwunder Solarenergie

In den letzten Jahren hat sich eine blühende, mittelständisch geprägte Industrie entwickelt. 8500 Beschäftigte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stellen 90 Prozent aller in Deutschland
gefertigten Solarzellen her. Das entspricht einem Weltmarktanteil von 18 Prozent.

Warum es so viele Firmen in die Region zieht? "Die Offenheit der Behörden hat uns dazu bewogen nach Thalheim zu gehen", sagt beispielsweise Michael Bauer von der Q-Cells AG, einem weltweit
führenden Solarzellenhersteller.

Thalheim gehört zu Bitterfeld- Wolfen, dem ehemaligen Zentrum der DDR-Chemieindustrie. Die hat zwar viel Dreck, aber auch Infrastruktur und ein Reservoir an Facharbeiten hinterlassen, von dem
Firmen wie Q-Cells nun profitieren können.

Vorbild "silicon valley"

Norbert Thiel von der PVA Tepla AG hält bei günstigen Umständen bis zu 100 000 Arbeitsplätze in der Region allein in der Solarwirtschaft für möglich. In den Öfen des Unternehmens aus Erfurt
wird der Rohstoff Silizium zu einer Suppe zusammengekocht, aus der später Solarzellen hergestellt werden. Gerade weil es in Westdeutschland keinen vergleichbaren Industriezweig gebe, sei die
Entwicklung so positiv, meint Thiel. "Wir haben schon bei der Halbleiterindustrie im Raum Dresden gesehen, dass im Osten nur erfolgreich sein kann, was es im Westen nicht gibt." Nun gelte es
dafür zu sorgen, dass genügend Fachkräfte in der Region bleiben.

Die Entwicklung in der Solarbranche geht rasend schnell und auch die Konkurrenz, etwa aus China, wird immer stärker. Um Schritt zu halten haben sich 29 Solarfirmen und 14
Forschungseinrichtungen aus Sachsen sowie Sachsen- Anhalt und Thüringen zu einem so

genannten Spitzencluster mit dem Namen "Solarvalley Mitteldeutschland" zusammengeschlossen.

Gemeinsames Ziel: Solarstrom in Deutschland ab dem Jahr 2015 genauso günstig anzubieten wie konventionellen Strom (Grid Parity). Wenn das gelingt, winkt den beteiligten Firmen ein
Riesengeschäft und der Region ein nie da gewesener Aufschwung.

Damit Sonnenernergie konkurrenzfähig werden kann, müssen die Produktionskosten

massiv gesenkt und der Wirkungsgrad der Solarzellen verbessert werden. Bei der dafür notwendigen Forschung wird das "Solarvalley" mit rund 40 Millionen Euro aus dem Spitzen

cluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums unterstützt. Der Forschungsverbund gehört hier zu fünf Regionen, die in den nächsten Jahren mit insgesamt 200 Millionen Euro gefördert
werden.

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