Sachsen

Oberbürgermeisterwahl in Leipzig: Jung bleibt im Amt

Karin Billanitsch02. März 2020
Der Sozialdemokrat Burkhard Jung geht in seine dritte Amtszeit als Leipziger Oberbürgermeister. Im zweiten Wahlgang setzte er sich gegen seine Kontrahenten Sebastian Gemkow von der CDU und Ute Elisabeth Gabelmann von der Piratenpartei durch.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bleibt im Amt. Der sozialdemokratische Amtsinhaber hat am Sonntag im zweiten Wahlgang knapp mit 49,1 Prozent vor dem CDU-Bewerber, Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, gesiegt. Gemkow lag mit 47,6 Prozent knapp hinter Jung, es folgte Ute Elisabeth Gabelmann mit 3,3 Prozent.

Dritte Amtszeit

Der 61-jährige Jung ist seit 2006 im Amt und steht nun vor seiner dritten Amtszeit in Sachsens größter Stadt. Der Chefsessel im Leipziger Rathaus ist seit drei Jahrzehnten von der SPD besetzt. Jung hatte für ein dynamisches, weltoffenes und vielfältiges Leipzig geworben. Nun kann er die Geschicke der Stadt als Rathauschef weitere sieben Jahre lang bestimmen. Rund 227.000 Stimmen wurden abgegeben.

„Völlig unabhängig vom Wahlergebnis möchten wir Danke sagen. Danke für eine lange Zeit voller Anstrengung, Aufregung, Freude, Wut, Erfahrungen, Verletzungen, Herausforderungen, Klarheit und dem Geschenk, dass wir viele Menschen haben, die mitgefiebert und uns Zuspruch gegeben haben“, teilte Jung auf seiner Facebook-Seite mit.

Taktik aufgegangen

Nach dem ersten Wahlgang vor einem Monat lag Jung überraschend nur an zweiter Stelle. Danach ist er auf Grüne und Linke „offen zugegangen“, wie er in einem Interview am Vortag der Wahl sagte. „Wir haben ganz offen und transparent miteinander gesprochen, was uns verbindet und welche Themen uns allen wichtig sind. Die Schnittmengen sind dabei sehr schnell klar gewesen. Das ist zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr, der soziale Wohnungsbau, aber auch neue Gemeinschaftsschulen und das Leben von Vielfalt und Toleranz.” Damit hoffte Jung, die Wählerschaft jenseits der CDU überzeugen zu können – offenbar ist die Taktik aufgegangen. Die Kandidatinnen von Grünen und Linken waren zu Jungs Gunsten im zweiten Wahlgang nicht mehr angetreten.

Für ihn ging es am Sonntag um die Frage: “vorwärts oder rückwärts, Progressivität oder Konservativismus“. Er möchte „eine offene, transparente und vielfältige Gesellschaft, in der wir die Demokratie weiterentwickeln, den Klimaschutz vorantreiben und die Mobilitätswende ernst nehmen. Die andere Seite will dagegen das bewahren, was ist. Das bedeutet dann auch: oben bleibt oben und unten bleibt unten.“

Pläne für die Zukunft

Leipzig ist ein Großstadt mit Wachstumsschmerzen. Um die zu lindern, plant er in den nächsten Jahren 10.000 neue Sozialwohnungen, ein 365-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und „10+5*6 neue Schulen“, wie der frühere Deutsch- und Religionslehrer mit einem Augenzwinkern sagt.

Jung stammt ursprünglich aus dem Siegerland. 1991 wurde er als Schulleiter an das Evangelische Schulzentrum in Leipzig abgeordnet, um Aufbauhilfe zu leisten. Er blieb bis heute. Seit Juni vergangenen Jahres ist er auch Präsident des Deutschen Städtetages.

Dulig: „Tolles Signal für die Stadt“

Burkhard Jung werde „den erfolgreichen Weg und die gute Entwicklung, die Leipzig in den vergangenen Jahren genommen hat, nun weitergehen können“, kommentierte der sächsische SPD-Vorsitzende Martin Dulig das Wahlergebnis. Mit konkreten Positionen, einem positiven Wahlkampf und einer klaren Haltung gegen Rechts habe Jung als alter und neuer Oberbürgermeister die Wählerinnen und Wähler überzeugt.

„Sein Wahlsieg ist ein Gewinn für alle Einwohnerinnen und Einwohner von Leipzig. Die Leipzigerinnen und Leipziger haben sich heute dafür entschieden, dass ihre Stadt auch in Zukunft mit Weltoffenheit, Toleranz und Modernität regiert wird. Das ist ein tolles Signal für die Stadt und den gesamten Freistaat. Dafür gebührt Burkhard Jung Dank und Respekt“, so Martin Dulig. 

Der Artikel erschien zunächst auf demo-online.de.

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Kommentare

Wahlsieg aber keine eigene SPD-Mehrheit; wie lange geht das gut?

Diesem beachtlichen Ergebnis könnte eine "Verfallszeit" der SPD-Stadtratsfraktionraktion bei der nächsten Stadtratswahl ein vorzeit-iges Ende bereiten?! Bei der "Neugründung der SDP" 1989 kam die historische Rolle der sächsischen SPD unter die Räder. Ich hatte bei der 150-Jahrfeier schon das ungute Gefühl: Wenn es je ein sozialdemokratisches Jahrhundert gegeben hat, dann ist dieses untergegangen. Daran konnte auch meine 60-jährige Migliedschaft nichts ändern.