Trump-Effekt

Von Null auf 100: Ein SPD-Neumitglied startet durch

Robert Kiesel29. Dezember 2016
Nina Gerling möchte zunächst die SPD in ihrem Wohnort Zarrentin wiederbeleben. Die ersten Schritte sind bereits getan.
Mit jeder neuen Krise scheinen weniger Menschen Lösungen von der Politik zu erwarten - viele wenden sich ab. Nina Gerling hat das Gegenteil getan. Als SPD-Neumitglied startet die 34-Jährige jetzt erst richtig durch.

Viel war in den vergangenen Wochen vom Trump-Effekt die Rede. Einer durch die US-Präsidentschaftswahl ausgelösten Mobilisierungswelle, die nicht zuletzt die SPD erfasste. Allein im November registrierte die Partei 1900 Neueintritte, doppelt so viele wie in „normalen Monaten“, heißt es aus der Parteizentrale. Noch in der Wahlnacht waren Dutzende Neumitglieder online registriert worden.

Neu in der SPD: „Ich bewege mich. Endlich.“

Nina Gerling ist der personifizierte Trump-Effekt, wenn man so will. Keine 24 Stunden nach der Wahl veröffentlichte sie einen Text auf Facebook, der von der SPD geteilt und tausendfach gelesen wurde. Mit „Ich bewege mich. Endlich.“ überschrieb Gerling den Abschnitt des Beitrags, der ihre Gründe für den Eintritt in die SPD schildert. Er liest sich wie ein Manifest ihres politischen Engagements.

Und tatsächlich, Nina Gerling bewegt sich. Zusammen mit ihrem Ehemann ist die 34-Jährige nun Teil der SPD-Ortsgruppe in Zarrentin, Mecklenburg-Vorpommern. 22 Mitglieder zählt diese, lang nicht alle sind tatsächlich aktiv, der Altersschnitt liegt jenseits der 60. Dennoch sagt Gerling: „Wir wollen vor Ort etwas bewegen, die Ortsgruppe ist der perfekte Rahmen dafür. Hier bin ich nah dran, hier kann ich eine Menge reißen.“

Erstes Projekt: Der politische Stammtisch

Der Start gelang rekordverdächtig. „Von 0 auf 100“, wie sie selbst sagt. Beim Besuch ihrer ersten Delegiertenkonferenz überhaupt traf sie direkt auf Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, knüpfte wertvolle Kontakte. Die neue Internetpräsenz der SPD-Zarrentin ist das alleinige Werk der Webdesignerin und oben drauf wurde sie vom Rat der Stadt Zarrentin am Schaalsee zur sachkundigen Einwohnerin im Haushalts- und Finanzausschuss gewählt. Ehemann Enrico führt die Kasse des Ortsvereins und ist zugleich in dessen Vorstand aufgerückt.

Ein Auftakt nach Maß, der zu den ambitionierten Zielen Nina Gerlings passt. „Mein Mann und ich, wir sind beide sehr kreativ, sprühen vor Ideen und haben viele Pläne im Kopf“, erklärt Gerling. Das erste konkrete Projekt stellte sie den Genossen auf der jüngsten Sitzung der Ortsgruppe vor. Es heißt „Politischer Stammtisch“ und meint ein regelmäßiges Treffen von Zarrentinern aller Lager, um für die Stadt relevante politischen Themen zu besprechen. „Alle sechs Wochen wollen wir solch ein Treffen organisieren, damit die Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen“, so Gerling. Die Idee kam an: Der erste Stammtisch findet am 15. Februar zum Thema „Bezahlbares Wohnen in Zarrentin“ statt.

Teamwork statt One-Man-Show

Bei allem Tempo und Drang nach vorn legt Nina Gerling Wert darauf, die Genossen nicht zu überrumpeln. „Wir wollen das alles im Zusammenspiel mit den anderen machen, keine One-Man-Show abziehen“, so die aus Österreich stammende Selbstständige. Gerade als Neu-Zugezogene – die Gerlings wohnen seit Dezember 2015 in Zarrentin – müssten sie aufpassen, die Menschen nicht zu überfordern, zu viel auf einmal zu wollen. „Mein Mann ist Ludwigsluster und ich selbst bin auch schon ewig Landei“, zerstreut Gerling mögliche Skepsis. Mit kleinstädtischen Strukturen kennen sich die beiden aus, zuvor wohnten sie im Spreewald im Osten Brandenburgs.

Und auch wenn ein Restzweifel bleibt – „es kann sein, dass ich mir kräftig die Finger verbrenne“ – sieht sich Nina Gerling in ihrem Handeln bestärkt. Stunden nach der US-Wahl hatte sie noch auf Facebook geschrieben: „Ich glaube fest daran, dass ich als durchschnittlicher Mensch etwas bewegen kann. Vielleicht nicht auf nationaler oder gar internationaler Ebene, aber sicher regional. Hier vor Ort.“ Keine acht Wochen später liegt die erste Etappe auf dem Weg dorthin bereits hinter ihr.

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Kommentare

Trump sei Dank!? Hunderte Neumitglieder in der SPD

Es ist ja erfreulich, aber wieviele Mitglieder hat die SPD z.B. wegen der Zustimmung zu Ceta verloren?