Rechtsterrorismus

NSU-Verfahren: Nebenklage-Vertreter rütteln an der Trio-These

Robert Kiesel15. November 2017
Befangenheitsanträge zur Verschleppung des NSU-Prozesses: Viereinhalb Jahre läuft die Verhandlung gegen Beate Zschäpe und die Mitangeklagten bereits.
Der NSU-Prozess geht auf die Zielgerade: Der Hauptangeklagten Beate Zschäpe droht lebenslange Haft.

Eine Kooperation mit bnr.de

Immer wieder forderten Nebenkläger und Prozessbeobachter während des NSU-Prozesses, das Netzwerk um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe stärker in den Blick zu nehmen. Zum Beginn der Nebenklage-Plädoyers erfolgt nun eine Abrechnung mit den Ermittlungsbehörden.

Nach mehrwöchigem Stillstand im NSU-Verfahren haben am Mittwoch die Plädoyers der Nebenkläger begonnen. Zuvor hatten die Verteidiger der Angeklagten Andre E. und Ralf Wohlleben mit immer neuen Befangenheitsanträgen dafür gesorgt, dass seit dem 12. September nur vier Verhandlungstage hatten stattfinden können.

Hatte der NSU einen Helfer in Köln?

Als erste Nebenklägerin hielt Edith Lunnebach, Vertreterin der Familie, deren Tochter bei einem Bombenanschlag in der Kölner Probsteigasse schwer verletzt worden war, ihr Plädoyer. Lunnebach warf darin der Bundesanwaltschaft vor, sich zu früh auf die sogenannte „Trio-These“ eines NSU, der aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe bestanden hätte, festgelegt zu haben. Gerade im Fall Probsteigasse gebe es „überwältigende Fakten“ dafür, dass nicht allein das Kerntrio und der unter anderem wegen Beihilfe zum versuchten Mord angeklagte E. den Anschlag verübt hatten, so Lunnebach.

Lunnebach schloss darüber hinaus nicht aus, dass jener Komplize, bei dem es sich um einen ehemaligen V-Mann des Landesamtes für Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen gehandelt haben könnte, die in einer Christstollendose versteckte Bombe deponiert habe:

Parallelen zum Oktoberfest-Attentat

Im Anschluss an Lunnebach startete Mehmet Daimagüler, Vertreter der Angehörigen der Nürnberger NSU-Opfer Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar, sein Plädoyer. Wie seine Vorrednerin kritisierte er das Vorgehen von Bundesanwaltschaft und Ermittlungsbehörden scharf:

Darüber hinaus warf er der Bundesanwaltschaft (BAW) vor, „dass, wo immer Rechtsradikale, Rassisten, Nazis ihre Morde verübt haben, es die Tendenz gab bei der BAW die Tatmotive und die politischen Hintergründe herunterzuspielen bzw. den Täterkreis zu begrenzen.“ In der Folge zog Daimagüler Parallelen zu Ermittlungen im Zuge des Oktoberfest-Attentats aus dem Jahr 1980, die wegen ihrer frühzeitigen Festlegung auf die Einzeltäter-These bis heute in der Kritik stehen.

Das Plädoyer Daimagülers wird am Donnerstag (16. November) fortgesetzt.

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Und die unrühmliche Rolle vom Verfassungsschutz ist ebenfalls zu berücksichtigen. s. hierzu das lesenswerte Buch von Wolfgang Schorlau "Die schützende Hand" https://www.kiwi-verlag.de/buch/die-schuetzende-hand/978-3-462-04666-3/ bzw. der Film im ZDF am 06.11.2017 https://www.prisma.de/tv-programm/Dengler-Die-schuetzende-Hand,15630844