Kundgebung gegen Antisemitismus

„Nie wieder Judenhass“

Carolin Katschak14. September 2014

Tausende Menschen haben sich am Sonntag vor dem Brandenburger Tor in Berlin versammelt, um gegen den neu aufgeflammten Antisemitismus zu demonstrieren. Auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und weitere hochrangige Vertreter aus Politik und Gesellschaft kamen zu der Kundgebung.

"Wir hören nicht weg, wenn antisemitische Hassparolen ertönen und schauen nicht weg, wenn Bürgerinnen und Bürger oder Synagogen attackiert werden", betonte der Regierende Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit bei der Kundgebung. Es sei wichtig gemeinsam ein Zeichen zu setzen, da solche Angriffe "immer auch ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft" seien.

Zahlreiche prominente Sozialdemokraten vor Ort

Neben dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit kamen zahlreiche prominente Sozialdemokraten zur Demonstration: der Parteivorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Familienministerin Manuela Schwesig, Generalsekretärin Yasmin Fahimi und Bundesschatzmeister Dietmar Nietan.

"Ein friedliches Miteinander der Kulturen, Religionen und Völker muss immer neu erarbeitet werden", mahnte Sigmar Gabriel vor Beginn der Demonstration in Berlin. "Judenfeindliche Parolen darf es auf unseren Straßen nicht geben", machte er mit Blick auf antisemitische Proteste gegen Israels Angriffe auf den Gaza-Streifen in diesem Sommer klar. 

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner forderte: "Vorurteilen, Ressentiments und Fremdenhass müssen wir täglich entgegentreten." Rechtsextremisten und Antisemiten dürfe man nicht die Straßen überlassen. "Politik, die auf Ausgrenzung, Diffamierung und Diskriminierung setzt, trifft jederzeit auf den schärfsten Widerstand der SPD", betonte Stegner. "Das gilt für antisemitische Parolen ebenso wie für die unsägliche Propaganda der NPD oder den Rechtspopulismus der AfD."

Schauderhafte Schockwellen seit Gaza-Konflikt

Der Präsident des Zentralrats der Juden Dieter Graumann sagte, es habe anlässlich des Gaza-Krieges "schauderhafte Schockwellen von Judenhass in ganz Europa" gegeben. Am Rande von Demonstrationen gegen die eskalierte Gewalt im Gazastreifen war es auch in Deutschland zu judenfeindlichen Äußerungen gekommen. Graumann sprach von den "schlimmsten antisemitischen Parolen auf deutschen Straßen seit Jahrzehnten". Um den antisemitischen Parolen entgegenzutreten und um Frieden zu schaffen, drängte der Präsident des Zentralrats auf ein gemeinsames Handeln von Verbänden, Medien, Politik und Gesellschaft.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die antisemitischen Äußerungen und Übergriffe der jüngsten Wochen scharf. Es sei ein "ungeheurer Skandal", dass Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben angepöbelt würden. Diskriminierung und Ausgrenzung dürften in Deutschland keinen Platz haben. Deshalb würden die deutschen Behörden mit aller Härte gegen antisemitische Drohungen und Gewalt vorgehen. Zudem sei der Kampf gegen Antisemitismus nicht nur eine staatliche, sondern auch bürgerliche Pflicht. "Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen", so die Kanzlerin.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" zu der Großkundgebung in Berlin eingeladen. An der Demonstration nahmen rund 8000 Menschen teil. Mit der Kundgebung werde "ein Zeichen gegen Antisemitismus, gegen Rechtsextremismus und gegen Menschenfeindlichkeit sowie für Respekt vor dem Glauben und der Kultur des jeweils anderen gesetzt - sei er Jude, Muslim oder Christ", so Merkel. Der Präsident des World Jewish Congress Ronald S. Lauder appellierte an die Bevölkerung als ein Volk zusammen zu stehen, egal ob Jude oder Nichtjude.