Do it yourself

Neueintritte: Warum die SPD in Freiburg Parteibücher bastelt

Kai Doering11. Februar 2017
„Das werden historische Parteibücher.“ Ergebnis der Bastelarbeit in Freiburg
Weil der SPD in Freiburg die Parteibücher ausgingen, bastelten die Aktiven vor Ort einfach eigene. Der Mitgliederzuwachs in der Partei ist eng verbunden mit der Person Martin Schulz.
Die Eintrittswelle bei der SPD hat Folgen: In Freiburg sind in dieser Woche die Parteibücher ausgegangen. Damit die Neumitglieder trotzdem etwas in der Hand haben, griffen die Genossen zu Schere, Nadel und Faden.

Solche Probleme kannten sie in der SPD Baden-Württemberg bisher nicht. Wie überall im Bundesgebiet verzeichnet die Partei auch im Südwesten zurzeit eine Welle an Neumitgliedern. Erst der Trump- dann der Schulz-Effekt: Seit Januar sind in Baden-Württemberg rund 700 Menschen in die SPD eingetreten. Die Folge: Immer wieder wurden in den Regionalgeschäftsstellen die Parteibücher knapp.

Niemand wollte Parteibücher rausrücken

So schlimm wie im Regionalzentrum Südbaden kam es aber noch nie: Plötzlich war kein einziges Blanko-Exemplar der roten Büchlein mehr auffindbar. Auch Anrufe in anderen Bundesländern halfen nicht weiter. „Niemand wollte Parteibücher rausrücken“, erzählt Generalsekretärin Luisa Boos. Schließlich hatte die 32-Jährige aber die rettende Idee: „Wenn einem die Parteibücher ausgehen, muss man einfach selbst welche basteln.“

Spontan lud sie für Donnerstag die Parteimitglieder in die Geschäftsstelle in Freiburg ein. Vor allem Jusos und Mitglieder der AG 60plus kamen. Fotos zeigen eine bunte Truppe rund um einen langen Tisch. „Die Stimmung war super“, erzählt Luisa Boos. Mit Schere, Nadel, Faden und Papier machten sie sich an die Arbeit.

Eisessen mit den Neumitgliedern

Auf der ersten Seite der provisorischen Parteibücher stehen die Stammdaten des Mitglieds wie beim herkömmlichen Parteibuch auch. Auf Seite zwei findet sich ein Text, in dem Luisa Boos den Inhaber in der SPD willkommen heißt. Auf der dritten Seite ist eine Karte mit der Aufschrift „Dafür trete ich ein“. „Und auf der vierten Seite haben alle, die mitgebastelt haben, unterschrieben“, erzählt Boos. „Das werden historische Parteibücher. Vielleicht nicht die perfektesten – aber nahezu einzigartig.“ Einige Neumitglieder konnten ihr Parteibuch am Donnerstag sogar selbst basteln und noch vor Ort entgegen nehmen.

„Wir wollen, dass Neumitglieder schnell Kontakt zu ihrem Ortsverein bekommen. Dafür ist es wichtig, dass sie möglichst bald nach ihrem Eintritt ihr Parteibuch ausgehändigt bekommen – selbst wenn es erstmal provisorisch ist“, erklärt Luisa Boos den Hintergrund der Aktion. Mitgliederbindung schreibt die Generalsekretärin groß: Schon zweimal hat sie sich mit jeweils rund 20 Neumitgliedern zum Kennenlern-Eisessen getroffen. Auf die Idee gebracht hatte sie ein Freund, der ein gemeinsames Eisessen zur Bedingung für den Parteieintritt gemacht hatte.

Bei der spontanen Bastelaktion am Donnerstag sind 100 Do-it-yourself-Parteibücher entstanden. Wie lange sie bei dem aktuellen Run auf die SPD ausreichen, ist schwer zu sagen. Die Bundespartei hat aber bereits angekündigt, ab 14. Februar neue, offizielle Parteibücher liefern zu können.

weiterführender Artikel