Rechtsextremismus

Neue Morddrohungen: Chef der SPD-Bocholt tritt zurück

Robert Kiesel13. Dezember 2016
Thomas Purwin ist Vorsitzender der SPD in Bocholt
Thomas Purwin hat sein Amt als Vorsitzender der SPD in Bocholt niedergelegt. Unbekannte bedrohen ihn und seine Familie mit dem Tode.
Wieder trifft es die SPD in Bocholt, wieder ihren Vorsitzenden Thomas Purwin: Nach neuen Morddrohungen gegen ihn und seine Familie legt der bisherige Chef des Stadtverbands sein Amt nieder. Die Drohungen nennt er „pervers, widerlich und ekelhaft“.

Thomas Purwin hat genug. Nachdem unbekannte Täter sowohl die Lebensgefährtin als auch die Tochter des bisherigen Vorsitzenden der SPD in Bocholt mit dem Tode bedroht haben, legte Purwin am Dienstag sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. „Wenn es gegen meine Tochter geht, ist die Grenze erreicht“, erklärte Purwin im Gespräch mit vorwärts.de. Die SPD in Bocholt wird künftig ohne den 35-Jährigen auskommen müssen.

„Pervers, widerlich und ekelhaft“

Die Morddrohung gegen Tochter und Lebensgefährtin des Sozialdemokraten war am Sonntagabend im Postfach des SPD-Stadtverbandes gelandet. „Pervers, widerlich und ekelhaft“ nennt Purwin den Inhalt der Mail, in der er und seine engsten Familienmitglieder mit dem Tode bedroht wurde. Die unbekannten Autoren hatten damit gedroht, Purwins Tochter und seine Lebensgefährtin auf schäbigste Weise sexuell zu missbrauchen und später zu töten.

Es sind nicht die ersten Morddrohungen, mit denen sich Purwin konfrontiert sieht. Im Oktober hatte die SPD in Bocholt ihren Parteitag abgesagt, auf dem Purwin erneut für das Amt des Vorsitzenden kandidieren sollte. Auslöser waren bereits damals anonym und per Mail verschickte Botschaften, in denen die Autoren unter anderem damit drohten, Purwin seinen „verfickten Judeschädel“ einzuschlagen. Vorwärts.de und zahlreiche überregionale Medien berichteten. Binnen weniger Tage erreichten Purwin unzählige Solidaritätsadressen. Selbst SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte sich damals zu dem Vorfall und sicherte seine Teilnahme am nächsten Parteitag der SPD-Bocholt zu.

NRW-SPD zeigt Solidarität

Die SPD Nordrhein-Westfalen reagierte umgehend auf die Nachricht vom Rücktritt Purwins vom Amt als Vorsitzender der SPD-Bocholt. Generalsekretär André Stinka erklärte: „Die erneuten Drohungen und Hassmails gegen Thomas Purwin sind beschämend. Sie richten sich gegen alle Demokratinnen und Demokraten. Die Täter müssen schnell identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden.“ Die Entscheidung Purwins, sich mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückzuziehen, bedauere und respektiere Stinka. „Thomas Purwin kann sich darauf verlassen, dass wir weiterhin an seiner Seite stehen“, so Stinka weiter.

In Berlin äußerte sich SPD-Generalsekretärin katarina Barley zu den erneuten Morddrohungen gegen Purwin und dessen Familie: „Die widerwärtigen Drohungen und Hassmails gegen seine Person und seine Familie sind schockierend. Wir hoffen, dass der oder die Täter schnell festgestellt und zur Rechenschaft gezogen werden können. Die deutsche Sozialdemokratie kämpft seit über 150 Jahren für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft und gegen Hass und Hetze. Wir vertrauen fest darauf, dass unsere demokratischen Werte stärker sind als Unfriede und Gewalt.“

Komplizierte Ermittlungen

Unterdessen stehen die im Fall Purwin ermittelnden Polizeibehörden vor einem Rätsel. Da die Mails von im Ausland registrierten IP-Adressen verschickt wurden, konnten bislang keine Tatverdächtigen ermittelt werden, so eine Polizeisprecherin am Mittwoch. „Mit Hochdruck“ fahnden Polizei und Staatsschutz nach den Absendern der Mails, auch weil der politische Druck immer weiter steige. Einen nach den ersten Drohungen gegen Purwin im Oktober vernommenen Tatverdächtigen hatte die Polizei laufen lassen. Er bestritt, etwas mit den Mails zu tun zu haben. 

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Kommentare

Rechtsextremismus

Es ist sehr traurig, wie tief die BRD gesunken ist. Meine Solidarität gilt Thoams Purwin.
Die SPD sollte endlich aufwachen, sich an ihre Geschichte erinnern und gegensteuern, nicht mit Anbiederung an Merkel, Schäuble, Dobrindt & Co., sondern sich auf ihre Werte besinnen und von der neoliberalen Politik Abstand nehmen!

Neue Morddrohungen

Das Ganze ist extrem widerlich. Der Rücktritt von Herrn Purwin ist menschlich absolut verständlich! Wo soll das noch enden? Alle Demokraten und besonders das linke Spektrum müssen offen Flagge gegen 'rechts' zeigen. Worte des Bedauerns und "Wir sind bei Dir" - so gut sie gemeint sein mögen - genügen nicht! Die Demokraten müssen massenhaft gegen 'rechts' auf die Straße gehen. Es muss massiv sichtbar und hörbar werden, dass der öffentliche Raum unaufgebbar den Demokraten gehört und nicht den Rechten! Dazu gehört aber auch, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Verhältnisse sehr viel gerechter und solidarischer werden müssen! Und dazu gehört, dass die Staatsgewalt nicht länger vielfach auf dem 'rechten Auge' blind sein darf. Dass die Ermittlungen kompliziert sind ist, ist das Eine.Tut der Staat aber konsequent alles, um unbelehrbar Rechte aus dem Staatsdienst fernzuhalten? Rechte Einstellungen bei Staatsdienern sind so selten nicht! Es gab mal einen Radikalenerlass. Aber der galt nur für 'Linke' - und nur deshalb, weil Links-Sein absolut negativ besetzt war. Da wurden ganze Berufsleben zerstört, weil jemand in der DKP war. Und die hatten niemanden bedroht! Zufall?

Was mindestens so Skandalös

wie dieser Vorgang ist, das der Link zu einem WDR-Bericht darüber, unter der "Zwischen-Überschrift" (siehe oben) lt. Rundfunkstaatsvertrag entfernt werden musste. "Entmannt" sich hier die Demokratie nicht selbst??
Darüber würde ich gern im "Vorwärts" eine Diskussion geführt sehen!