Kunst in Berlin

Die neue Ausstellung „Überleben im Müll“ im Willy-Brandt-Haus

Karin Nink03. Juli 2020
SPD-Chefin Saskia Esken (r.) bei einer Führung durch die Ausstellung
SPD-Chefin Saskia Esken (r.) bei einer Führung durch die Ausstellung: „Mit der Corona-Krise ist die Bereitschaft der Menschen zu Veränderung gewachsen. Diese Bereitschaft sollten wir nutzen und versuchen, die Dinge zum Besseren zu wenden.“
Es ist die erste öffentliche Ausstellung nach der Schließung des Willy-Brandt-Hauses wegen Corona: Sie zeigt die dramatischen Folgen unserer Wegwerf-Konsumgesellschaft. Besonders die Fotos von Kindern im Müll erschüttern.

Kunststoff ist in unserem Leben allgegenwärtig. Rund 400 Millionen Tonnen davon werden in unserem Plastik-Zeitalter jährlich produziert – den Großteil davon werfen wir weg. Was dies für Menschen bedeutet, die nicht am Wohlstands-Tisch der Konsum-Gesellschaften sitzen, macht die Ausstellung „Überleben im Müll“ des Freundeskreises Willy-Brandt-Haus in Berlin deutlich. Es ist die erste öffentliche Ausstellung nach Schließung des WBH wegen der Corona-Krise.

Indische und philippinische Kinder im Müll

Die Fotografen Christoph Püschner und Hartmut Schwarzbach haben so genannte „waste pickers“ – darunter viele Kinder – in Indien und auf den Philippinen bei ihrer Arbeit begleitet. Sie bringen uns die Folgen der globalen Wegwerf-Gesellschaft mit Momentaufnahmen von denen nahe, die unseren Müll einsammeln, um ihres nackten Überlebens willen.

Schwarzbach etwa zeigt einen kleinen philippinischen Jungen, der die leeren Plastikflaschen, die er in der Bucht von Manila sammelt, mit etwas Wasser füllt. So ist das Plastik schwerer, und er bekommt ein paar philippinische Pesos mehr für seine Kinderarbeit. Doch seine Cleverness nutzt im wenig. Denn viele Kinder sterben an den Folgen der Kinderarbeit in dem verdreckten und verseuchten Wasser, in dem sie sich täglich bewegen müssen, um ihrer Familie das Überleben zu sichern.

Wo der Müll ist, ist der Tod nicht fern

Die Arbeiten von Hartmut Schwarzbach tragen nicht umsonst den Titel „Die Kinder, der Müll und der Tod“. Er lichtet seit 20 Jahren die erbärmliche Lebenssituation von Kindern in Asien und Afrika ab. Im vorigen Jahr wurde er mit dem Unicef-Foto des Jahres ausgezeichnet.

Christoph Püschner zeigt „waste-pickers“ in Indien. Diese Menschen suchen auf Bergen von Müll nach Verwertbarem – und stehen mit ihren nackten Füssen auf der noch heißen Glut von angezündeten Müllhalden.

Plastik – Segen und Fluch unserer Zeit

Ganz anders der in Berlin lebende israelische Künstler Dodi Reifenberg. Er schafft mit dem Material, aus denen seine Bilder entstehen, den Bezug zu umweltrelevanten Fragen: Plastik. Aus vielen tausend kleinen Schnipsel setzt er seine eindringlichen Bilder zusammen. Die Motive gleichen denen der Fotografen: Berge von Kunststoffabfall, dazwischen Menschen, die in dem Wohlstandsmüll versuchen zu überleben und häufig genug darin untergehen.

Reifenbergs Botschaft ist klar: Schweigend akzeptieren wir den Schaden, den wir mit unserem globalen Überkonsum anrichten. Die Ausstellung im WBH schweigt nicht, sondern will uns wachrütteln. SPD-Chefin Saskia Esken, die die Ausstellung in dieser Woche besuchte, hofft: „Mit der Corona-Krise ist die Bereitschaft der Menschen zu Veränderung gewachsen. Diese Bereitschaft sollten wir nutzen und versuchen, die Dinge zum Besseren zu wenden.“

Ausstellung an den Wochenenden zu sehen

Die Ausstellung ist bis zum 30. August samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Zugang ist mit einem Zeitfensterticket kostenlos. Es gelten die üblichen Corona-Regeln.

Online-Buchungen unter www.fkwbh.eventbrite.com

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Kommentare

sehr irreführend

der Titel- ich hatte einen Bezug zur Polizeiarbeit erwartet, davon findet sich rein gar nichts im Artikel