Arbeitsmarkt

Nahles will Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot bringen

Yvonne Holl05. November 2014
Mehr als eine Million Menschen haben schon länger als ein Jahr keinen Job, und die Zahl sinkt nicht. Das will Andrea Nahles jetzt ändern. Am Mittwoch stellte die Bundesarbeitsministerin im Sozialausschuss des Bundestages ihr Konzept zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit vor.

„Jeder hat eine Chance verdient“, ist Andrea Nahles überzeugt. Deshalb will die Ministerin eine Offensive gegen Langzeitarbeitslosigkeit starten. Als langzeitarbeitslos gilt, wer länger als ein Jahr keine Arbeit hatte. Das sind derzeit 1,14 Millionen Menschen. Und so viele sind es schon seit Jahren. Das ist es, was Nahles Sorgen macht. Es gab zwar nach dem Jahr 2000 eine Zeit, als noch mehr Menschen von sehr langer Joblosigkeit bedroht waren, aber Konjunkturanstieg und Hartzreformen ließen die Zahlen von 2007 bis 2009 sinken – auf den jetzigen Wert.

Inzwischen steigt die Beschäftigung insgesamt, die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt gilt mit 43 Millionen Erwerbstätigen als gut – doch einige bleiben ausgeschlossen. „Das Problem ist“, so Nahles,  „dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt“. Ein Patentrezept werde also nicht helfen. Es gibt vielfache so genannte „Vermittlungshemmnisse“, also Gründe, warum Männer und Frauen im erwerbsfähigen Alter keinen Job finden oder behalten.

Erkrankung Hauptursache von Joblosigkeit

Fehlende Berufsausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse aber vor allem Krankheiten, insbesondere psychische, sind Gründe. Treffen auf eine Person gleich mehrere der Faktoren zu, ist die Wahrscheinlichkeit, wieder Arbeit zu finden, noch niedriger. Ein Maßnahmenkatalog aus sehr gezielter Einzelfallberatung durch Mitarbeiter der Jobcenter sowie hohe staatliche Förderungen sollen nun Abhilfe schaffen. 

Nahles will noch in diesem Jahr ein Bundesprogramm auflegen, das ab 2015 greifen und so zwischen 2015 und 1019 insgesamt 33.000 Menschen fördern soll. Für jeden Einzelnen soll es passgenaue Hilfen geben. „Profiling und individuelles Fallmanagement sind Aufgabe der Vermittlungsfachkräfte in den Jobcentern“, heißt es im Konzeptpapier des Ministeriums. Dazu sollen die Jobcenter mehr Personal erhalten, damit für jeden Einzelnen mehr Beratungszeit bleibt. In „Aktivierungszentren“ sollen Betroffene außerdem weiter fit gemacht werden für den Arbeitsmarkt, etwa indem fehlende Schulbildung oder Grundbildungsdefizite angegangen werden.

Erfahrungen aus der „Perspektive 50plus“

Nahles will auf Erfahrungen und Ressourcen des Bundesprogramms „Perspektive 50plus“ zurückgreifen. 1000 Stellen aus diesem Programm sollen künftig für die Integration von Langzeitarbeitslosen eingesetzt werden. Finanziert werden soll die Job-Offensive aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (470 Millionen Euro) und über die Eingliederungshilfen des Sozialgesetzbuches (415 Millionen Euro).

Nützt alle passgenaue Qualifizierung nicht, soll es hohe staatliche Lohnzuschüsse geben, zeitweise bis zu 100 Prozent. Allerdings ausschließlich für sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. Der Gedanke dahinter ist, Geld, das der Staat derzeit als Unterstützung sowieso zahlt, nun zur Arbeitsplatzschaffung verwendet wird. Dabei sollen schwerpunktmäßig gesundheitlich eingeschränkte Menschen unterstützt werden sowie Menschen, die mit Kindern zusammenleben.

DGB: „Programm ist zu klein geraten“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund äußerte sich zustimmend zu den Plänen der Arbeitsministerin. „Die Konjunktur alleine wird das Problem Langzeitarbeitslosigkeit nämlich sicher nicht lösen“, so DGB-Vorstandsmitglied Amelie Buntebach. „Innovativ und wichtig“ sei der Ansatz, gezielt Hartz-IV-Familien mit Kindern zu fördern und so „soziale Teilhabe zu ermöglichen“. Allerdings kritisierte Buntenbach das Programm „angesichts der Mittelkürzungen der Vergangenheit“ als „zu klein geraten“. Laut DGB müssten beispielsweise auch finanzielle Anreize für arbeitslose zur beruflichen Weiterbildung geschaffen werden.

 

 

 

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