Rechtsextremismus

Nach Morddrohungen: SPD-Politikerin schließt Facebook-Seite

Susanne Müller29. September 2017
Die SPD-Politiker Michaela Engelmeier saß bis 2017 im Bundestag. Mit ihrem Engagment gegen rechts hat sie den Hass von Neonazis auf sich gezogen.

Eine Kooperation mit bnr.de

Die bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier musste sich in den vergangenen Monaten mehrfach an den Staatsschutz wenden. Nun hat sie vor dem organisierten Hass resigniert und ihre Facebook-Seite geschlossen.

Die Gummersbacher SPD-Politikerin Michaela Engelmeier gehörte von 2013 bis 2017 dem Deutschen Bundestag an. Sie war Direktkandidatin im Oberbergischen Kreis. Bei der Bundestagswahl hat sie wegen der Verluste der SPD den Wiedereinzug in das Parlament verpasst. Das frühere Mitglied der deutschen Judo-Nationalmannschaft zeichnete sich in ihrer parlamentarischen Tätigkeit durch außergewöhnlichen Mut aus: Neben ihrem langjährigen Engagement als Sportpolitikerin engagierte sie sich in nachdrücklicher Weise gegen Antisemitismus und Rassismus.

Immer wieder hat sich die überzeugte Sozialdemokratin in persönlicher Weise gegen jegliche Form von Antisemitismus und Rassismus gekämpft. Dies brachte ihr in den vergangenen Jahren zahlreiche, offenkundig systematische betriebene Anfeindungen und Bedrohungen durch Nazis, Reichsbürger, Israelfeinde und Antisemiten ein.

„Massiv von Rechtsextremen, Hassbürgern und anderen ‘braunen Elementen’ bedroht“

Nun hat Michaela Engelmeier nach einer Kette nicht abreißender rechtsextremer Beleidigungen und Bedrohungen auch persönliche Konsequenzen gezogen: „Leider werde ich gerade massiv von Rechtsextremen, Hassbürgern und anderen ‚braunen Elementen’ bedroht. Daher schließe ich bis auf weiteres meine Facebook-Seite“, teilte sie jetzt auf Facebook mit. „Ich bin fassungslos darüber“, fügte die couragierte Streiterin gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit hinzu, „dass es in unserem Land wieder möglich ist, dass Menschen, die sich klar und mit deutlicher Sprache gegen Nazis, Rassisten, Antisemiten und anderen Hassbürgern positionieren, mit dem Tod bedroht werden. Es erinnert mich an die ‚dunkelsten Zeiten unseres Landes, an die mörderische Nazidiktatur!’“

Immer wieder hatte sich die engagierte Demokratin in den vergangenen Monaten an den Staatsschutz wenden müssen. Nun hat sie vor dem organisierten Hass, den Bedrohungen resigniert. „In diesem Sinne, wir sehen uns wieder, ganz bestimmt“, fügte Engelmeier in einer persönlichen Erklärung hinzu.

In den Zeiten, wo der Rechtsextremismus massiv zunimmt, sollte der Rückzug Michaela Engelmeiers als ein nachdrücklicher Warnruf verstanden werden.

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Kommentare

Morddrohungen gegen Michaela

Guten Tag Michaela,

ich habe mit Besorgnis erfahren, dass Du massiven Angriffen und sogar Morddrohungen aus rechten Foren ausgesetzt bist und Du daraufhin Dein Büro und Deine Facebookseite geschlossen hast.

Du hast Dich der Sprachverrohung der AfD mit Deiner Klage gegen Höcke widersetzt und ich sehe die AfD mitverantwortlich für die Eskalation und Provokation von politischer Gewalt. Ich verurteile alle Deine Bedroher und wende mich entschieden, wie Du auch, gegen jede rechte Gesinnung und die weitere Nazi-Sprachverrohung.

Ich habe Dich als starke und wehrhafte Genossin bei meinem Besuch im Februar bei Dir in Berlin kennengelernt, bin in Gedanken bei Dir und stehe solidarisch hinter Dir! Lass mich wissen, wenn ich etwas für Dich tun kann.

Einen herzlichen Gruß

Jürgen Schmidt