SPD-Bundesparteitag

Mister 100 Prozent: Martin Schulz ist Vorsitzender der SPD

Robert Kiesel19. März 2017
Ohne Gegenstimme und Enthaltung hat der SPD-Bundesparteitag in Berlin Martin Schulz zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Ohne Gegenstimme und Enthaltung hat der SPD-Bundesparteitag in Berlin Martin Schulz zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Grenzenlose Aufbruchstimmung der SPD: Martin Schulz wurde mit 100 Prozent der Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt und sprach danach vom „Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes“.

Der neue Vorsitzende der SPD heißt Martin Schulz. Auf einem außerordentlichen Parteitag der Sozialdemokraten am Sonntag in Berlin wählten 100 Prozent der Delegierten Schulz zum Nachfolger von Sigmar Gabriel. Zusätzlich kürten sie Schulz zum Kanzlerkandidaten ihrer Partei.

Martin Schulz: Marschroute Bundeskanzleramt

Schulz, der sich zuvor in einer 80-minütigen Rede an die rund 3000 SPD-Mitglieder und Anhänger in der Berliner „Arena“ gewandt hatte, bedankte sich für das Vertrauen der Partei. „Ich will der nächste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden“, sagte Schulz und nannte das Wahlergebnis unter dem Jubel seiner Zuhörer den „Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes“.

Inhaltlich hatte sich Schulz in seiner Rede auf die Punkte soziale Gerechtigkeit und Bildung konzentriert. „Wenn wir nicht dafür sorgen, dass es in diesem Land gerechter zugeht, dann wird das niemand machen“, erklärte Schulz mit Blick auf die SPD. Er forderte ein Ende des „unerträglichen Lohngefälles zwischen Männern und Frauen“ und nannte es einen „Skandal“, dass die Forderung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ von der SPD noch immer erhoben werden muss. „Ich möchte, dass der einzelne Mensch den Respekt bekommt, den er verdient“, sagte Schulz und kündigte an, mit ihm an der Spitze würden SPD und Gewerkschaften „Seit’ an Seit’ schreiten für mehr Gerechtigkeit in diesem Land“.

SPD als entschiedenster Gegner der Feinde der Demokratie

Zentrale Voraussetzung für ein gerechteres Deutschland seien Investitionen in Bildung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so Schulz. „Investieren ist das Zentrale, was wir in den nächsten Jahren vornehmen müssen“, sagte er und stellte die Forderung einer gebührenfreien Bildung von der Kita bis zum Studium auf. „Schulen in gutem Zustand sind eine Frage des Respektes“, sagte Schulz und betonte, dass diese Forderung auch den Bereich der beruflichen Bildung umfasse. Darüber hinaus forderte er einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. Außerdem brachte Schulz eine nachhaltige Unterstützung der Länder durch den Bund bei der Schulsozialarbeit ins Gespräch.

Für Begeisterung sorgte sein klares Statement für Europa und gegen Rechtspopulisten in Deutschland und der Welt. „Ein deutscher Bundeskanzler hat eine zentrale Verpflichtung: Deutschland in Europa stark zu halten und Europa durch Deutschland stark zu halten“, so Schulz mit Blick auf die Rolle Deutschlands in der EU. Er versprach: „Mit mir wird es kein Europa-Bashing und kein Schlechtreden Europas geben.“

In Richtung AfD sagte Schulz: „Diese Partei ist keine Alternative für Deutschland, sondern eine Schande für die Bundesrepublik. Wer Journalisten auslädt oder selektiv mit Medien umgeht, legt die Axt an die Wurzeln der Demokratie“, und bezog sich damit sowohl auf den US-Präsidenten Donald Trump als auch auf die Anhänger von Pegida und Co. Für seine an die „Feinde der Demokratie“ gerichtete Aussage „Ihr habt in der SPD den entschiedensten Gegner, den man in diesem Land haben kann“, erhielt Schulz stehenden Applaus und frenetischen Jubel.

13.000 Neumitglieder seit Schulz-Nominierung

Explizit hatte sich Schulz zu Beginn seiner Rede an die 13.000 Parteimitgleider gewandt, die bisher seit seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten in die SPD eingetreten sind. „Euer Enthusiasmus steckt uns alle an“, rief Schulz ihnen zu und sprach von „vielen jungen Menschen, die dafür brennen, dass wir dieses Land gemeinsam besser machen“.

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