Parteitag der US-Republikaner

Mike Pence: Wer ist der Mann an Donald Trumps Seite?

Julia Korbik18. Juli 2016
Am Montag beginnt der Wahlparteitag der US-Republikaner. Kurz zuvor hat Donald Trump mit Mike Pence seinen Kandidaten für den Posten des Vizepräsidenten vorgestellt. Wer ist der Mann, dessen Positionen bisher weit von denen Trumps entfernt waren?

Fast hätte Donald Trump es gar nicht geschafft, seinen Vizepräsidentschafts-Kandidaten Mike Pence vorzustellen. Erst war da der Anschlag in Nizza, Trump verschob den angekündigten Termin mit Pence. Und dann, als es in einem New Yorker Ballsaal endlich so weit war, redete Trump erstmal ausführlich über sich selbst.

Erst nach zehn Minuten stellte er den Mann vor, um den es eigentlich gehen sollte. Und erst nach weiteren 20 Minuten durfte Pence dann endlich auf die Bühne. In typischer Trump-Manier erklärte der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat, er hätte Pence gewählt, weil der „wirklich gut“ aussähe.

Mike Pence: Ein Hardliner an Trumps Seite

Tatsächlich dürfte Pence‘ Aussehen bei der Wahl zum Vizepräsidentschafts-Kandidaten kein entscheidender Faktor gewesen sein. Es geht um die Einheit der Partei, selbst Trump musste das zugeben. Mit Pence, dem 57-jährigen Gouverneur von Indiana, hat Trump einen Hardliner an seine Seite geholt, der mit der radikalen Tea-Party-Bewegung sympathisiert.

Der Evangelikale Pence bezeichnet sich selbst als „ein Christ, ein Konservativer und ein Republikaner“ – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Während seiner 12 Jahre im amerikanischen Kongress kämpfte er u.a. dagegen, Verbrechen, die aufgrund der sexuellen Orientierung des Opfers begangen wurden, als Verbrechen aus Hass zu bezeichnen. Pence’ Stärke lag vor allem im Verhindern von progressiver, liberaler Politik: gegen die Ehe für alle, gegen die Stammzellenforschung.

Beten für gemeinsame Lösungen

An der Umsetzung von Gesetzen allerdings haperte es: Von den 90 Gesetzesvorlagen und Resolutionen, die er präsentierte, wurde keine einzige zum Gesetz. Kompromissbereit war Pence nicht – lieber forderte er Kollegen während angespannter Momente auf, doch gemeinsam für eine Lösung zu beten.

Als Gouverneur von Indiana unterschrieb Pence das sogenannte Gesetz zur Religionsfreiheit, welches es Dienstleistern u.a. erlaubte, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht zu bedienen. Es folgten Massenproteste, Boykottdrohungen und die Ankündigung großer Unternehmen, aus Indiana fortzugehen – Pence musste klein beigeben. Das von Pence geplante Abtreibungsverbot in Indiana war so restriktiv, dass es selbst vielen Abtreibungsgegnern im Staat zu weit ging: Abtreibungen sollen ganz verboten werden, selbst im Falle einer körperlichen Behinderung des Fötus‘. Noch ist das Gesetz nicht in Kraft getreten, ein Bundesrichter befand, es würde das Recht einer Frau, zu wählen, verletzen.

Trump und Pence lagen in ihren Forderungen weit auseinander

Donald Trump hingegen sprach sich immer für die Möglichkeit zur Abtreibung aus. Erst im Präsidentschaftswahlkampf verkündete er plötzlich, Abtreibung dürfe nur in drei Fällen erlaubt sein: im Falle einer Vergewaltigung, bei Inzest und bei einer körperlichen Behinderung des Fötus. Abtreibung ist nicht das einzige Thema, bei dem Trump und Pence erst auseinander lagen und sich nun angenähert haben.

Als Trump im Dezember 2015 forderte, Muslimen vorläufig die Einreise in die USA zu verbieten, twitterte Pence: „Forderungen danach, Muslime von der Einreise in die USA abzuhalten, sind beleidigend und verfassungswidrig.“ Er selbst, so Pence, sei der Enkel irischer Einwanderer, Amerika eine „einladende Nation“. Andererseits bekämpft Pence seit Jahren eine Einwanderungsreform – und so ganz verfassungswidrig findet er Trumps Forderung nun wohl auch nicht mehr: In einem der ersten Interviews nach seiner Nominierung letzte Woche sagte Pence, er unterstütze „Donald Trumps Ruf, Einwanderung aus Ländern, wo terroristischer Einfluss und Wirkung eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen, vorläufig auszusetzen“.

Trump braucht Pence, um die Republikaner zu einen

Zwar verkündete Donald Trump, Mike Pence sei seine erste Wahl als Vizepräsidentschaftskandidat gewesen. Tatsächlich hatten mehrere andere Kandidaten zuvor dankend abgelehnt. Pence selbst unterstützte bis vor kurzem nicht Trump, sondern Ted Cruz – bis der aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner ausstieg. Der polternde Demagoge Trump scheint mit dem stillen Frömmler Pence nicht viel anfangen zu können.

Aber: Er braucht ihn dringend, um die Republikaner hinter sich zu vereinen. Pence ist seit mehr als 30 Jahren mit derselben Frau verheiratet, hat drei Kinder und lebt seinen Glauben öffentlich: So spricht er die christlichen Rechten an, die rund ein Drittel der republikanischen Wählerschaft ausmachen. Im Gegensatz zu Trump verfügt Pence außerdem über langjährige politische Erfahrung im Kongress und als Gouverneur. Das Partei-Establishment ist zufrieden.

Verschreckt Pence die weibliche Wählerschaft?

Fraglich ist, ob Pence‘ Nominierung Trump dabei helfen wird, eine spezielle Wählergruppe zu erreichen: Frauen. Trump ist in der Vergangenheit immer wieder durch sexistische Äußerungen aufgefallen. Das Model Heidi Klum nannte er „fett“, die Fox News-Moderatorin Megyn Kelly eine „Schlampe“. Über seine Konkurrentin Hillary Clinton ließ er verlauten, wenn die ihren Ehemann nicht „befriedigen“ könnte, warum sollte das dann bei Amerika der Fall sein – eine Anspielung auf Bill Clintons Affäre mit Monica Lewinsky.

In den USA wählen Frauen zwar traditionell eher die Demokraten, 2016 könnte der „gender gap“ zwischen Demokraten und Republikanern aber so groß sein wie nie zuvor: 51 Prozent der Frauen würden aktuellen Zahlen zufolge Hillary Clinton wählen, nur 38 Prozent Donald Trump. Es ist fraglich, ob der engagierte Abtreibungsgegner Mike Pence dabei helfen kann, diese Lücke zu schließen. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren – die als Vizepräsidentschaftskandidatin für Clinton gehandelt wird – betonte auf Twitter: „Donald Trumps und Mike Pence’s Sexismus ist nicht irgendein radikaler Rand der republikanischen Partei. Sie sind auf Linie mit der Parteiebene.“

Die Wahl von Mike Pence zeigt, dass Donald Trump sich seiner Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat auf dem am Montag beginnenden Parteitag doch nicht so sicher ist, wie er immer tut. Zum ersten Mal in seinem Wahlkampf macht Trump der Partei zuliebe überhaupt einen Kompromiss – und dieser Kompromiss wird ihm wohl die Nominierung einbringen.

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