Klimaschutz

Warum Mieterbund und Wohnungswirtschaft hohe Zuschüsse für Gebäudesanierung fordern

Carl-Friedrich Höck10. September 2019
Handwerker dämmen einen Innenraum.
Handwerker dämmen einen Innenraum.
Es brauche „Fördermittel in einer völlig neuen Größenordnung“: Der Mieterbund und der Unternehmerverband GdW fordern staatliche Zuschüsse, damit die Energiewende im Gebäudesektor gelingt. Sechs bis 14 Milliarden Euro jährlich seien dafür nötig.

Um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen, soll der Staat seine Förderung massiv ausweiten. Das fordern der Deutsche Mieterbund, der Wohnungswirtschaftsverband GdW und der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung.

14 Milliarden Euro mindestens

Gemeinsam präsentierten die Verbände am Dienstag in Berlin eine Berechnung. Laut dieser sind pro Jahr allein sechs Milliarden Euro an Unterstützung notwendig, um die vermieteten Wohnungen so zu sanieren, dass die deutschen Klimaziele erreicht werden können. Nehme man alle Wohngebäude in den Blick, würden mindestens 14 Milliarden Euro benötigt. In dieser Rechnung seien die aktuellen Preissteigerungen der Bauwirtschaft noch nicht berücksichtigt, hieß es.

Die Bundesregierung will den CO2-Ausstoß im Gebäudesektor bis 2030 um rund 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Rein rechnerisch müssten die Emissionen dafür in 80 Prozent der Gebäude halbiert werden, erläutern die Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme. Unter den bisherigen Bedingungen sei das nicht bezahlbar.

Einsparung wiegt Mieterhöhung nicht auf

Der Grund: Sowohl Mieter als auch Vermieter bleiben häufig auf einem Teil der Kosten sitzen, die eine energetische Gebäudesanierung verschlingt. Denn was die Bewohner letztlich an Energie einsparen, wiegt die Modernisierungskosten nicht vollständig auf.

Die Verbände rechnen das an einem Beispiel vor: Im Schnitt koste eine energetische Sanierung auf den Standard „Effizienzhaus 100“ pro Quadratmeter 480 Euro. Damit sich das für den Vermieter rechne, müsste er die Miete um 2,15 Euro monatlich erhöhen. Die eingesparten Energiekosten betrügen jedoch nur 67 Cent pro Quadratmeter. Somit verbleibe ein Zuschussbedarf von 222 Euro pro Quadratmeter, wenn die Warmmiete für den Mieter nicht steigen und der Hausbesitzer kein Verlustgeschäft machen soll.

Verbände sehen Energiewende in Gefahr

Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten verwies darauf, dass einkommensschwache Haushalte schon jetzt im Schnitt 46 Prozent ihres Einkommens für die Miete aufwenden müssten. Es gebe nicht genügend bezahlbare Wohnungen. „Wir wollen unser Scherflein beitragen als Mieterinnen und Mieter“, sagte Siebenkotten. Die Mieter könnten jedoch nicht alleine für die Energiewende zahlen. Wenn die Mieterhöhung dreimal so hoch sei wie die eingesparten Heizkosten, mache es für sie keinen Sinn. Die Energiewende sei „definitiv nicht erreichbar“, wenn man so weiter mache wie bisher. Selbst vom Ziel, jährlich zwei Prozent des Gebäudebestandes energetisch zu sanieren, sei man weit entfernt.

Michael Groschek, der Präsident des „Deutschen Verbandes“, kritisierte die derzeitige Förderkulisse. Man dürfe sich nicht nur auf das Dämmen fixieren, sondern müsse technologieoffen daran arbeiten, den CO2-Ausstoß zu senken. Dabei solle man Quartiere als Ganzes in den Blick nehmen. Das bestehende Fördersystem sei nicht praktikabel und an den Bedürfnissen von kleinen Unternehmen oder Eigennutzern vorbei konzipiert. Das Klimakabinett müsse „Fördermittel in einer völlig neuen Größenordnung mobilisieren. Oder wir vergessen die Klimaziele.”

Kleine Unternehmen und Hauseigentümer müssten besser an die Hand genommen und beraten werden, merkte Groschek an. „Da brauchen wir die kommunale Ebene als Kompetenzebene.“ Der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung ist laut eigener Aussage eine „neutrale, interdisziplinäre Plattform“. Mitglieder im Verband sind unter anderem Kommunen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

Klimakabinett tagt kommende Woche

GdW-Präsident Axel Gedaschko verwies darauf, dass Eigentümer die Mieten nicht unendlich steigern könnten – nicht nur wegen der Mietgesetze, sondern auch um den sozialen Frieden nicht zu gefährden. Daher sei offen, wie die energetische Sanierung finanziert werden soll. „Wir können uns den Klimaschutz abschminken, wenn wir diese Frage nicht klären“, so Gedaschko. Er forderte einen Investitionszuschuss. Andernfalls gehe die Förderung an den Wohnungen, die an das untere Einkommensdrittel vermietet sind, vorbei. Der Verband GdW vertritt neben privaten Wohnungseigentümern und Genossenschaften auch zahlreiche Wohnungsunternehmen der Öffentlichen Hand.

Wie es mit dem Klimaschutz im Gebäudesektor weitergeht, wird am 20. September entschieden. Dann tritt das Klimakabinett der Bundesregierung wieder zusammen. In der Sitzung will die Regierung über weitere Maßnahmen beraten, damit Deutschland seine Klimaziele noch erreichen kann.

Dieser Artikel erschien zunächst bei demo-online.de.

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Kommentare

Nicht die Baupreisentwicklung zusätzlich anheizen !!!

Es darf nicht laufen wie beim Baukindergeld, dass staatliche Förderungen an die Bauindustrie faktisch durchgereicht werden, weil die bei super Auftragslage und durch Förderung kaufkräftiger Kundschaft plötzlich nahezu jeden Preis verlangen können. Hier braucht es Höchstgrenzen was die Baukosten/qm anbelangt und Höchstgrenzen bei der Wohnungsgröße und bezüglich der Vermögenssituation von den investierenden. Vermietern, die bisher schon Mieter maximal auspressen! Diese benötigen nämlich keine Förderung, sondern staatl. Maßnahmen die sie zu sozialerem Verhalten veranlassen! Wenn SPD/Alt in Groko die Baukosten noch weiter durch falsch gesteuerte Förderung anheizt ist eine platzende Immobilienblase bald erreicht. Die Folgen kennen wir, einschl. Bankenkrise !!! Wie wär´s mit einer Neuauflage der staatl. Bausparförderung: "Energispar-Bausparen" für diejenigen die´s nicht so dicke haben ? Das entspannt die Lage !