Gewalt gegen Lokalpolitiker

Messerattacke auf Bürgermeister in Altena: Wie das Netz die Tat feiert

Paul Starzmann28. November 2017
Andrea Hollstein
Der CDU-Lokalpolitiker Andreas Hollstein wurde am Montag in der westfälischen Kleinstadt von einem Angreifer mit einem Messer verletzt. Mutmaßlicher Hintergrund: seine liberale Flüchtlingspolitik.
Nach der Messerattacke auf den Lokalpolitiker Andreas Hollstein ist die Solidarität groß. Viele bestärken den CDU-Bürgermeister, nicht von seiner liberalen Flüchtlingspolitik abzurücken. Doch im Internet lässt der Fall auch den Hass hochkochen – vor allem im Umfeld der AfD.

Mit „mutmaßlich fremdenfeindlicher Motivation“ wurde Andreas Hollstein angegriffen, sagen Polizei und Staatsanwalt. Der CDU-Bürgermeister der westfälischen Kleinstadt Altena war am Montagabend von einem 56-Jährigen mit einem Messer attackiert und am Hals verletzt worden. Hintergrund ist offenbar die liberale Einstellung Hollsteins in Sachen Flüchtlingspolitik, gegen die sich der mutmaßliche Angreifer gerichtet haben soll. Nach der Messerattacke erhält der Lokalpolitiker im Internet jetzt viel Solidarität, allerdings zeigen viele auch Verständnis für den mutmaßlichen Angreifer.

#Altena: Hass auf Muslime und Migranten

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gibt es im Sekundentakt neue Meldungen zu dem Fall. Viele Tweets unter den Hashtags #Altena und #Hollstein nutzen den Messerangriff allerdings nur als Aufhänger für ein anderes Thema: die angebliche verschwiegene Gefahr durch ausländische Gewalttäter. Die Medien berichteten doch nur über Altena, weil das Opfer ein prominenter Politiker sei, so der Tenor. „Wenn die Täter aber ‚Merkel-Gäste‘ sind, interessieren sich Medien kaum für die täglichen Zwischenfälle u. Messereien", schreibt ein User. Es sind die üblichen Verschwörungstheorien: Überall Gewalt, die von Flüchtlingen ausgehe, nur dürfe da niemand darüber reden.

Viele Menschen lassen sich im Netz zu unverhohlenen Rechtfertigungen für den Messerangriff hinreißen. Natürlich sei die Tat nicht in Ordnung, schreiben viele – um dann ein „aber“ anzufügen. Oft folgt der Hinweis auf die angebliche Scheinheiligkeit vieler Politiker, auf soziale Probleme und – immer wieder – die angebliche Bedrohung des Landes durch Migranten und Muslime. Dass am Montagabend ein Mensch mit einem Messer verletzt wurde, scheint bei vielen Online-Kommentatoren in den Hintergrund zu treten. Der Angriff auf Andreas Hollstein, im Twitter-Universum ist er für viele nur ein weiterer Anlass, um gegen Muslime und Migranten zu hetzen.

Typische Opferrolle der Rechten

Auf der Facebookseite „AfD deckt auf und fragt nach“ gehen viele Internetnutzer noch einen Schritt weiter: Sie verklären den Messerangriff kurzerhand zur Notwehr. Gerne auch mit einem „aber“ zur Relativierung der Tat. Wie etwa der folgende Post eines AfD-Fans – orthografisch und stilistisch im typischen Facebook-Duktus gehalten: „Ich finde so eine aktion unterste schublade aber es war abzusehen das irgendwann mal die zeit anfängt wo die menschen anfangen sich zu wehren“. Es ist die typische Umkehr des Täter-Opfer-Verhältnisses, wie sie bei Rechten beliebt ist.

Auch der mutmaßliche Attentäter habe sich als Opfer des Systems, einer verfehlten Politik gesehen, zeigen Medienberichte. „Sie lassen mich verdursten und holen 200 Flüchtlinge nach Altena“, soll der Mann seinem Opfer gerufen haben bevor er zustach. Der Hintergrund: Andreas Hollstein hatte sich als Bürgermeister bereit erklärt, mehr Flüchtlingen Schutz zu gewähren als die 18.000-Einwohner zählende Stadt Altena nach dem üblichen Verteilungsschlüssel hätte aufnehmen müssen – rund 370 Menschen fanden in der Folge dort Schutz. Der Bürgermeister ist dadurch so etwas wie das lokalpolitische Gesicht einer liberalen und engagierten Flüchtlingspolitik geworden.

Heiko Maas: Kein Platz für Hetze und Gewalt

Dass Hollstein dafür angefeindet wird, ist nicht neu – jetzt ist die Hetze aber offenbar in rohe Gewalt umgeschlagen. Seit Monaten bekomme er Hassnachrichten per Email, so Hollstein am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Prominente Bundespolitiker sprechen dem Bürgermeister deshalb Mut zu. „Dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen attackiert werden, nur weil sie anderen helfen“, twitterte etwa Bundesjustizminister Heiko Maas. „In unserem Land darf kein Platz sein für Hass und Gewalt.“ Auch unter diesem Twitter-Post finden sich reihenweise hasserfüllte Kommentare über Flüchtlinge, Muslime, Politiker und Journalisten.

Aydan Özoğuz, Interationsbeauftragte der Bundesregierung, teilte mit: „Andreas Hollstein hat sich für eine humane Flüchtlingspolitik eingesetzt. Wenn es zutrifft, dass sich der Angreifer dagegen gerichtet hat, muss endlich klar sein: Hetze, Hassparolen und Angstmacherei spalten unser Land.“ Vor allem in den Kommunen seien Helfer und Unterstützer von Flüchtlingen häufig offener Aggression ausgesetzt, so die SPD-Politikerin. „Es kann nicht sein, dass wir es schweigend hinnehmen, wenn Menschen beleidigt und bedroht werden, wenn sie sich für andere einsetzen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Demagogen und Rechtspopulisten unser friedliches Zusammenleben und den Zusammenhalt unseres Landes zerstören.“

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Kommentare

Messerattacke auf Bürgermeister

Dieser Bürgermeister Andreas Hollstein verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung für seine konsequente Haltung. Zugleich müssen wir uns fragen, ob wir es zugelassen haben, dass sich im Schatten des Sozialstaates eine Schicht von Personen gebildet hat, die alle Angebote für Bildung und Ausbildung meidet und auf staatliche Leistungen zum Lebensunterhalt setzt. Wenn es stimmt, dass dieser Mann seine Messerattacke mit seinem Durst und den Leistungen für Flüchtlinge begründet hat, gehört er zu dieser Schicht ebenso wie die Schreiber der Hasskommentare im Netz, die mit ihrer Rechtschreibung anzeigen, dass sie ebenfalls mehrheitlich zu dieser Schicht gehören in der die AfD erfolgreich auf Dummenfang geht.

Sie haben hier einige Dinge vergessen zu erwähnen!

Dem Mann drohte die Zwangsversteigerung seiner Wohnung und das Wasser wurde ihn von behördlicher Seite hin abgestellt!

Deshalb auch sein Hinweis mit dem Verdursteten!

Sollte man wissen, finde ich!

Das mag ja sein aber....

... eine Wohnung wird nicht aus Spaß an der Freude Zwangsversteigert.
... das Wasser wird nicht aus Spaß an der Freude abgestellt.

Ich selber lebe auch so das ich jeden Euro zwei mal umdrehen muss, aber wenn man sein Geld richtig Einteilt und die Ausgaben in unwichtigen Dingen einschränkt sollte man klar kommen. Die Sache Wohnung und Wasser zeigt doch ehr das bei dem Täter etwas nicht richtig lief im Leben.

Außerdem ist es in Wahrheit NIEMALS ..

um so etwas völlig Unwichtiges wie Flucht und Flüchtlinge gegangen, sondern immer nur um den mittelfristig drohenden faktisch vollständigen gesellschaftlichen und demographischen Zusammenbruch aller ost- und südosteuropäischen EU-Staaten in ihrer Gesamtheit anlässlich des Aussterbens der Population Deutsche ohne Migrationshintergrund auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland!

Was zu bedenken ist!

Messerattacke auf CDU Bürgermeister

Sehr geehrter Herr Hollstein,
ich wünsche Ihnen gute Genesung und weiterhin Mut, Kraft und Standhaftigkeit für eine menschliche, jesuanische Politik. Die rechten Hetzer werden nicht gewinnen, solange es Menschen wie Sie gibt. Der Heilige Geist soll Sie und Ihre Familie schützen!

Mit solidarischen Grüßen
im Sinne von Ernesto Cardenal und Martin Buber
Helmut Gelhardt

wie weit

reicht das "Umfeld der AfD" ?

Auch das Umfeld von meist so genannten "gewaltbereiten Autonomen" gilt es, allgemeinverbindlich zu definieren.

Ich möchte es nur wissen, damit ich ausreichend Abstand wahre.

das der Vorwärts diese zu verabscheuende Tat nutzt, um gegen die AfD zu agitieren, verwundert nicht, ist gleichwohl sehr platt- um es mal freundlich zu sagen, denn im Umfeld der AfD bewegt sich- bei einem Stimmanteil von 13% nahezu jeder, ist doch twa jeder siebte Wahlberechtigte, dem man so über den Weg läuft, mathematisch ein der AfD nahestehender.

Eine Schlagzeile für den Vorwärts, "dem Sturmgeschütz der Antifa"

"rückwärts" statt "Vorwärts"

(Zitat) "... „Ich finde so eine aktion unterste schublade aber es war abzusehen das irgendwann mal die zeit anfängt wo die menschen anfangen sich zu wehren“. Es ist die typische Umkehr des Täter-Opfer-Verhältnisses, wie sie bei Rechten beliebt ist. ..."
An diesem Mumpitz-Geschreibsel merkt man, daß Starzmann "Volontär" ist. Hoffentlich kriegt er nicht mal einen richtigen Redaktionsplatz!
Der Zitierte distanziert sich von der Tat. Ist für den "Autor*In" aber unerheblich. Er bastelt sich sein Pläsierchen dennoch zurecht.
Zweiter Anfängerfehler: "Täter-Opfer-Umkehr" ist Quatsch. Denn der Zitierte macht den Messerstecher nicht zum Opfer. Er weist nur auf plausible Kausalität hin: wütende Menschen haben Gründe für ihre Wut. Und solche Wut verursachen eben Politiker auf verschiedenen Ebenen. Ihr kennt immer nur das "Schüren" - aber es gibt immer auch ein "Entflammen". Und daß das "Netz die Tat feiert", kann der Anfänger mit keiner seiner Zeilen belegen.

Täter-Opfer-Umkehr vor allem bei "Lnken" beliebt

"typische Umkehr des Täter-Opfer-Verhältnisses, wie sie bei Rechten beliebt ist ..."

Wieder so'n Bock geschossen - der "Volontär"!
Dieses Umkehr-Verhalten ist vor allem bei Linken (besonders Journalisten) zu beobachten: "der arme, sozial benachteiligte Abdullah - er mußte sich ja radikalsieren, eine andere Stimme als die der Waffen hatte er ja nicht ..."

Oder das beliebte: "Macht kaputt, was euch kaputt macht" ...

Oder das beliebte Muster: "psychisch krank ..."

bei "Rechten" beliebt Täter-Opfer-Umkehr ...

... ich auch hier besonders eindrucksvoll belegt ;-)
https://philosophia-perennis.com/2017/11/29/bethanien/