Peer Steinbrück

Wir merkeln nicht

Uwe Knüpfer08. Dezember 2012

Der designierte Kanzlerkandidat der SPD hat das Regieren gelernt. Er setzt auf den Wechsel: »Wir wollen eine andere Politik!«

Diese Regierung wird es in einem Jahr nicht mehr geben!“ ruft Peer Steinbrück dem Kabinett Merkel/Rösler zu. Und er verspricht der SPD: „Alles, was ich dazu beitragen kann, werde ich auf die Waagschale werfen.“

Das ist eine Menge. Peer Steinbrück hat das Regieren von der Pike auf gelernt. Das fällt auf in Zeiten der Blitzkarrieren und -verpuffungen. In Zeiten, wo smartes Auftreten und gute Vernetzungen oft reichen, Minister zu werden.

Peer Steinbrück war Referent, Büroleiter, hoher Verwaltungsbeamter, bevor ihn seine Talente – und seine spitze Zunge – in Staatssekretärs- und dann Ministerämter führten. Dass er auch einmal arbeitslos war, ist ihm wichtig. Seither weiß er, wie es sich anfühlt, wenn der Boden unter den eigenen Füßen wegzubrechen droht. Sozialdemokrat wurde er während seiner Bundeswehrzeit; 1968, im Jahr der Bewegung.

Steinbrück hat Politik aus der Länder- und der Bundesperspektive gestaltet.  Schach zu spielen hat er von seiner  aus Dänemark stammenden Großmutter gelernt (da war er sechs), „methodisches Staubsaugen“ in der WG. Als er das erste Mal für ein Ministerium arbeitete, in Bonn, war er 27. Staatssekretär wurde er 1990, in Kiel. Da war er 43 Jahre alt. 

Der baldige Kanzlerkandidat der SPD hat sich beruflich mit Verkehr befasst, mit Umweltthemen, immer wieder mit Wirtschaft und Finanzen. Landesminister war er in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Dort wurde er 2002 Ministerpräsident und damit der Nach-Nachfolger Johannes Raus – dessen Büro er einst geleitet hatte.

Als Bundesfinanzminister führte Steinbrück Deutschland durch die Bankenkrise. Er tat es auf unsicherem Terrain; suchend, aber mit sicherer Hand. Das ließ ihn nach seiner Amtszeit zu einem gefragten Redner werden. Wer ihm zuhört, spürt: Da weiß einer, wovon er spricht. Und, vielleicht genauso wichtig: Er sagt auch, was er (noch) nicht weiß. Steinbrück merkelt nicht rum.

Seine Ansage für den Wahlkampf 2013 ist aus Erfahrungen geboren. „Unsere Politik muss auf den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gerichtet sein.“ CDU, CSU und FDP betonen das Ich, Steinbrücks SPD setzt auf das Wir: „Das ist unsere Chance. Wir wollen eine andere Politik!“

Also: gesetzlicher Mindestlohn statt Lohndrückerei, Solidarrente statt Altersarmut,  erschwingliche Kinderbetreuung statt Betreuungsgeld,  Frauenquote statt Flexigeschwafel. Und außenpolitisch: „Wir wollen wieder ein Volk guter Nachbarn sein.“

Reden wie Brandt, regieren wie Schmidt: Das könnte ein Erfolgsrezept sein.