Chancengerechtigkeit

Mehr Bildung erwünscht: Große Zustimmung für das Gute-Kita-Gesetz

Carl-Friedrich Höck28. August 2019
Laut Umfrage gibt es in Deutschland einen großen Zuspruch für kostenfreie Kitas
Dass der Bund zusätzliche Steuergelder in die Kita-Betreuung steckt, kommt bei den Bürgern gut an. Das geht aus dem neuen Ifo-Bildungsbarometer hervor. Eine besonders beliebte Maßnahme, um Ungleichheit abzubauen: Kostenfreie Kindergartenplätze. Der bildungspolitische Sprecher Oliver Kaczmarek sieht SPD-Politik bestätigt.

Gleiche Chancen für alle – Das ist im deutschen Bildungssystem noch lange keine Realität. Studien zeigen: Kinder aus finanzschwachen Familien oder mit Migrationshintergrund erzielen in Mathe- oder Deutschtests schlechtere Ergebnisse. Kinder auf dem Land sind den Altersgenossen in der Stadt teilweise voraus. Und auch die Leistungen von Jungen und Mädchen können abweichen, abhängig von Schulfach und Alter.

Bürger wünschen Reformen

Die Deutschen sind sich dieser Unterschiede weitgehend bewusst. Und die überwiegende Mehrheit befürwortet Reformen, um das Bildungssystem gerechter zu gestalten. Das ist ein Ergebnis des Bildungsbarometers 2019 des Wirtschaftsforschungsinstitutes Ifo. Hierfür wurden mehr als 4.000 Bundesbürger befragt.

Um die Chancengleichheit zu verbessern soll der Staat auch Steuergeld in die Hand nehmen, meinen die Bürger. Das zeigt sich exemplarisch am kürzlich beschlossenen „Gute-Kita-Gesetz“: Der Bund stellt den Ländern in den nächsten vier Jahren 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung, damit diese die Qualität der Kita-Betreuung verbessern können. 83 Prozent der Befragten sprachen sich für dieses Gesetz aus.

Großer Zuspruch für kostenfreie Kitas

Was genau mit dem Geld aus dem Gute-Kita-Gesetz geschieht, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Laut Bildungsbarometer wünscht sich die Mehrheit der Deutschen, dass damit die Kita-Gebühren für Eltern verringert werden (56 Prozent). Mit jeweils 52 Prozent sprechen sich auch viele Bürger dafür aus, das Geld für zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher sowie höhere Gehälter zu verwenden. Weniger dringlich ist aus Sicht der Befragten, die Ausbildung der Erziehenden zu verbessern (34 Prozent), Öffnungszeiten auszuweiten oder das Essen zu verbessern (je 32 Prozent).

Grundsätzlich befürworten sogar 78 Prozent der Befragten, Kindergartenplätze für Eltern kostenfrei zu stellen. Weitere beliebte Reformvorschläge für das Bildungssystem sind: der Ausbau von Stipendienprogrammen für einkommensschwache Studierende (83 Prozent), mehr Ausgaben für Schulen mit vielen Schülern aus benachteiligten Verhältnissen (81 Prozent) sowie eine Kita-Pflicht für Kinder ab vier Jahren (67 Prozent).

Mit Blick auf das Schulsystem plädieren 61 Prozent dafür, die Schülerinnen und Schüler erst nach der 6. Klasse auf weiterführende Schulen aufzuteilen. Ganztagsschulen wünschen sich immerhin noch 56 Prozent der Befragten. Nur bei der Frage, ob Kinder mit und ohne Lernschwäche gemeinsam unterrichtet werden sollten, zeigt sich kein klares Meinungsbild. 44 Prozent sind dafür, 41 Prozent dagegen.

Mehrheit für „Prinzip Gießkanne“

Überraschend ist angesichts dieser Ergebnisse, dass nur eine Minderheit zusätzliche Bildungsausgaben gezielt benachteiligten Gruppen zugutekommen lassen will. Am ehesten wird dies noch für den Kitabereich gefordert (34 Prozent der Befragten). Die meisten Befragten wollen dagegen, dass von zusätzlichen Mitteln für Kitas, Schulen und Universitäten alle Menschen gleichermaßen profitieren. Philipp Lergetporer vom Ifo-Zentrum für Bildungsökonomik sieht darin ein Problem: „Dies kann möglicherweise den Kampf gegen die Bildungsungleichheit erschweren.“

Auffällig ist, dass die Reformwünsche der Mehrheit eher sozialdemokratischen als konservativen Vorstellungen entsprechen. Die SPD sieht ihre Politik durch die Umfrageergebnisse bestätigt. Von „Rückenwind“ spricht der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Oliver Kaczmarek.

„Wichtige Initiativen der SPD, wie der gebührenfreie Ausbau von Kitaplätzen oder die Förderung von Schulen in sozial schwierigen Lagen, finden in der Bevölkerung großen Rückhalt“, sagt Kaczmarek. Insbesondere das Gute-Kita-Gesetz treffe auf sehr große Unterstützung. Deswegen sei es richtig, „den Kurs für mehr Chancengleichheit, individuelle Förderung aller Kinder und die Garantie von hoher Qualität in den Bildungseinrichtungen“ fortzusetzen.

 

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