Rechtsextremismus

Mecklenburg-Vorpommern: AfD-Mann mit Nähe zu Neonazis

Andrea Röpke31. August 2016
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Der AfD-Kandidat Jens-Holger Schneider, der bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern antritt, hat enge Kontakte ins rechtsextreme Lager. Er ist ein alter Bekannter.

Bereits 2007 wurde Jens-Holger Schneider seine Nähe zur Neonazi-Szene zum Verhängnis. Der Schweriner musste die CDU in Mecklenburg-Vorpommern verlassen, nachdem das Portal „Endstation Rechts.“ über Schneiders Teilnahme am Aufmarsch der NPD in Neubrandenburg berichtet hatte. Die NPD sprach damals von einer „Rufmord-Kampagne“ gegen Schneider und einen weiteren CDUler.

Inzwischen hat es Jens-Holger Schneider auf die Landesliste der „Alternative für Deutschland“ (AfD) geschafft. Viel gibt der 45-Jährige, der für das Landesparlament kandidiert, nicht von sich preis: Er ist „IT Systemkaufmann o.A.“ heißt es, und Sportschütze in Schwerin. Schneider gibt sich konspirativ und linkisch. Immer wieder fotografiert der Mann, der für die AfD in den Landtag einziehen möchte, Journalisten und Gegendemonstranten bei AfD-Kundgebungen ab.

AfD-Mann mit Kontakt nach Rechtsaußen

Die AfD hat Schneider auf einen zweistelligen Platz geschoben, obwohl er fest verankert scheint. Bei einem zweistelligen Erfolg seiner neuen Partei, könnte er es noch ins Parlament schaffen. Eine Vorsichtsmaßnahme oder der Versuch heikles Personal aus dem Blick der Öffentlichkeit zu nehmen?

Jens-Holger Schneider scheint sich nicht von der Neonazi-Szene gelöst zu haben. Seit mindestens 2006 verfügt Schneider über beste Kontakte zu Neonazi-Anführern. So sprang der kleine Mann mit der Stirnglatze 2007 mit weitausgestreckten Armen und in Begleitung des bekanntesten Neonazis Mecklenburgs vor einer Polizeiabsperrung herum. Sven Krüger, Schneider und weitere Neonazis der „Kameradschaft Wismar“ pöbelten Journalisten an, Beamte gingen dazwischen. Im Verlauf des Tages schossen Neonazis aus Wismar mit Stahlkugeln aus Zwillen auf Gegendemonstranten.

Als Ordner bei „MVgida“-Aufmärschen

Schneiders Kontakt zum vorbestraften, selbst ernannten Jamel-Boss Krüger hielt über die Jahre. Noch im Oktober 2015 besuchten sie gemeinsam eine Demonstration von „Deutschland wehrt sich“ in Wismar.

Zu diesem Zeitpunkt im Herbst vergangenen Jahres hatte Schneider die NPD-nahen Aufmärsche namens „MVgida“ immer wieder – auch als Ordner – begleitet. Beobachter sahen in ihm sogar einen der Drahtzieher der Demo-Kampagne. Tatsächlich sah man ihn immer wieder an der Seite von Mitorganisatoren wie Antje Menzel oder Andreas Theißen, dem Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Westmecklenburg. In den Verdacht geraten, sogar „Wortführer von MVgida“ zu sein, war Jens-Holger Schneider bereits im Februar 2015, als der SG-Dynamo Schwerin-Betreuer sich zusammen mit dem ehemaligen Fanbeauftragten des Vereins zum „Offenen Dialog“ über MVgida einfand und das Wort ergriff. Der Mann an Schneiders Seite war nach den Pogromen 1992 in Rostock-Lichtenhagen als ein Mittäter verurteilt worden.

Am rechten Rand der AfD positioniert

Berührungsängste zu rechten Straftätern scheint der AfD-Kandidat nicht zu haben. Im Herbst 2015 poste er Arm in Arm mit David Bühring von der rassistischen Initiative „Wismar wehrt sich“, wie Fotos der Recherchegruppe AST belegen. Bühring hatte sich kürzlich, verkleidet als Araber, an einer geschmacklosen Terrorinszenierung in Schwerin beteiligt. Er warf mehrmals einen Rucksack in Richtung von Passanten und flüchtete. Wenig später wurde wegen Störung des öffentlichen Friedens Haftbefehl erlassen.

Schneider positioniert sich am rechten Rand der AfD. So beteiligte er sich am „Flügel“-Treffen von Björn Höcke am Kyffhäuser in Thüringen, bei dem auch Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer geladen waren. Er gehörte zur exklusiven Runde beim „Charity“-Abend mit Alexander Gauland im Schloss Jessenitz und besuchte in der vergangenen Woche die Veranstaltung von Elsässers „Compact-Magazin“ in Schwerin, an der auch der Rostocker Daniel Fiß mit seiner „Identitären“-Truppe teilnahm.

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