Bundesparteitag

Martin Schulz: „Weder Zorn noch Bitterkeit“

Karin Billanitsch22. April 2018
Martin Schulz appelliert an die Partei, Andrea Nahles geschlossen zu unterstützen.
Andrea Nahles dankt ihrem Vorgänger Martin Schulz für seine Leistungen und Verdienste für die SPD. Schulz fordert die Partei auf, sich geschlossen hinter die neue Vorsitzende zu stellen.

Am Ende des außerordentlichen Bundesparteitages dankte die neue Vorsitzende, Andrea Nahles, ihrem Vorgänger Martin Schulz. Sie lobte die starke Handschrift zur Europapolitik, die Schulz dem Koalitionsvertrag gegeben habe und dankte ihm für seine Leistungen und Verdienste für die Partei. Dann gab es noch ein Abschiedsgeschenk: Eine Lithografie von Hans Stein, die Willy Brandt vor der Berliner Mauer sitzend zeigt.

Schulz lobt Zusammenarbeit mit Andrea Nahles

Was ich für den Koalitionsvertrag leisten durfte, war ein heller Moment in manchen dunklen Stunden, antwortete Schulz. Weder „Zorn noch Bitterkeit“ seien bei ihm zurückgeblieben, versicherte er in seiner Rede vor den Delegierten. „Zorn hat eh keinen Zweck und Bitterkeit hilft in der Politik nicht“, sagte Schulz. Er richtete seinen Blick nach vorn: „Es liegen Aufgaben vor uns, die bewältigt werden müssen.“

„Natürlich sind das Momente, in denen man in seiner Seele berührt ist“, sagte Schulz, der vor rund einem Jahr mit 100 Prozent der Stimmen gewählt worden war. „Vorsitzender der SPD zu sein, ist eine außergewöhnliche Ehre“, so Schulz sichtlich bewegt. Dafür sei er dankbar. Er lobte die Zusammenarbeit mit Andrea Nahles, die er „nicht nur kennen- sondern auch schätzen gelernt“ habe. Er wünsche ihr, „dass die Parteibasis wie die –führung geschlossen hinter Dir steht, denn das braucht eine Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei! Du brauchst den Rücken frei, um Dich mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen, und weniger mit dem, was in der eigenen Partei läuft!“

Appell für friedenspolitisches Engagement

Nur ein starkes, gerechtes und auf Friedenspolitik ausgerichtetes Deutschland könne Europa stark machen, schrieb er der Partei ins Stammbuch. Ohne ein starkes Europa würden die Populisten gewinnen – Krieg, Mord und Folter wären die Folge, zeichnete er ein drastisches Szenario. „Wenn eine Partei die Verantwortung dafür hat, das Deutschland wieder die führende Friedensmacht in Europa wird, ist das die SPD“ rief Schulz unter Applaus. Er forderte ein grundsätzliches Bekenntnis Deutschlands für Europa - wie es auch der französische Präsident Emmanuel Macron formuliert hat. 

 

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Kommentare

Versteh einer diese Partei.

Versteh einer diese Partei. Von Nahles und Scholz über den grünen Klee gelobt, von den Delegierten minutenlang beklatscht - im wahren Leben recht bitter verraten und verkauft worden (naja, auch ein bisschen selber schuld hast du schon...). Lieber Martin, sei froh, dass du jetzt nur einfacher Bundestagsabgeordneter bist und nicht mehr die Person auf dem Schleudersitz.

Das sind die Fakten:

Schmutz-Dossiers aus der Union, Heckenschützen aus der SPD und die geballte Medienmacht
haben Martin Schulz zu Fall gebracht!
Nach dem keine investigativ-journalistische Aktivität die Hintergründe bisher aufgeklärt hat, hat sich ein investigativ-interessierter Leser auf den Weg gemacht und Erschreckendes über unsere Medien zutage gefördert!
Eine ausführliche Darstellung unter
https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/massenmedien-in-deutschl...

Das sind die Fakten-Link

Die Analyse, auf die der Link weist, ist hervorragend.
Nachlesen!!!

Auf Friedenspolitik ausgerichtetes Deutschland

Martin Schulz hat sich wieder begeistert und begeisternd für die „führende Friedensmacht“ Deutschland/Europa stark gemacht. Ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob ich ihn da richtig verstehe. Im Koalitionsvertrag lese ich nämlich, dass „die Bundeswehr … sich weltweit für Frieden und Sicherheit“ engagieren soll. Frau von der Leyen will Deutschlands/Europas „militärisches Gewicht auch tatsächlich einsetzen“ - überall. Und für Gabriel braucht „Europa auch eine gemeinsame Machtprojektion in der Welt“. Macron bombardiert – begrenzt – Syrien. Das passt nicht zusammen!
Ich wünsche mir von Martin Schulz eine offene und öffentliche Diskussion über die SPD-Friedenspolitik; die könnte ein Leuchtturmprojekt werden.

Im Übrigen meine ich, die SPD sollte aufhören, die Linke zu verteufeln.