Älteste politische Stiftung

Martin Schulz ist neuer Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung

Kai DoeringJonas Jordan14. Dezember 2020
Ein Europäer für die Friedrich-Ebert-Stiftung: Kurt Beck hat Martin Schulz als neuen Vorsitzenden vorgeschlagen.
Ein Europäer für die Friedrich-Ebert-Stiftung: Kurt Beck hat Martin Schulz als neuen Vorsitzenden vorgeschlagen.
Acht Jahre war Kurt Beck Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Seine Nachfolge hat am Montag der frühere SPD-Vorsitzende Martin Schulz angetreten.

Er war Präsident der Europäischen Parlaments, SPD-Vorsitzender und -Kanzlerkandidat. Künftig führt Martin Schulz die parteinahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Die Jahresmitgliederversammlung wählte den 64-Jährigen am Montag zum neuen Vorsitzenden. „Ich freue mich sehr mit dem heutigen Tag die ehrenvolle Aufgabe des Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung zu übernehmen“, sagte Schulz. Die Friedrich-Ebert-Stiftung stehe als älteste politische Stiftung Deutschlands für die unbedingte Unterstützung und Verteidigung der Demokratie, für die Förderung und das Recht auf gerechte Bildungschancen und für internationale Kooperation und Solidarität, sagte Schulz nach seiner Wahl.

„Wir wollen als führender Think-Tank wahrgenommen werden, der einen Raum für Debatten und Auseinandersetzung bietet. Wir wollen Utopien und Visionen für die Zukunft entwickeln und einen sichtbaren Beitrag zu einer gerechten und demokratischen Welt leisten. Auf diese Aufgabe freue ich mich sehr“, so der neue Vorsitzende Martin Schulz. Er werde das Amt „im Geiste von Friedrich Ebert und mit voller Kraft für die Demokratie“ ausüben, verkündete Schulz auf Twitter.

Als stellvertretende Vorsitzende wählte die Mitgliederversammlung den früheren DGB-Vorsitzenden Michael Sommer sowie die sächsische SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe. Sabine Fandrych wird zum 1. Juli 2021 geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Als weitere Mitglieder des Vorstandes wurden Peter Brandt, Barbara Hendricks, Christina Kampmann, Barbara Ludwig, Rolf Mützenich, Matthias Platzeck und Anke Rehlinger gewählt.

Schulz' Vorgänger Kurt Beck wurde „in Würdigung seiner herausragenden Verdienste“ zum Ehrenvorsitzenden der Stiftung gewählt. Er trat nach acht Jahren im Amt „aus Altersgründen“ nicht mehr an. Beck hatte der Stiftung im September Schulz als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Auf ihn sei die Wahl „nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen“ gefallen.

Ein geachteter Europäer für die FES-Spitze

„Die Zukunft Europas ist für die Zukunft unseres Landes von entscheidender Bedeutung. Ein ausgewiesener und geachteter Europäer an der Spitze der ältesten und traditionsreichen politischen Stiftung in Deutschland wird dieses wichtige Anliegen der Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung überzeugend verkörpern und weiter voranbringen“, sagte Beck damals zur Begründung.

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans begrüßte den Vorschlag. „Mit Martin Schulz würde die Stiftung einen Vorsitzenden erhalten, der international hohes Ansehen genießt“, sagte er im September. Vor allem durch sein entschlossenes Eintreten gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus und für die Stärkung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie habe sich Schulz „hohen Respekt erworben.“

Beck war seit 2013 Vorsitzender

Die Wahl des FES-Vorstands findet turnusmäßig alle zwei Jahre statt. Kurt Beck führte die Stiftung mit seinen beiden Vize-Vorsitzenden Hannelore Kraft und Michael Sommer bereits seit 2013. Martin Schulz war bereits Mitglied des rund 130-köpfigen Vereins, der die Friedrich-Ebert-Stiftung trägt. Mit 95 Jahren ist sie die älteste politische Stiftung Deutschlands. Rund 670 Mitarbeiter*innen sind weltweit für die Stiftung tätig.

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Kommentare

Verdienste

Nun möchte ich die Verdienste von Martin Schulz nicht alle anzweifeln, aber seine Schwächen und seine Vertaktiererei nach der Bundestagswahl 2017 sind mir noch in Erinnerung. Nun soll es aber nicht nur um Martin Schulz gehen, denn was in der Öffentlichkeit negativ ankommt ist doch, daß die SPD in den letzten 20 Jahren an einer Regierungspolitik beteiligt war, die objektiv betrachtet (siehe Piketty) die Einkommensschere zwischen Armen und Reichen immer weiter geöffnet hat. Politiker*** die mit dieser Politik an der mangelnden Wählergunst scheiterten und denen das Hlfter abgenommen wurde, werden dann postpolitisch auf Stiftungsposten gesetzt, mit Vergütungen die die Vorstellungswelt von Normalverdienerinnen sprengt. Andere dienen ihr Adressbuch, wohl honoriert, der Privatwirtschaft an.
Leute ! Wenn die SPD Wählerzuspruch möchte dann muss da politische Glaubwürdigkeit vermittelbar sein ! Jede*** Straßen- und Tapeziertischwahlkämpfer** kennt doch den Vorwurf: "Ihr schafft doch alles nur in euere eigenen Taschen". Wie soll man das entkräften ?

Das lässt sich nicht entkräften,

weil es sich genau so verhält. Das einzige was erwähnenswert ist, dass es bei anderen Parteien auch nicht anders ist. Es trifft den Kern der Sache, wenn man nicht von Politikverdrossenheit spricht, sondern von Politikerverdrossenheit.

Leider trifft das

Gerade auf die Partei nicht zu, die wir alle nicht mögen. Das ist auch eine der Stärken dieser Partei. Solche Vorgänge stärken sie weiter. Man fragt sich, warum dkie ehemaligen den hals nicht voll genug kriegen. ASB ist auch sp ein Beleg. Bitte nicht wundern, dass die Wahlergebnisse sind, wie sie sind

Ehrenamt

Wie man das entkräften soll? Ganz einfach: mit der Wahrheit. Der Vorsitz der Friedrich-Ebert-Stiftung ist nämlich mitnichten ein Posten "mit Vergütungen die die Vorstellungswelt von Normalverdienerinnen sprengt", sondern ein Ehrenamt, für das es lediglich eine Aufwandsentschädigung gibt. Finanziell dürfte sich Martin Schulz also verschlechtern. Vor der öffentlichen Empörung also vielleicht einfach mal in sich gehen.

Aufwandsentschädigung

Wie hoch ist denn nun ? Hat nicht der Sigi von Tönnies auch so was gekriegt ?