Baden-Württemberg

Martin Schulz in Mannheim: Die Konkurrenz kann sich „warm anziehen“

Paul Starzmann19. September 2017
Martin Schulz
Voll besetztes Haus: Mehr als 500 Zuhörer wollten SPD-Chef Martin Schulz am Dienstag live in Mannheim sehen.
Die AfD hat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 zwei Direktmandate errungen – eins davon in der SPD-Hochburg Mannheim. Damit sich das nicht wiederholt, hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz jetzt die Stadt besucht – und sich dabei sehr selbstbewusst gezeigt.

Für viele Sozialdemokraten in Mannheim war es ein Schock: Ausgerechnet im „roten“ Norden ihrer Stadt wählten bei der Landtagswahl 2016 gut 30 Prozent die AfD. Ein Rechtspopulist errang das Direktmandat in der alten SPD-Hochburg.

Stefan Rebmann: „Martin macht das sehr gut“

Bei der Bundestagswahl in wenigen Tagen soll sich das nach dem Willen der Sozialdemokraten auf keinen Fall wiederholen. Das Trauma vom vergangenen Jahr wollen die Mannheimer Genossen unbedingt wieder wettmachen. Hilfe bekamen sie am Dienstag von SPD-Chef Martin Schulz: Auf seiner Tour durch Baden-Württemberg machte der Kanzlerkandidat in Mannheim Halt, um den Bundestagsabgeordneten Stefan Rebmann im Wahlkampf zu unterstützen.

Inhaltlich wie persönlich verbinde ihn eine Menge mit Schulz, sagte Rebmann im Vorfeld des Besuchs. Beide SPD-Politiker seien entschiedene Gegner der Rechtspopulisten. „Ich erwarte von Martin klare Kante gegen rechts“, sagte Rebmann. „Die zeigt er auch – und macht das sehr gut.“ In der Tat fand Martin Schulz bei seinem Auftritt in Mannheim klare Worte für seine Gegner vom rechten Rand. Die AfD sei keine Alternative, sondern „eine Schande für Deutschland“, wiederholte er eine oft zitierte Botschaft.

Schulz: Merkel ruht sich selbstgefällig aus

Eine Mitverantwortung für den Aufstieg der Rechtspopulisten gab Schulz auch der Bundeskanzlerin, der er ein „selbstgefälliges Ausruhen auf den eigenen Erfolgen“ vorwarf. Dadurch gefährde Angela Merkel die Demokratie, kritisierte Schulz. Sie wolle die Wähler einschläfern, die Bürger von der Wahl abhalten. Eine Folge dieses Politikstils sei der Aufstieg der AfD.

Sowohl Schulz als auch sein Mannheimer Gastgeber Rebmann machen sich seit Jahren gegen rechte Umtriebe stark. So hat Schulz zum Beispiel als Präsident des EU-Parlaments im März 2016 einen rechtsextremen Abgeordneten aus dem Plenum werfen lassen. Rebmann wiederum engagiert sich auf lokaler Ebene gegen die Rechten – als Gewerkschafter, aber auch im Bündnis „Mannheim sagt Ja!“, das Flüchtlinge in der Stadt Willkommen heißt.

Was im Wahlkampf wirklich zählt

Martin Schulz und Stefan Rebmann haben aber auch noch eine andere Gemeinsamkeit: „Auch ich habe kein Abitur“, sagte der ausgebildete Elektroniker gegenüber vorwärts.de. „Das verbindet mich mit Sicherheit mit Martin Schulz.“ Was in der Politik wirklich zähle, sei das Verständnis für die Lebenswirklichkeit der Menschen – und nicht irgendwelche akademischen Titel auf dem Wahlplakat. „Ich habe Schicht gearbeitet, war befristet beschäftigt und eine Zeit lang arbeitslos“, so Rebmann. „Ich weiß, wie das ist.“ Auch Martin Schulz habe aufgrund seines Lebenswegs ein Gespür für die Belange der Bürger: „Er spricht eine klare Sprache, die die Menschen verstehen.“

Das tat Schulz dann auch bei seinem Besuch in Mannheim, in dem mit mehr als 500 Besuchern voll besetzten Saal des ehemaligen Kinos „Capitol“: Auf die Frage einer jungen Mutter nach der Zukunft der Verteidigungspolitik sprach er sich klar für einen Abzug aller amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland aus. Als ihn ein Angestellter aus der Mannheimer Uni-Klinik auf den Personalnotstand in den Krankenhäusern ansprach, bezog er Stellung: Schulz forderte einen Neustart in der Pflege, es müsse viel mehr Geld in die Versorgung Alter und Kranker fließen. Angela Merkel wolle das Geld hingegen lieber in die Aufrüstung pumpen, kritisierte er. In den allermeisten Bereichen setze die Kanzlerin auf ein schlichtes „Weiter so“.

Schulz: „Ihr könnt euch warm anziehen!“

Für Martin Schulz ist die Bundestagswahl wenige Tage vor dem Wahltag noch lange nicht entschieden. In Mannheim erlebte das Publikum einen hochmotivierten und kämpferischen SPD-Chef, der sich selbstbewusst und siegessicher zeigte. An seine Konkurrenten von der Union bis zur AfD gerichtet gab er eine klare Botschaft aus: „Ihr könnt euch warm anziehen!“

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