Sozialdemokratie

Warum Martin Schulz vor laufenden Kameras ein SPD-Neumitglied aufnimmt

Kai Doering15. Oktober 2017
Eintritt beim SPD-Chef: Auf der Party zur niedersächsischen Landtagswahl nahm Martin Schulz Peter Laws als Neumitglied auf.
Eintritt beim SPD-Chef: Auf der Party zur niedersächsischen Landtagswahl nahm Martin Schulz Peter Laws als Neumitglied auf.
Bei der Party zur niedersächsischen Landtagswahl im Willy-Brandt-Haus hat SPD-Chef Martin Schulz ein Neumitglied aufgenommen – vor laufenden Kameras. Peter Laws kam über seine Lebensgefährtin zur Partei – und das, obwohl er seit 20 Jahren nicht mehr gewählt hat.

Martin Schulz hat seine kurze Ansprache nach der niedersächsischen Landtagswahl gerade beendet. Er und die anderen Mitglieder der Parteiführung, die hinter Schulz gestanden haben, wollen gerade gehen, die Kameras laufen noch, da kommt im Atrium des Willy-Brandt-Hauses plötzlich Tumult auf. Ein Mann – blaues Polohemd, Sonnenbrille im grauen Haar – taucht unter dem roten Absperrband hindurch und steht plötzlich neben Schulz auf der Bühne. In der Hand hält er ein ausgefülltes Beitrittsformular für die SPD.

Martin Schulz macht eine Ausnahme

Der Parteichef ist kurz irritiert, dann sagt er: „Eigentlich ist dafür dein Ortsverein zuständig.“ Aber er werde gerne eine Ausnahme machen. „Lieber Peter Laws, hiermit bist du aufgenommen in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands.“ Die Menschen im Atrium jubeln und klatschen, Peter Laws, der Mann im Polohemd, schüttelt Schulz erst die Hand, dann fällt er ihm um den Hals. Sein Aufnahmeformular wandert sofort zu Generalsekretär Hubertus Heil, der es in sein Sakko steckt. Von dem Vorgang gibt es sogar ein Video.

Spontan sei seine Aktion nicht gewesen, erzählt Peter Laws dem „vorwärts“ hinterher. Eigentlich wollte der 61-Jährige aus Blankenfelde-Mahlow im Herzen Brandeburgs schon vor der Bundestagswahl in die SPD eintreten – allerdings unbedingt im Willy-Brandt-Haus. Der Ausgang der Bundestagswahl – vor allem das starke Abschneiden der AfD – habe ihn dann zusätzlich motiviert.

Seit 20 Jahre nicht gewählt

Den Ausschlag allerdings hat eine Frau gegeben – Elke Tschuschke, 66, seit knapp zwei Jahren Laws’ Lebensgefährtin und seit sechs Jahren SPD-Mitglied. „Er hat mich immer gefragt, was ich da mache, wenn ich zur Ortsvereinssitzung gehe“, erzählt Tschuschke. „Ich habe ihm gesagt: ‚Wenn du mitkommen willst, musst du erst Mitglied werden.’“ „Agitiert“ habe sie ihren Lebensgefährten aber nicht. Stolz sei sie aber schon auf ihn.

Peter Laws weiß also, worauf er sich mit dem SPD-Eintritt eingelassen hat. Die Entscheidung habe er ganz bewusst getroffen, betont er und fügt hinzu: „Und das, wo ich seit 20 Jahren nicht mehr gewählt habe.“ Jetzt aber habe er sich festgelegt. „Und ich werde dabei bleiben.“

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