Europatag

Martin Schulz: Warum wir in der Corona-Krise mehr Europa brauchen

Jonas Jordan09. Mai 2020
Vor einem Jahr hat Martin Schulz den Verein „Tu was für Europa“ gegründet und gemeinsam mit Prominenten wie Schauspieler Daniel Brühl oder Sängerin Joy Denalane die Kampagne „myeurope“ gestartet.
Vor einem Jahr gründete Martin Schulz den Verein „Tu was für Europa“. Zu dessen erstem Geburtstag wirbt der langjährige Präsident des Europäischen Parlaments für mehr Europa in Zeiten der Corona-Krise.

17 Tage waren es noch zur Europawahl, als Martin Schulz gemeinsam mit anderen Prominenten wie der Sängerin Joy Delalane, dem Schauspieler Daniel Brühl oder Moderator Klaas Heufer-Umlauf im Berliner Allianz-Forum die Kampagne „myeurope“ gestartet hat. Es war ein stimmungsvoller Festakt anlässlich des Europatages. Dem voraus ging die Gründung des von Schulz initiierten Vereins „Tu was für Europa“. „Der Verein hat zum Ziel, Menschen, die nicht unmittelbar politisch mit Europa etwas zu tun haben, mit Kampagnen zu motivieren, sich zu Europa zu bekennen und aktiv einzusetzen. Wir wollen mit niedrigschwelligen Projektangeboten Menschen erreichen, die sich für die Idee von Europa – Respekt, Toleranz, Frieden und Wohlstand – bekennen wollen“, sagte der langjährige Präsident des Europaparlaments vor einem Jahr anlässlich der Vereinsgründung im Interview mit dem „vorwärts“.

Preis für europafreundliche Kommunen

Zwar wurde der Verein 2019 unmittelbar im Vorfeld der Europawahl gegründet. Doch die Ziele waren langfristiger angelegt, wie Schulz damals bereits im Interview betonte: „Uns geht es um eine Dauerhaftigkeit, in der gesellschaftlichen, nicht primär in der politischen Ebene. Europa muss positiv erlebt werden und Thema bleiben, auch jenseits von Brexit, Europawahlen und Krisen.“ Daher setzt der Verein seine Arbeit in diesem Jahr mit zahlreichen Aktionen fort, gleichwohl auch hier die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie hinsichtlich der Planungen deutlich zu spüren sind.

Denn ursprünglich hatte „Tu was für Europa“ zum heutigen Europatag erneut einen großen Festakt in Berlin geplant. Die Feier soll nun am 11. Oktober im Berliner Metropol nachgeholt werden. Bei dieser Gelegenheit soll dann auch der „Colours-of-Europe-Award“ des Vereins verliehen werden, mit dem Städte und Kommunen bis 50.000 Einwohner*innen für ihr europapolitisches Engagement prämiert werden sollen. Die drei Gewinner*innen erhalten jeweils 5.000 Euro als Preisgeld sowie eine individuelle Europaflagge. Mit dem Preis dsoll außergewöhnliches kommunales Engagement für Europa belohnt und gleichzeitig ein Netzwerk aus Kommunen geschaffen werden, die ihre Erfahrung und Expertise auch über ihre eigene Region hinaustragen möchten. Die Preisträger*innen werden am Vorabend der deutschen Ratspräsidentschaft verkündet. Teil der Jury sind unter anderem die Oberbürgermeisterin von Chemnitz Barbara Ludwig (SPD), der Journalist Nils Minkmar und der Profifußballer Neven Subotic.

Schulz: „Rezept für die Zukunft dürfen nicht nationale Alleingänge sein“

Für den Vorstandsvorsitzenden Martin Schulz spielen der Verein „Tu was für Europa“ und seine Arbeit insbesondere in der momentanen Situation eine besondere Rolle: „Gerade in der Krise brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Europa! Das Rezept für die Zukunft dürfen nicht nationale Alleingänge sein, kein jeder für sich, sondern einer für den anderen und gemeinsam stark.“ In diesem Geist habe er auch „Tu was für Europa“ als überparteiliche Initiative ins Leben gerufen. „Wir wollen, dass Europa ein Thema bleibt, nicht nur in Europawahljahren und in Krisenmomenten. Unser überparteilicher gemeinnütziger Verein möchte ganz grundsätzlich die europäische Idee stärken“, sagte der frühere SPD-Vorsitzende im Gespräch mit dem „vorwärts“.

Mit der Arbeit des Vereins wolle er, „das Gemeinsame stärken und möglichst viele Menschen in ihrer positiven pro-europäischen Grundhaltung unterstützen, Europa erlebbar machen, so alltäglich und einfach wie möglich und diejenigen in den Mittelpunkt stellen, die sich in ihrem normalen Leben für Europa engagieren“. In diesem Sinne ist auch das „Voices-of-Europe“-Projekt konzipiert. Dafür sucht der Verein noch bis zum 17. Mai Teilnehmer*innen für einen Europa-Chor, der ab Herbst auf Tour durch Deutschland gehen und in einer 30-minütigen-Show musikalisch für Europa werben soll. Zunächst sind dafür Auftritte in Bremen, Köln, Nürnberg und Dresden geplant, wo es Konzerte in den Hauptbahnhöfen geben soll.

Ebenfalls im Zeichen des gemeinsamen Gesangs steht das digitale Europahymnen-Projekt des Vereins „United in Diversity: Für Solidarität in Europa“. Heute feiert ein erstes Video dieses Projekts Premiere, bei dem Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern gesanglich für Solidarität einstehen. Ein zweites Video mit einer gemeinsamen Hymne soll im Oktober präsentiert werden. 

weiterführender Artikel

Kommentare

Europa

Also die EU, früher EWirtschaftsG ist ein Projekt des Kapitas, wie schenll die Grenzen für Menschen wieder dicht sind erleben wir gerade jetzt. Besonders hart trifft das die Pendler, die sich an grenzüberschreitendes Leben und Arbeiten gewöhnt hatten. Nicht nur Lobhudeln, sondern auch Schwachstellen benennen und beseitigen. Und zwar im Interesse der Menschen und nicht des Kapitals. Zur Zeit sehen wir Corona-HotSpots in den Fleischfabriken, wo osteuropäische Billiglöhner ausgebeutet werden, hat irgendeiner der Sonntagsredner mal daran gedacht an diesen Arbeits- und Unterbringungsbedingungen was zu ändern ?