SPD-Parteitag in Berlin

Martin Schulz mit 82 Prozent als SPD-Chef wiedergewählt

Lars Haferkamp07. Dezember 2017
SPD-Parteitag in Berlin: Der Vorsitzende Martin Schulz nach seiner Rede
SPD-Parteitag in Berlin: Der Vorsitzende Martin Schulz nach seiner Rede, für die er viel Beifall der Delegierten erhielt.
Großer Jubel auf dem SPD-Parteitag in Berlin: Die Delegierten wählten Martin Schulz mit 82 Prozent erneut zum SPD-Vorsitzenden. Der zeigte sich erfreut und bedankte sich für den Vertrauensbeweis. Der Parteitag wählte danach sechs stellvertretende Parteivorsitzende.

Der SPD-Parteitag in Berlin hat Martin Schulz mit 81,94 Prozent erneut zum Parteivorsitzenden gewählt. Bei 620 gültigen Stimmen gab es 508 Ja-Stimmen, 97 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen. Schulz zeigte sich erfreut über das Ergebnis. „Vielen vielen Dank! Nach allem was hinter uns liegt bin ich dankbar für diesen Vertrauensbeweis“, sagte er zu den Delegierten. Er betrachte das Wahlergebnis als „Vertrauensvorschuss“ und versprach den Skeptikern in der SPD, „ich will alles tun, um euer Vertrauen zurückzugewinnen“.  Schulz hatte für seine Rede am Mittag, in der er leidenschaftlich für ergebnisoffenen Gespräche mit der Union warb, viel Beifall erhalten. Ein erster Hinweis auf das Maß an Vertrauen, dass er bei den Delegierten genießt.

Die Ergebnisse von Schumacher bis Schulz

Bei seiner ersten Wahl zum Parteivorsitzenden, im März 2017, erhielt Martin Schulz mit 100 Prozent Zustimmung das beste Ergebnis, das jemals ein SPD-Chef nach dem Krieg erreichte. Damit übertraf Schulz sogar die bisherigen Rekordergebnisse Kurt Schumachers, der 1947 und 1948 mit 99,7 Prozent gewählt wurde. 99,4 Prozent erhielten Willy Brandt im Jahr 1966 und Matthias Platzeck im Jahr 2005 bei der Wahl zum Parteivorsitzenden.

Das bisher schlechteste Wahlergebnis bekam Oskar Lafontaine bei seiner Wahl zum SPD-Chef 1995, als er gegen den amtierenden Vorsitzenden Rudolf Scharping antrat und diesen stürzte. Das zweitschlechteste Ergebnis erzielte Sigmar Gabriel mit 74,3 Prozent bei seiner Wahl im Jahr 2015. Gerhard Schröder musste sich nach dem Rücktritt Lafontaines von allen Ämtern mit 76,0 Prozent begnügen. Rudolf Scharping kam nach der zuvor abgehaltenen Mitgliederbefragung auf dem Parteitag 1993 auf nur 79,4 Prozent Zustimmung der Delegierten.

Sechs stellvertretende Parteivorsitzende gewählt

Nach der Wahl des Parteivorsitzenden folgte die Wahl seiner sechs Stellvertreter. Erstmals gewählt wurden die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (mit 97,5 Prozent Ja-Stimmen) und die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen (mit 80,1 Prozent).

Wiedergewählt wurden der hessische SPD-Partei und Landtagsfraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel (mit 78,3 Prozent Ja-Stimmen), Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (mit 59,2 Prozent), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig (mit 86,0 Prozent) und der SPD-Partei- und Landtagsfraktionsvorsitzende in Schleswig-Holstein Ralf Stegner (61,6 Prozent).

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Kommentare

Was ist blos los mit der SPD,

muss man auch nach dem Parteitag fragen. Die wenigen Hoffnungsträger stark beschädigt (sh Scholz) . In den Redebeiträgen immer vorbeigeredet an den Themen, die vielleicht nicht die hauptamtliche Partei, wohl aber dem Partei, und vielmehr noch den Wählern unter den Nägeln brennen. Zuwanderung und Innere Sicherheit finden nicht statt bei euch.
So erweckt jede Rede und sonstige Äußerung beim Wähler den Eindruck- ihr schaut bewusst nicht dorthin, wo es schwierig wird.
Bei den zwei Themen erwartet das Wahl Lösungen- und ihr schweigt euch aus.
Warum soll man euch wählen, wenn ihr die wirklichen Themen nicht einmal zur Kenntnis nehmt. Wohnungen /Arbeitsbedingungen usw... alles gut und schön. Aber dies sind sekundäre Probleme, die aus den genannten "wirklichen Themen" resultieren - sich folgerichtig nicht lösen lassen, wenn man die zentralen Fragen unbeantwortet lässt. Immer mehr Zuwanderung drückt die Löhne und beengt den Wohnungsmarkt- das ist doch offensichtlich. Kurzum: Ihr wollt es nicht- dann müsst ihr auch nicht. Um die zentralen Themen kümmern sich dann die anderen- und die fahren dann bei den Wahlen auch die Ernte ein. Die SPD steht im Abseits. Gehört sie dahin?

Malu Dreyer rockt den Parteitag

Bei ihrer Rede habe ich ein aufflammen sozialdemokratischer Leidenschaft empfunden – prima, dass sie mit solch einem großartigen Ergebnis als Vize des zu recht wiedergewählten Parteivorsitzenden gewählt wurde!

Malu Dreyer und Martin Schulz wären für mich eine überzeugende Doppelspitze.

Martin Schulz mit 82 Prozent als SPD-Chef wiedergewählt

Mein Glückwunsch an Martin Schulz,besonders auch an Malu Dreyer.

Ich hoffe, dass der Vorstand nicht von der Vorstellung abrückt, die Partei zu erneuern und sich auf ihre Werte zu besinnen. Dazu gehört aktuell vor allem, bei Gesprächen mit der Union hart zu bleiben und bei keinem Thema einzuknicken. Andernfalls wäre der Schaden sehr groß und kaum wieder gut zu machen.

die Partei zu erneuern

Die SPD bleibt eine Hartz IV Partei !
Die Delegierten wollten am Sanktionsregime festhalten und haben mit ihrer Zustimmung zur Änderung am Wortlaut des ursprünglichen Antrags "menschenwürdiges Existenzminimum", die Menschenwürde ein weiteres mal -ad absurdum- gestellt.
Erneuerung geht anders.
Dem Billiglohnsektor wird weiterhin "williges Humankapital" zugeführt, eine Vertragsverhandlung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Augenhöhe vorsätzlich verhindert.
Und dies auch noch unter dem fadenscheinigen Argument, man wolle "dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht das Wort reden", wohlwissend, dass die höchstselbst installierte Grundsicherung bedarfsabhängig und somit gerade nicht bedingungslos gewährt wird.
Hartz IV Bedrohte oder Betroffene werden es der SPD sicher danken und sich entsprechend bei anstehenden Wahlen positionieren.
Sollte die AfD in diese Lücke stoßen, sehe ich schwarz für zukünftige Wahlergebnisse in Deutschland.