Gedenktag in den USA

Martin-Luther-King-Day: Der Traum ist noch nicht erfüllt

Laura GiesenKai Doering20. Januar 2020
I have a dream: Am 28. August 1963 hielt Martin Luther King in Washington seine berühmt gewordene Rede. Von der Erfüllung des Traums sind die USA jedoch noch weit entfernt.
I have a dream: Am 28. August 1963 hielt Martin Luther King in Washington seine berühmt gewordene Rede. Von der Erfüllung des Traums sind die USA jedoch noch weit entfernt.
Mit dem Martin-Luther-King-Day wird in den USA an diesem Montag an den 1968 ermordeten Bürgerrechtler erinnert. Von echter Gleichberechtigung sind schwarze Amerikaner*innen immer noch weit entfernt.

Als sich rund eine Viertelmillionen Menschen am 28. August 1963 zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ zusammenschlossen, war dies der Höhepunkt der Amerikanischen Bürgerbewegung.  Ein breites Bündnis aus verschiedenen Bürgerrechtsorganisationen, Studentenvereinigungen und Gewerkschaften hatte den Marsch organisiert. Zuvor verbreiteten viele Medien die Angst, dass dieser in Gewalt enden könnte; bei Demonstrationen im selben Jahr hatten sich einige Teilnehmer dem Aufruf zur Gewaltfreiheit widersetzt. In den Washingtoner Gefängnissen war sogar Platz geschaffen worden um für mögliche Massenverhaftungen vorbereitet zu sein. Doch die Teilnehmer blieben friedlich.

Zu ihren Forderungen gehörten das Verbot von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, die sofortige Aufhebung der Rassentrennung an Schulen, sowie Programme gegen Arbeitslosigkeit. Am Ende des Marsches bewegte Martin Luther King Jr. mit seiner berühmten „I have a dream“-Rede die Massen weit über Washington hinaus.

In den auf den Marsch folgenden Monaten und Jahren wurden die wichtigsten amerikanischen Bürgerrechtsgesetze verabschiedet, die zumindest legal die Rassentrennung und andere Formen der Diskriminierung beendeten. Noch heute begründen viele Bürgerrechtler die Motivation und den Mut für ihr Engagement mit diesem Erfolg.

Die Ursprünge der Bürgerrechtsbewegung

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung wurde als Reaktion auf die ab Ende des 19. Jahrhundert erlassenen „Jim Crow Laws“ geboren. Diese Gesetze schrieben eine strickte Rassentrennung zwischen schwarzen und weißen Bürgern fast allen Gebieten vor. Auch wenn die Trennung offiziell als „seperate but equal“ (getrennt aber gleich) bezeichnet wurde, waren Schulen, öffentliche Verkehrsmittel, Wasserspender oder  Toiletten für Schwarze fast durchgängig schlechter als die für Weiße. Zusätzlich schlossen die Gesetze die meisten Schwarzen vom Wahlrecht aus und ermöglichten offene Diskriminierung durch Arbeitgeber.

 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte die Bürgerrechtsbewegung, wegen geringer Beteiligung – selbst von Schwarzen – nur schleppend Fortschritte erzielen. Schrittweise wurden zwar in vielen Staaten mehr Schwarze zur Wahl zugelassen und 1954 die Rassentrennung in Schulen für verfassungswidrig erklärt, doch die Diskriminierung ging weiter. Bis zu dieser Zeit hatte die Bewegung an Mitstreitern gewonnen. Als Rosa Parks 1955 in Montgomery festgenommen wurde, weil sie sich geweigert hatte, einem Weißen ihren Sitzlatz im Bus zu überlassen, begannen zehntausende Schwarze in der Stadt die Busse zu boykottieren. Sie setzten damit ein Zeichen für zivilen Ungehorsam und sorgten für eine Aufbruchsstimmung innerhalb der Bürgerbewegung.

Die Forderungen nach Gleichbehandlung wurden besonders an Orten, an denen die Diskriminierung am stärksten auftrat mit gewaltlosem Widerstand in Form von Sitzblockaden und Protestmärschen begleitet. Die Polizei reagierte darauf nicht selten mit Gewalt und Verhaftungen waren an der Tagesordnung. Der Baptistenpastor Martin Luther King Jr., der sich als Anführer der Bürgerbewegung etabliert hatte, ermahnte die Beteiligten immer wieder den Provokationen zu widerstehen und auf Gewalt zu verzichten.

Der Traum ist noch nicht erfüllt

Fast 60 Jahre nach dem „Marsch auf Washington“ hat sich in Sachen Gleichberechtigung in den USA einiges getan – nicht zuletzt durch den ersten schwarzen Präsidenten Barack Obama. Trotzdem werden Amerikaner*innen mit afrikanischen Wurzeln im Alltag immer wieder diskriminiert und von der Polizei allein aufgrund ihrer Hauptfarbe unter Generalverdacht gestellt. Erst im vergangenen Jahr war ein weißer Polizist zu 20 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er 2016 den Afroamerikaner Gregory Gunn bei einer Kontrolle erschossen hatte. Die „Washington Post“ hat ermittelt, dass schwarze Amerikaner*innen deutlich häufiger von der Polizei erschossen werden als weiße: Obwohl sie nur 13 Prozent der US-Bevölkerung stellen, hat jedes vierte Opfer eine schwarze Hautfarbe. Von der Erfüllung Martin-Luther-Kings Traum sind die USA also noch weit entfern.

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