Hessen

Main-Kinzig-Kreis: Eine SPD-Hochburg wider den Bundestrend

Jonas Jordan11. März 2020
Große Freude am Wahlabend: Albert Ungermann (3.v.li.) bleibt Bürgermeister, der Unterbezirksvorsitzende und Generalsekretär der hessischen SPD Christoph Degen (2.v.li.) gratuliert.
Große Freude am Wahlabend: Albert Ungermann (3.v.li.) bleibt Bürgermeister, der Unterbezirksvorsitzende und Generalsekretär der hessischen SPD Christoph Degen (2.v.li.) gratuliert.
Auf kommunaler Ebene zeigt die SPD, dass sie noch Wahlen gewinnen kann. So auch im hessischen Main-Kinzig-Kreis, wo die Partei unter anderem den Landrat und 15 Bürgermeister*innen stellt – die CDU hat keine*n.

Albert Ungermann bleibt Bürgermeister. Seit 18 Jahren regiert der 62-jährige Sozialdemokrat die Gemeinde Linsengericht im hessischen Main-Kinzig-Kreis, etwa 45 Kilometer vor den Toren Frankfurts. Jetzt folgen sechs weitere Jahre. Denn Ungermann ist am Sonntag mit fast 80 Prozent ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden. Bundesweit steht die SPD in Umfragen zurzeit zwischen 15 und 17 Prozent. Doch im Main-Kinzig-Kreis gehört Ungermann als erfolgreicher Sozialdemokrat zur Mehrheit. 29 Städte und Gemeinden gibt es im Landkreis. In 15 regieren SPD-Bürgermeister*innen. Die CDU in keiner.

SPD stellt 15 Bürgermeister*innen, die CDU keine*n

Die letzte Hochburg der Konservativen fiel im Februar in Langenselbold. Bei der Wahl in der 14.000 Einwohner*innen zählenden Stadt setzte sich SPD-Mann Timo Greuel mit rund 68 Prozent der Stimmen in der Stichwahl deutlich gegen den CDU-Kandidaten Tobias Dillmann durch. Dessen Parteikollege und bisheriger Bürgermeister Jörg Muth war nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr angetreten.

„Ich ziehe daraus viel Motivation, weil es mir zeigt, dass man für die SPD Wahlen gewinnen kann“, sagt Christoph Degen. Der 40-Jährige ist seit sechs Jahren Unterbezirksvorsitzender der Sozialdemokrat*innen im Main-Kinzig-Kreis und außerdem einer von zwei Landtagsabgeordneten. Darüber hinaus stellt die SPD im südosthessischen Landkreis mit dem entwicklungspolitischen Sprecher Sascha Raabe und der Gesundheitspolitikerin Bettina Müller auch zwei Bundestagsabgeordnete, mit Susanne Simmler die Erste Kreisbeigeordnete und mit Thorsten Stolz den Landrat.

Mit 37 im ersten Wahlgang zum Landrat

Stolz wurde 2017 mit gerade einmal 37 Jahren ins Amt gewählt. Zuvor war er zehn Jahre Bürgermeister der Kreisstadt Gelnhausen. Bei seiner Wahl zum Landrat setzte er sich im ersten Wahlgang gegen fünf Mitbewerber*innen souverän mit rund 58 Prozent durch. Stolz reihte sich damit ein in die seit 1987 amtierende Riege sozialdemokratischer Landräte im Main-Kinzig-Kreis. Lediglich in den ersten 13 Jahren nach Gründung des Kreises amtierte CDU-Mann Hans Rüger als Landrat.

„Wir gucken, dass wir die Menschen nicht alleine lassen“, sagt Degen zum Erfolgsrezept der SPD im Main-Kinzig-Kreis. Die SPD stehe vor Ort für Sicherheit, auch für Mobilität und gute Pflege. Der Unterbezirksvorsitzende, der seit November auch Generalsekretär der hessischen SPD ist, fügt an: „Wir haben einfach einen starken Zusammenhalt. Wenn wir etwas entschieden haben, vertreten wir das gemeinsam. Außerdem haben wir überzeugende Persönlichkeiten. Heutzutage hängen viele Wahlentscheidungen von den Personen ab.“ Und die Person müsse passen, zum Ort und zur Partei. „Authentische Gesichter gewinnen am Ende einfach“, sagt Degen.

Delegiertenprinzip abgeschafft

Zu Gute kommt der SPD außerdem, dass sie als einer der ersten Unterbezirke deutschlandweit schon vor einigen Jahren das Delegiertenprinzip für alle Versammlungen auf Unterbezirksebene abgeschafft hat. Dadurch ist eine Hierarchieebene weggefallen. Wer neu in die SPD eintritt, muss nicht erst zum Delegierten gewählt werden. Stattdessen können alle 3.300 SPD-Mitglieder direkt mitmachen, sich einbringen und abstimmen.

Im Hinblick auf die hessische Kommunalwahl im kommenden Jahr steht aber auch die SPD im Main-Kinzig-Kreis vor der Herausforderung, überall genügend qualifizierte Kandidat*innen für die Listen zu finden. „Wir haben im Nachbarwahlkreis in Altenstadt in der Wetterau gesehen, was passiert, wenn die demokratischen Parteien nicht mehr bereit sind, Ämter zu besetzen“, mahnt Degen. Denn dort war im vergangenen Jahr aus Mangel an Alternativen im Ortsteil Waldsiedlung zunächst ein NPD-Mann zum Ortsvorsteher gewählt worden.

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