Bildungspolitik

Maike Finnern: Was die neue GEW-Vorsitzende vorhat

Kai Doering10. Juni 2021
Deutschland gibt zu wenig für die Bildung aus: die neue GEW-Vorsitzende Maike Finnern
Deutschland gibt zu wenig für die Bildung aus: die neue GEW-Vorsitzende Maike Finnern
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat eine neue Vorsitzende. Die Delegierten des digitalen Gewerkschaftstags wählten Maike Finnern mit 90,6 Prozent ins Amt. Die 52-Jährige übte scharfe Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung.

Für Millionen Schüler*innen und Lehrer*innen bedeutete die Corona-Pandemie monatelanges digitales Homeschooling. Und auch der dreitägige Gewerkschaftstag der größten deutschen Bildungsgewerkschaft findet Corona bedingt erstmals digital statt. Am Donnerstag haben die mehr als 400 Delegierten die Bielefelder Lehrerin Maike Finnern zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die 52-Jährige erhielt 90,6 Prozent der Stimmen.

Finnern ist seit Mai 2019 Vorsitzende der GEW in Nordrhein-Westfalen. Sie folgt auf Marlis Tepe, die aus Altersgründen nicht erneut als Vorsitzende kandidiert hatte. Der Vorsitz der GEW, der viergrößten Gewerkschaft im DGB, wird für vier Jahre gewählt.

Finnern kritisiert „Politik der Abgrenzung“

„Gute Bildung erschöpft sich nicht darin, dass Regierungen Bildungsgerechtigkeit zum Grundsatz ihrer Politik erklären“, kritisierte Finnern. Von der künftigen Bundesregierung, erwarte sie deshalb „dass sie dieses Motto mit Leben füllen“. Die große Koalition kritisierte Finnern scharf für ihre Bildungspolitik während der Corona-Pandemie.

„Es ist erschreckend und entlarvend, dass Regierungen Bildungsgerechtigkeit proklamieren, zugleich aber eine Politik der Abgrenzung verfolgen.“ Corona habe „die Missstände und Versäumnisse der letzten Jahrzehnte für alle sichtbar gemacht“. Niemand könne weiter die Augen vor den notwendigen Veränderungen verschließen.

Mehr Geld für die Bildung

Welche das sind, ist für die neue GEW-Vorsitzende klar: Es brauche Kita-Plätze für alle, eine bessere Bezahlung von Erzieher*innen und eine verlässliche Bafög-Finanzierung während des Studiums. „Egal, wer in diesem Jahr die neue Bundesregierung stellt: Die Reform des BAföG muss ganz oben auf der Agenda stehen“, forderte Maike Finnern.

Auch müsse dem Staat Bildung mehr wert sein: Als „beschämend“ bezeichnete Finnern in diesem Zusammenhang, dass für Nothilfen für Kitas, Schulen, Ausbildung und Hochschulen, inklusive des Nachholpakets in der Corona-Krise insgesamt 7,5 Milliarden Euro ausgegeben wurden, während die Lufthansa eine Unterstützung von neun Milliarden Euro erhielt.

„Das reiche Land Deutschland, das für sich gute Bildung in Anspruch nimmt, gibt viel zu wenig dafür aus“, kritisierte Finnern. Nach der Krise müsse daher mehr in Bildung investiert werden. „Mit Schuldenbremse und schwarzer Null kommen wir nicht weiter.“ Auch müsse das Kooperationsverbot endgültig fallen, damit sich Bund und Länder als „Verantwortungsgemeinschaft“ begreifen könnten.

Klarer Auftrag gegen rechts

Zum Schluss wies die neue GEW-Vorsitzende noch auf den „politischen Auftrag“ ihrer Gewerkschaft hin, „der über Bildung hinausgeht“. Die GEW verstehe sich „ausdrücklich als antifaschistische Organisation und Stimme“. Das Engagement gegen rechts sei gerade in und nach der Corona-Pandemie wichtig wie lange nicht. „In der Krise ist deutlich geworden, wie gefährlich die Politik der Rechtspopulist*innen ist“, so Finnern. „Wir sind aktiv gegen rechts!“

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