Dorle Gelbhaar: Anders und die Duisburger Mafia

Die Machenschaften der Mafia

Edda Neumann23. Januar 2010

Der Duisburger Hauptkommissar Andreas Op de Hipt hat schon viele knifflige Mordfälle bearbeitet. Doch nun bekommt er es mit einem Fall zu tun, der ihn an seine Grenzen bringt. Das Mordopfer
wurde nicht nur mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet sondern - was keinen Sinn ergibt- zuvor auf grausame Art massakriert. Überdies muss der eigensinnige Op de Hipt dieses Mal mit Helge
Breidenbroich, einem neuen, noch recht unbedarften Kollegen, zusammenarbeiten. Zwischen beiden herrschen von Anfang an Spannungen, die das Ermitteln nicht erleichtern. Trotz aller
Anlaufschwierigkeiten kommen die Ermittler vom Niederrhein zahlreichen kriminellen Vorgängen auf die Spur.

Rätselhaft und ungelöst

In Berlin beschäftigt sich Ermittler Jürgen Anders unterdessen mit einem ganz anderen Mordfall. Dort wurde eine junge Frau tot im Tiergarten aufgefunden. Bei seinen Recherchen stößt er auf
Ungereimtheiten, die ihn in Richtung des Duisburger Falles lenken. Als Op de Hipt schließlich Kontakt zu seinem Kollegen Anders in Berlin aufnimmt, überschlagen sich die Ereignisse. In diesen
Wirrwarr gerät eine junge Polizisten, Maria Fina Sybillek, mit dem Spitznamen "Mafia". Obwohl sie auf den ersten Blick nichts mit dem Fall zu tun haben scheint, stoßen die Ermittler ständig wie
zufällig auf ihren Namen. Wie passt sie in das Geschehen? Und ist ihr Spitzname womöglich doch nicht Schall und Rauch?

Kaltblütig und unsichtbar

Die Krimihandlung orientiert sich thematisch an den Duisburger Mafia-Morden aus dem Jahr 2007. Damals wurden sechs Männer italienischer Herkunft auf der Straße erschossen. Verantwortlich für
das Verbrechen war die 'Ndrangheta', die Mafia Kalabriens. Diese Mafia-Organisation treibt seit den 70er Jahren ihr kriminelles Unwesen in Deutschland. Jedoch wurde sie - anders als die
sizilianische Mafia oder die neapolitanische Camorra - bis zu den Morden von Duisburg nie einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Nach Ermittlungen der Polizei liegt das Zentrum der 'Ndrangheta im
kalabrischen Dorf San Luca. Dort leben 40 Mafiafamilien, die miteinander verwandt, verschwägert und einander nicht immer wohlgesonnen sind. Doch die Familienbande bieten enormen Schutz vor
Verrat. Sie sorgen dafür, dass einzelne Familienmitglieder nicht gegen das Gesetz der Verschwiegenheit gegenüber Polizei und Staatsanwaltschaft verstoßen.


Mit dieser Anbindung an die Realität gelingt Dorle Gelbhaar eine überaus authentische Kriminalgeschichte. Der Autorin sind die Ermittlungstechniken der Kriminalpolizei genauso geläufig wie
die Methoden der Mafia. Und sie besitzt Menschenkenntnis. Von all dem zeugen ihre spritzigen Dialoge und die spannungsgeladenen Handlungsstränge. Wer mit dem Lesen des Krimis angefangen hat,
möchte erst aufhören, wenn die Fälle gelöst sind.

Dorle Gelbhaar: Anders und die Duisburger Mafia, Leporello Verlag 2009, 256 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3936783339


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