SPD-Kulturempfang

Kultur ist der Schlüssel zur Verständigung

Birgit Güll17. November 2015
Kindertanzcompany
Die Kindertanzcompany Sasha Waltz & Guests eröffnete den Kulturempfang der SPD.
Kultur und Politik sind eng miteiander verbunden. Wie eng, das zeigte der SPD-Kulturempfang am Montagabend in Berlin. Kultur ist ein Schlüssel zur Verständigung lautete die Botschaft drei Tage nach den Anschlägen von Paris.

Die Terroranschläge von Paris wirken auch drei Tage später noch nach. Das ist am Montagabend in der „Galerie Box Freiraum“, einem ehemaliger Pferdestall, in Berlin-Friedrichshain zu spüren, in dem heute Kunst zu sehen ist. Kulturschaffende und Politik sind in hier zusammengekommen zum Kulturempfang der SPD. Auf der kleinen Bühne hat die Kindertanzcompany von Sasha Waltz den Abend eröffnet. Und damit einen Reigen – Musik, Tanz, Reden, Gespräche folgen aufeinander. Eine Glocke läutet jeden Wechsel ein. Es ist die Glocke, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs jeden Parteitag der SPD einläutet.

„Nach Paris ist nicht alles anders“, sagt SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel am Montagabend. „Nach Paris darf nichts anders sein“, sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Das ist die Antwort auf Markus Söders (CSU) Versuch, die Terroranschläge von Paris mit der europäischen Flüchtlingsdebatte zu verquicken. Die Flüchtlinge nicht als Opfer zu sehen, sondern sie unter Generalverdacht zu stellen. Sigmar Gabriel sagt: „Vor die, die zu uns kommen, müssen wir uns genauso schützend stellen wie vor die, die schon lange hier sind.“ Freie Gesellschaften seien verletzbar, sagt er: „Aber sie sind stärker.“

„Kultur kennt keine Grenzen“

Ein Jahrzehnt der Integration liege vor uns, sagt Thorsten Schäfer-Gümbel. Der neue Vorsitzende des Kulturforums der Sozialdemokratie verweist auf die zentrale Rolle, die Kultur dabei spielen werde. „Sprache ist der Schlüssel zur Verständigung. Kultur ist der Schlüssel zu Verständnis“, sagt er. Wolfgang Thierse erinnert daran, dass es die guten Phasen der deutschen Geschichte gewesen seien, in denen wir Einflüsse von außen aufgenommen haben. Die schlechten waren gekennzeichnet von Abschottung und Ausgrenzung.

Die Präsidentin der Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel, kann dem Wort Integration wenig abgewinnen. „Integration in was?“, frag sie. Sie ruft dazu auf, von anderen, die zu uns kommen, zu lernen. „Was sie uns bringen, sollte uns interessieren.“ Die Journalistin Hatice Akyün sieht das ähnlich. Sie wirbt dafür, nicht nach der Herkunft von Menschen zu fragen, sondern zu hören, was sie zu erzählen haben. „Kultur kennt keine Grenzen“, sagt sie.

Und Wolfgang Thierse, der an diesem Abend für sein jahrzehntelanges kulturpolitisches Engagement gewürdigt wird, plädiert für mehr kulturelles Selbstvertrauen. Das vermisse er in der Debatte um Integration und Zuwanderung. Wir hätten allen die kommen einen großen kulturellen Reichtum anzubieten, sagt er. Und ergänzt mit Hölderlin: „Das Eigene muss so gut gelernt sein, wie das Fremde.“ Er sagt es zum Abschied, der kein endgültiger ist. Sigmar Gabriel formuliert es so: „Dein kulturpolitisches und Dein politisches Wort werden weiterhin gehört.“

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Kommentare

Integration?

Ich habe stets ein Problem mit dem Begriff Integration.
Wir sind eigentlich längst dabei von kultureller und sozialer Inklusion zu sprechen.
Hier in diesem Artikel geht es in meinen Augen um Wege zur integrierenden Inklusion.
Ich sehe die Kulturen auch als geistigen Nährboden, um mit inklusiven Prozessen, unter anderem mit gemeinsamer Sprache, die maximal mögliche Vielfalt als Ziel zu erreichen.
Auch das ist Bildung.