„Lieber Vitali...“

Krieg in der Ukraine: Wie Leipzig die Freundschaft zu Kiew hochhält

Carl-Friedrich Höck25. Februar 2022
Oberbürgermeister Burkhard Jung in Leipzig sichert seinem Amtskollegen Vitali Klitschko in Kiew Solidarität und Unterstützung zu.
Oberbürgermeister Burkhard Jung in Leipzig sichert seinem Amtskollegen Vitali Klitschko in Kiew Solidarität und Unterstützung zu.
Kiew und Leipzig sind seit Jahrzehnten Partner – daran erinnert Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mit einem Video an seinen Kollegen Vitali Klitschko. Nach Putins Angriff auf die Ukraine erinnert er an das Herzstück dieser Verbindung.

Das Video wurde am Donnerstag, dem 24. Februar, auf den Social-Media-Kanälen der Stadtverwaltung Leipzig veröffentlicht. Wir dokumentieren die Ansprache im Wortlaut.

„Lieber Kollege Klitschko, lieber Vitali,
liebe Freundinnen und Freunde in Kiew,

In diesen für euch schweren Stunden möchte ich euch zurufen: Wir stehen an eurer Seite. Leipzig und Kiew sind bereits seit 60 Jahren enge Partner und Freunde. Damit ist Kiew die älteste Partnerstadt Leipzigs. Uns verbinden nicht nur die vielfältigen gemeinsamen Projekte der wirtschaftlichen, kulturellen, bildungs- und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Auch die Ereignisse 2014 auf dem Maidan, die ukrainische Revolutionsgeschichte und die friedliche Revolution ´89 hier in Leipzig sind unsere gemeinsamen demokratischen Gedanken. Sie verbinden unsere Städte. Die Initiative von Menschen, die mit gewaltlosem Widerstand für eine demokratische Wandlung warben, haben in beiden Städten ihre Wirksamkeit bewiesen.

Aus dieser außergewöhnlichen Verbundenheit und Freundschaft ergibt sich auch eine besondere Verantwortung füreinander. Ich bin stolz auf die anhaltende und bereichernde Zusammenarbeit unserer Städte, die ohne unsere Bürgerinnen und Bürger nicht möglich wäre. Sie sind das Herzstück dieser Partnerschaft.

Als Oberbürgermeister Leipzigs möchte ich hiermit dieses gemeinsame Band und den Zusammenhalt über Ländergrenzen hinweg betonen und gleichzeitig auch meine tiefe Betroffenheit angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs auf die ukrainischen Grenzen durch Russland zum Ausdruck bringen. Die Not und die Ängste unserer Freundinnen und Freunde in Kiew lassen uns nicht unberührt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse möchte ich nicht nur die Solidarität, sondern auch den Willen der Stadt Leipzig ausdrücken, die vielfältige und lebendige Partnerschaft mit Kiew weiter zu intensivieren und unsere Partnerstadt mit unseren Möglichkeiten zu unterstützen. Was können wir darüber hinaus ganz praktisch tun? Bitte melde dich, lieber Vitali! Ich wünsche dir und den Kiewer Bürgerinnen und Bürgern Kraft, Mut und Zuversicht in diesen sehr bedrückenden Zeiten.”

Noch am Donnerstag haben die Leipziger Stadtratsfraktionen und das Jugendparlament eine Resolution veröffentlicht. Darin heißt es: „Nach dem gnadenlosen und völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine erklären wir unsere ganze Solidarität mit der Ukraine und unserer ältesten Partnerstadt, der ukrainischen Hauptstadt Kiew.” Gleichzeitig wird betont, dass russischstämmige Menschen nicht in Generalverantwortung für die aggressive Politik des russischen Staates genommen werden dürften. Die Resolution ist auf der Internetseite der Stadt Leipzig nachzulesen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei demo-online.

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