ASF Erle Süd gratuliert Martha Fiebig

Im Kopf bin ich immer noch 18.

Die Redaktion31. Mai 2010

Martha Maria erblickte am 18. Mai 1910 in Gelsenkirchen Erle als zweite Tochter von Adam und Maria Krecht das Licht der Welt. Nach der Volksschule nahm sie eine Stellung als Kindermädchen bei
der alteingesessenen Familie Getränke Tratnik ein. Beim Heuen 1933 lernte sie ihren zukünftigen Ehemann Felix Fiebig kennen und lieben. Ein Jahr später wurden die beiden getraut. Das Ehepaar
wünschte sich drei Kinder: Bereits im August wurde die älteste Tochter Ingrid Katharina, im darauf folgenden Jahr Fred Felix und drei Jahre später Helga Klara geboren.

Kriegszeiten

Die gemeinsame Wohnung in Scholven fiel den Bomben in den 40ern zum Opfer. "Mein neuer Kachelofen hing in der Luft, als ich nach Hause kam", erzählt Martha. In Anbetracht dieser ausweglosen
Situation wollte sie neue Möbel im Rathaus Buer beantragen. Sie entging nur knapp einem Arrest, da sie "vergessen" hatte, mit "Heil Hitler" zu grüßen. Glücklicherweise entließ man sie schnell
wieder, da keiner für die drei Kinder sorgen konnte.

Ihr Ehemann blieb von der großen Militäroffensive aufgrund seines Heimurlaubs verschont. Für ihn ging es "ohne Schuss, ab in die amerikanische Gefangenschaft," erzählt sie. Gleich nach der
Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, beginnt er, eigentlich Kaminbauer, in der Zeche Graf Bismarck zu arbeiten.

Familienglück

In den 50ern hatte es die Familie zu kleinerem Wohlstand gebracht: mit einem "eigenen" kleinen Zechhaus, inklusive Garten und einem Schwein in der Erler Forsthaussiedlung.

Noch heute sind die legendären Feste in der "Hermannstraße" Gesprächsstoff. "...und Matta ihr Kartoffelsalat ist einzigartig, weisse", lobte man die Marthas Gastlichkeit. In den 60ern
freute sich die Familie über weiteren Zuwachs. Drei Enkelinnen wurden geboren.

Engagement

Die Zeche Graf Bismarck wurde Mitte der 60er unter großen Protesten der Bevölkerung stillgelegt. Die schwarzen Fahnen über der Ruhr läuteten den Vorruhestand ein. An Ruhe war jedoch nicht
zu denken. Martha widmete sich ausgiebig ihren Enkelkindern und engagierte sich im Evangelischen Arbeiterverein. Auch gründete sie gemeinsam mit anderen den Kegelclub "Lahme Ente". Die Treffen
der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) wurden ebenso feste wöchentliche Termine in ihrem Kalender. Die Vorsitzende vom ASF Erle Süd Irmgard Dupont ließ es sich daher nicht
nehmen, ihrer Genossin zu ihrem 100. Geburtstag persönlich zu gratulieren und sie gleichzeitig für 25 Jahre Parteitreue zu ehren.

Martha lebt heute im Pflegeheim Haunerfeld, wo sie ihrem Naturell entsprechend schnell neue Freundschaften fand, und für Ordnung sorgt: "wenn der Staiger sagt,...".

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