Interview mit Thilo Waasem

Kommunalblogs: "Größtmögliche Transparenz"

Jörg Reschke21. Mai 2010

vorwaerts.de: Wann und warum hast Du mit dem Bloggen begonnen?

Waasem: Angefangen mit dem Bloggen habe ich Mitte 2008. Am Anfang hatte das mehr was von "Ausprobieren" und teilweise "therapeutischem Schreiben". Die klassischen Medien haben mir zu
oberflächlich berichtet und Presseberichte nicht oder nur stark verkürzt gebracht.

So habe ich ein Medium gesucht, in dem ich meine Sicht der Dinge darstellen und das aktuelle Geschehen detaillierter beschreiben kann. Ein Blog bietet dazu das ideale Format. Da kann ich mir
auch schon mal den Frust von der Seele schreiben.

Welche Reaktionen hast Du erfahren?

Also ehrlich gesagt, hat es am Anfang wenig bis keine Rückmeldungen gegeben.

Im letzten Jahr hat sich das allerdings verändert. Die Aufmerksamkeit ist deutlich angestiegen, allerdings immer noch auf kleinem Niveau, da es ja auch nur eine kleine Zielgruppe betrifft.
Wahrscheinlich war der Dauerwahlkampf in 2009 dafür verantwortlich. Insbesondere vor der Kommunalwahl hat es eine deutliche Zunahme gegeben.

Der Trend hat sich allerdings auch nach der Wahl bestätigt. Insbesondere im Zusammenhang mit einer Kindergarten-Thematik in meinem Ort sind die Zahlen wieder nach oben geschnellt. Nachdem
anfangs vor allem die politische Konkurrenz meinen Blog gelesen hat, ist nun das Spektrum deutlich breiter. Gerade Betroffene und Akteure aus dem Kinder-, Jugend- und Sozialbereich gucken öfter
vorbei.

Haben Bürgerinnen und Bürger aus Deinem Wahlkreis kommentiert?

Reaktionen gibt es nicht in Form von Kommentaren, die stellen sich nur ein, wenn ich über Landes- oder Bundesthemen schreibe. Die Leute wenden sich meistens per Mail an mich. Selten ruft mal
jemand aufgrund meines Blogs an.

Aber die Kontaktaufnahmen per Mail haben deutlich zugenommen. Da geht es überwiegend um persönliche Betroffenheit bei bestimmten Themen oder akuten Problemen, bei denen meine Hilfe erbeten
wird.

Es sind Eltern, die für ihr U3-Kind keinen Betreuungsplatz bekommen, ein Vater, der Probleme mit dem Schülertransport seines Sohnes hat oder ein Anwohner bei dem die Gehwegplatten von der
Haustür kaputt sind.

Seltener geht es mal um überregionale Probleme, bei denen ich dann Gespräche oder nur den Kontakt zu MdLs oder MdBs vermittle.

Was bringt es Dir Deine Stellungnahmen und Berichte im Blog zu veröffentlichen?

Es geht mir um größtmögliche Transparenz von politischen Entscheidungen. Jeder soll, wenn er Interesse hat, das aktuelle Geschehen nachvollziehen können. Die lokalen Zeitungen berichten über
Kommunalpolitik nur sehr oberflächlich.

Alles in allem macht es mir Freude, meine Sichtweise und auch meine Arbeit auf diesem Wege ins Netz zu stellen. Und ich nehme ein wachsendes Interesse an der Form der Berichterstattung und des
Services war. Dadurch erreiche ich Menschen, die ich auf den herkömmlichen Wegen bisher nicht erreicht habe.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich sowohl in technischer Hinsicht, als auch im Hinblick auf das Schreiben, ein absoluter Laie bin.

Wie viel Zeitaufwand bereit Dir das Blog und kannst Du es anderen Kommunalpolitikern weiterempfehlen?

Ob ich bloggen empfehlen kann? - Auf jeden Fall! Allerdings macht es nur Sinn, wenn man auch regelmäßig schreibt und den Leuten einen Informations-Mehrwert bietet, sie müssen auf meiner Seite
Informationen kriegen, die sie sonst nicht bekommen.

Ich versuche mindestens einen Beitrag pro Woche zu schreiben. In Wahlkampfzeiten und bei besonderen aktuellen Themen werden es natürlich mehr. Der Aufwand pro dauert jeweils höchstens eine
Stunde. Die Administration braucht sehr wenig Zeit, wenn die Seite einmal eingerichtet ist. Ich nutze mit Wordpress ein kostenloses Angebot, was dazu noch super benutzerfreundlich ist. Lediglich
für die Domain
www.thilo-waasem.de fallen Kosten in Höhe von 6 Euro pro Jahr an.

Am 15. und 16. Juni 2010 findet in Mannheim das erste
Kommunalcamp statt, wo Themen wie eGovernment und kommunale Bürgerpartizipation diskutiert werden. Wer mitmachen will, kann sich noch
anmelden.