Weltklimakonferenz

Klimaschutz: Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten

Anna Bäuerle13. November 2017
Wie lässt sich der Erhalt von Arbeitsplätzen mit Klimaschutz verbinden? Auch diese Frage beschäftigt Akteure der COP 23.
Sind Klimaschutz und der Erhalt von Arbeitsplätzen ein Widerspruch? Nein, sagen die Gewerkschaften der G7-Staaten. So sieht ihre Strategie aus, die eine saubere Zukunft und gute Arbeit für alle garantiert.

In Bonn versammelt sich die Welt, um Klimaschutz zu verhandeln – in der Debatte geht jedoch unter, dass über einen tiefgreifenden Strukturwandel verhandelt wird, der vielen Menschen Sorgen bereitet. Gerade in der Region rund um den Veranstaltungsort der 23. UN-Klimakonferenz 2017 (COP 23) sieht man das gut: Nicht einmal 50 Kilometer vom Konferenzzentrum entfernt liegen Kohletagebauten, hier haben ganze Dörfer ökonomische Nachteile durch Klimaschutzmaßnahmen erlebt.

Nicht zwischen Arbeitsplätzen und Umweltschutz entscheiden

Über ihre entscheidende Rolle beim gerechten Übergang in ein nachhaltiges Wirtschaftssystem diskutierten in der vergangene Woche Vertreter der Gewerkschaften der G7-Länder. Ihr Ziel: Sie wollen nicht zwischen Arbeitsplätzen und Umweltschutz entscheiden, sondern einen gerechten Strukturwandel „Just Transition“ gestalten, ohne dass die Beschäftigten einen hohen Preis dafür zahlen müssen. Wenn Gesellschaften ihre Produktionslinien nachhaltiger und klimafreundlicher gestalten wollen, müssten eine Reihe von sozialen Anpassungen vorgenommen werden, um Arbeitsplätze und Wohlstand von Arbeitnehmern zu schützen, erklärte Stefan Körzell, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des DGB.

Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB), sieht insbesondere „die nationalen Regierungen in der Pflicht, langfristiger zu planen, wie die sozialen Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf ein Minimum reduziert werden können“. Internationale Lösungen seien wichtig, aber nur bedingt hilfreich, da die Wirtschaftssysteme der Staaten der Welt zu unterschiedlich seien. Wenn die Bevölkerung bei solch tiefgreifenden Strukturänderungen nicht mitgenommen werde, kann dies zu Ablehnung führen. Der Brexit und die Wahl Donald Trumps in den USA seien nur zwei Beispiele für Gegenbewegungen, die entstehen, wenn sich ganze Bevölkerungsteile abgehängt fühlten.

Keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten

Im 21. Jahrhundert würden Staaten an ihrer Fähigkeit gemessen, Emissionen einzusparen, betonte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Gerade deswegen müsse dies aber von den Ländern forciert werden, um eine für alle Menschen gerechte Entwicklung zu garantieren. Unter dem Motto „Es gibt keine Arbeitsplätze auf einem toten Planeten“ ruft die internationale Gewerkschaftsbewegung deshalb die politischen Führer der Welt auf, das Thema Klimaschutz mit Ehrgeiz anzugehen.

Wichtigste Maßnahmen dabei: das Schaffen neuer Arbeitsplätze mit Hilfe von Investitionen in nachhaltige Produktion und Energieerzeugung. Ein sozialer Dialog soll helfen, die Sorgen und Probleme der Arbeitnehmer zu identifizieren und wahrzunehmen. Die Bevölkerung muss ernstgenommen und an der Planung von Klimaschutzmaßnahmen beteiligt werden. Kommunen, die stark vom Wandel betroffen sind, sollen unterstützt werden.

Vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum

Dass die Veränderung vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum gelingen kann, hätten viele Städte im Ruhrgebiet bereits bewiesen. In diesem Prozess seien die Gewerkschaften ebenso gefragt, neue Ideen zu entwickeln, wie Arbeitgeber, neue Innovationen zu unterstützen. Gleichzeitig liegt es an der Regierung, die entsprechenden Rahmenbedingungen für einen gerechten Wandel zu gestalten.

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