Starke ostdeutsche Stimme

Warum Klara Geywitz stellvertretende Parteivorsitzende werden soll

Benedikt Dittrich03. Dezember 2019
Klara Geywitz will auf dem Bundesparteitagals stellvertretende Parteivorsitzende kandidieren.
Klara Geywitz will auf dem Bundesparteitagals stellvertretende Parteivorsitzende kandidieren.
Bei der Mitgliederbefragung zum SPD-Parteivorstand soll es keine Verlierer geben. Das wurde in den vergangenen Monaten immer wieder betont, jetzt folgen Taten: Die Zweitplatzierte Klara Geywitz will stellvertretende Parteivorsitzende werden – mit viel Rückenwind aus Ostdeutschland.

Manuela Schwesig, Martin Dulig und laut Aussage von Klara Geywitz auch Dietmar Woidke – die Unterstützung aus Ostdeutschland für die Potsdamerin ist groß. Nur wenige Tage, nachdem das Ergebnis der Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz der SPD bekannt gegeben wurde, verkündete Klara Geywitz, dass sie als Vize das Vorsitzenden-Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterstützen wolle. Das neue Vorsitzenden-Duo soll auf dem Bundesparteitag gewählt werden, ebenso wie deren Stellvertreter.

„Damit möchte ich meinen Beitrag leisten, um die Partei wieder zu einen“, erklärte sie am Montag in der Rheinischen Post. Damit greift die Brandenburgerin auf, was sie und ihr Mitstreiter Olaf Scholz schon am Samstagabend angekündigt hatten, als sie gemeinsam auf der Bühne im Willy-Brandt-Haus standen und Esken und Borjans gratulierten: Die Partei versöhnen, als Sozialdemokraten zusammenstehen, gemeinsam die SPD wieder stark machen. Als Vizevorsitzende wolle sie sich außerdem für die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzen, bekräftigte die 43-Jährige.

Stimme für den Osten in neuer SPD-Spitze

Rückhalt bekommt Geywitz dabei von ostdeutschen SPD-Schwergewichten. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, bedaurt es zwar sehr, dass sie sich aufgrund ihrer Krebserkrankung aus dem Parteivorstand zurückziehen musste. „Insbesondere auf die Probleme in der Fläche müssen wir Antworten geben“, erklärte Schwesig eine der großen Herausforderungen, die es in den neuen Bundesländern gebe. In Klara Geywitz sieht sie nach eigener Erklärung eine gute Vertretung für Ostdeutschland. „Sie ist klug und erfahren und kennt die Probleme vor Ort sehr gut, auch unsere Partei“, lobt Schwesig die Genossin. „Ich bin sicher, dass sie eine echte Verstärkung für die Parteispitze sein wird.“

Der Rückenwind für die Kandidatur kommt laut Schwesig nach Rücksprache aus allen ostdeutschen SPD-Landesverbänden. Auch Martin Dulig, Landesvorsitzender der sächsischen SPD und Ostbeauftragter des Parteivorstands, hatte sich am Montagabend dazu geäußert: „Nach der Mitgliederbefragung ist klar, dass die ostdeutsche SPD in der Parteispitze stärker vertreten sein muss.“ Schwesig und Dulig betonen unisono, dass der Osten eine starke Stimme in der Spitze der SPD brauche – und dass Klara Geywitz diese Funktion gut ausfüllen könne.

Vom Parteitag erwarte Dulig ein Zeichen der Geschlossenheit und Solidarität mit dem Osten: „Es geht jetzt um einen ehrlichen Ausgleich verschiedener Positionen. Die Partei muss jetzt zusammenstehen.“ Dafür sei Klara Geywitz die Richtige. „Ich sehe in ihrer Kandidatur eine große Chance.“

Mögliche Mitbewerber: Hubertus Heil und Kevin Kühnert

Auf dem Bundesparteitag, der am Freitag, 6. Dezember beginnt, wird die Parteispitze neu gewählt. Als Parteivorsitzende werden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans vom aktuellen Vorstand vorgeschlagen, entsprechend dem Ergebnis der Mitgliederbefragung. Eine Zustimmung der Delegierten gilt als sicher. Neben Klara Geywitz, die ihre Kandidatur am Montag verkündete, erklärte auch SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil am Wochenende seine Kandidatur als Parteivize. Inzwischen erklärte auch Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert, dass er ebenfalls als Stellvertreter für Esken und Walter-Borjans kandidieren will.

Gegenwärtig besteht der Vorstand der SPD aus der Parteispitze, die acht Mitglieder umfasst, und 34 weiteren Mitgliedern – also insgesamt 43 Personen. Das Gremium soll ohnehin verkleinert werden, es soll auch weniger Stellvertreter als bisher geben.

Die derzeitige kommissarische Parteivorsitzende Malu Dreyer hatte am Montag angekündigt, sie werde sich aus der SPD-Führungs zurückziehen und sich wieder ausschließlich ihrem Amt als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz widmen. Thorsten Schäfer-Gümbel, der im Juni zusammen mit Schwesig und Dreyer die Partei kommissarisch geführt hatte, war schon im Oktober aus der Spitze ausgeschieden.

 

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Kommentare

Basisvotum ?

Das zählt wohl nicht ?
Jetzt pochen sie wieder auf den altbewährten Proporz, mit dem auch ich mich früher in die Irre leiten ließ.
Die SPD braucht eben nicht nur NEUE Vorsitzende, sondern einen komplet erneuerten Vorstand, zusätzlich zu einer Programmatik die sich sozialdemokratischen nennen kann. Selbst wenn Frau Geywitz bei den Ostfunktionären etwas Unterstützung erfährt - es geht um Die Partei und nicht um das Wohlbefinden irgendwelcher Funktionäre !

Warum?

Warum will Klara Geywitz stellvertretende Parteivorsitzende werden???
Weil sie für die Gleichstellung von Mann und Frau ist? Wie mindestens 400.000 Genossinnen und Genossen auch, von denen mindestens 399.999 noch weitere Gründe anführen könnten?

Noch andere Bewerber für den neuen Parteivorstand sollten sich Albert Einsteins Definition von Wahnsinn zu Gemüte führen: Eine Krise mit den Mitteln bekämpfen zu wollen, die sie herbeigeführt haben.
Vielleicht erkennen sie dann, dass sie sich der Rettung, also der inhaltlichen und personellen Erneuerung unserer Partei besser nicht in den Weg stellen sollten. Das wäre solidarisch.
Wie die Anhänger unserer Partei das sehen, ist bei Spiegel online nachzulesen. Lest, versteht, seid solidarisch, geht in den politischen Ruhestand. Bitte!!

es geht immer auch

um Versorgungssicherheit, dass ist bei Berufspolitikern nicht anders als bei den vom Stellenabbau bei AUDI - um nur ein Beispiel zu nehmen- nicht anders .

Die Partei als Versorgungsanstalt- so in diesem Sinne, aber gleichwohl- ich habe weiterhin noch Hoffnung auf eine Wende zum besseren

Keine schlüssige Logik !

Natürlich sollte nichts dagegen sprechen, dass sich Klara Geywitz als stellvertretende Parteivorsitzende bewirbt, allerdings gibt es auch keine schlüssige Logik das sie dort unentbehrlich ist !
Bedenken wir den enormen Amtsvorteil bei der Bewerbung vom Team Scholz/Geywitz bei der Vorsiitzendenwahl und das, so gesehen, mehr als deutliche Ergebnis zugunsten einer deutlich erkennbaren Richtungseuntscheidung hin zum Team Borjans/Esken (das für dringend erforderliche Investitionen und für konsistente Nachhaltigkeits- und Friedenspolitik abseits von Wachstums- und Konzernlobbyinteressen steht),
so sehen wir auch, dass es nicht zwingend derer Bedarf die klar für neoliberalen Kuschelkurs mit der CDU eintreten und sich im Vergleich zu den Anforderungen die eine wirtschaftliche, gesellschaftliche Wendezeit bedarf, ambitionslos (mit Ausnahme der Rettung der eigenen Karrierepläne) mit der Erfüllung eines blutleeren Koalitionsvertrages zufrieden geben !!!
An den Stellvetreterposten muss Kevin Kühnert, der als Person glaubhaft die junge Generation und die Interessenslage der kommenden Generationen vertritt und der für die SPD die junge, betrogene Generation wieder in´s Boot holt !!!