Bildungsforschung

Warum Kita-Erzieher*innen sich mehr Weiterbildung wünschen

Carl-Friedrich Höck20. Oktober 2022
Kita
Frühkindliche Bildung kann den weiteren Lebensweg entscheidend prägen, sagt Bildungsforscher Andreas Schleicher.
Frühkindliche Bildung kann den weiteren Lebensweg entscheidend prägen. Doch was, wenn die Rahmenbedingungen in Kitas nicht genügen, um Kinder gut auf die Zukunft vorzubereiten? Davon ist laut Umfrage jede zweite pädagogische Fachkraft überzeugt.

Der Bildungsforscher Andreas Schleicher ist bekannt als „Mister Pisa“, weil er die Pisa-Studien der OECD international koordiniert. Er ist überzeugt, dass frühkindliche Bildung den weiteren Lebensweg entscheidend prägen kann. „Wenn Sie aus einem ungünstigen sozialen Umfeld kommen, ist die Kita oft die einzige Chance, die Weichen richtig zu stellen“, sagte er bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Dort wurden die Ergebnisse einer Umfrage der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ vorgestellt. Hierfür wurden mehr als 500 pädagogische Fachkräfte in Kitas und Horten danach befragt, welche Kompetenzen Kinder für die Zukunft brauchen.

Kritik an Rahmenbedingungen

90 Prozent von ihnen stimmen der Aussage zu, dass pädagogische Fachkräfte deutlich mehr Weiterbildung benötigen. Exakt die Hälfte der Befragten gab an, die jetzigen Rahmenbedingungen seien nach ihrer Meinung nicht geeignet, um Kinder ausreichend für die Zukunft vorzubereiten. Und dass die „Bildung von heute“ hierfür nicht ausreiche, meinen immerhin 48 Prozent.

Fast alle Fachkräfte wollen den Kindern ein respektvolles Miteinander vermitteln. Sogar 100 Prozent bestätigten die Aussage: „Es hat für mich einen hohen Stellenwert, Kinder in der Entwicklung von Mitgefühl und Empathie zu unterstützen.“

Kinder sollen die Selbstwirksamkeit erlernen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat einen „Lernkompass 2030“ entwickelt, der wichtige Zukunftskompetenzen definiert. Diese sind bei den Kita- und Hort-Fachkräften allerdings wenig bekannt. Nur 30 Prozent wissen oder glauben laut der Umfrage, von den OECD-Kompetenzen schon einmal gehört zu haben. Im Kita-Alltag spielen diese trotzdem eine wichtige Rolle. Im Zentrum des OECD-Kompasses stehe das Konzept der Selbstwirksamkeit, erklärte Schleicher. Die Kinder sollen begreifen, dass ihr Handeln Einfluss auf andere und die Umwelt hat und merken, dass sie etwas bewirken können. Die befragten Fachkräfte gaben überwiegend an, dass dies in den Kitas und Horten bereits vermittelt werde.

Die Frage, wie die pädagogischen Rahmenbedingungen in den Kitas verbessert werden könnten, wurde in der Umfrage nicht vertieft. Man habe jedoch dazu Erfahrungswerte, sagte Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Fritz verwies auf viele unbesetzte Stellen in Kitas und einen hohen Krankenstand. Es sei nötig, das Personal in den Kitas auszubauen. Das könnten auch fachfremde Personen sein, die sich um haushalterische Aufgaben oder Verwaltungsarbeiten kümmern und so die pädagogischen Fachkräfte zeitlich entlasten. Auch digitale Medien könnten die Arbeit erleichtern – etwa die Kommunikation mit Eltern, Verwaltungs- und Dokumentationstätigkeiten. „Wenn wir auf die Kitas in Deutschland schauen, dann sind sie digital zum Teil noch sehr schlecht ausgestattet“, meint Fritz.

Dieser Text erschien zuerst unter www.demo-online.de

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