OECD-Bericht

Keine Chancengleichheit an deutschen Schulen

Katharina Korn23. Oktober 2018
Soziale Mobilität bleibt in Deutschland schwierig.
Soziale Mobilität bleibt in Deutschland schwierig.
Der akademische Abschluss der Eltern übt in Deutschland einen überdurchschnittlich hohen Einfluss auf den schulischen Erfolg der Kinder aus. Das belegt der aktuelle OECD-Bericht zur Chancengleichheit in der Bildung.

Am Dienstag veröffentliche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den neuesten Bericht zur „Chancengleichheit in der Bildung – Abbau von Hindernissen für soziale Mobilität“. Die Auswertung des Programms zur internationalen Schülerbewertung (PISA) von 2015 belegt, dass Deutschland bei der Chancengleichheit im internationalen Vergleich schlecht abschneidet.

Bildungsunterschied von dreieinhalb Schuljahren

Die soziale Schere hat sich in Deutschland etwas geschlossen. In allen drei getesteten Bereichen – Naturwissenschaftliche Grundbildung (in den Bereichen Physik, Chemie, Biologie und Geowissenschaften), Mathematik und Leseleistung – ist der Einfluss der sozialen Herkunft an den schulischen Leistungen zwischen 2006 und 2015 um vier Prozent gesunken. Im internationalen Vergleich bleibt er in Deutschland jedoch überdurchschnittlich hoch. So ließen sich bei den naturwissenschaftlichen Fragen 16 Prozent des Leistungsunterschiedes durch den sozioökonomischen Hintergrund der Schüler erklären. Damit üben in Deutschland die Herkunft und der Beruf der Eltern drei Prozent mehr Einfluss auf den schulischen Erfolg ihrer Kinder aus als im internationalen Vergleich. Während sozial benachteiligte Schüler bei naturwissenschaftlichen Aufgaben 466 Punkte erzielten, erreichten privilegierte 569 Punkte – was einem Bildungsunterschied von dreieinhalb Schuljahren entspricht.

Schulen müssen durchmischter werden

Am höchsten ist der Bildungsrückstand von Kindern in Schulen und Klassen, wo der Anteil von sozial benachteiligten Schülern besonders hoch ist. Auf knapp die Hälfte der Schüler aus bildungsfernen Familien trifft dies zu. Die Leistung sozial schwächerer Schüler verbesserte sich aber um stolze 122 Punkte, wenn sie mehrheitlich mit sozial bevorteilten Kindern zur Schule gehen. Damit entscheidet die sozial homogene Zusammensetzung – in bevorzugt oder benachteiligt –, bzw. die Postleitzahl der Schule über die Qualität der Bildung, die ein Kind erhält.

Schwieriger Aufstieg an die deutschen Unis

Fast jeder Vierte erlangt in Deutschland einen höheren Bildungsabschluss als seine Eltern. In Korea – dem in diesem Bereich am besten bewerteten Land – ist es mehr als jeder Zweite. Die schon in der Schule einsetzende soziale Segregation vestärkt sich an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen. 2015 haben nur 15 Prozent der Erwachsenen, deren Eltern kein Abitur absolviert haben, einen Hochschulabschluss erlangt. Damit liegt Deutschland nach der neuesten PIAAC-Studie (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) unter dem internationalen Durchschnitt von 21 Prozent.

Lösungsvorschläge der PISA-Forscher

Um die Bildungskluft zu verkleinern, fordert der OECD, einen gleichen Zugang zu Bildung für alle – im Klassenzimmer, auf der Ebene der Schulen und im Bildungssystem. Die Länder sollten vor allem für sozial benachteiligte Familien frühkindliche Bildungangebote bereitstellen, da solche Programme gleichberechtigte Lernumfelder förderen und die Kinder dabei unterstützen, wesentliche soziale und emotionale Kompetenzen zu erwerben. Auch sollten den sozial schwachen Schülern und Schulen zusätzlich Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Es muss zudem verhindert werden, dass fast ausschließlich sozial benachteiligte Schüler in einer Klasse oder Schule landen. Außerdem sollten Lehrer dafür ausgebildet werden, um auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingehen und sozial vielfältige Klassen unterrichten zu können, heißt es im OECD-Bericht.

Die Effizenz eines weiteren Lösungsvorschlags der OECD, dass sich Eltern mehr in die Bildung ihrer Kinder einbringen sollten, ist fraglich, da er erneut den akademischen Hintergrund der Eltern zu einem entscheidenden Faktor für den schulischen Erfolg der Kinder machen würde.

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Kommentare

Rahmenbedingungen für Inclusion miserabel !!!

Wenn es um Chancengleichheit im Bildungsbereich geht, sollte das Thema Inklusion keinesfalls außen vor gelassen werden !
Hier ist Deutschland Entwicklungsland weil die Rahmenbedingungen für gelingende Inklusion bis heute nicht geschaffen wurden !!!
Hier das Urteil der Gewerkschaft Erziehung u. Wissenschaft (GEW) im Deutschlandfunk:

https://www.deutschlandfunk.de/gew-landesvorsitzende-moritz-rahmenbeding...

Hier ein Beispiel wie Inklusion funktionieren kann:
https://www.deutschlandfunk.de/gemeinschaftsschule-in-berlin-wie-inklusi...

Chancengleichheit scheitert auch am hausgemachten Lehrermangel.
Politik hat nichts gelernt::

,https://www.deutschlandfunk.de/lehrermangel-die-politik-hat-nichts-geler...

Gemau

aus diesem Grund schickt die Genossin Ministerpräsident MV ihr Kind ja auch auf die Privatschule, denn sie weiß um die Defizite der staatlichen Schule so gut wie sonst niemand. Bildung für alle war gestern

Privatschulen sind wichtig...

..weil sie, wenn sie richtig geführt und finanziert werden, Labore für innovative Bildungsmodelle sind !
Gerade wenn es um Chancengleichheit geht, können aus ihnen wichtige Ansätze für eine Erneuerung unserer immer noch ungerechten Bildungslandschaft werden !
Wichtig ist, dass die Mischung (insbes. Arm/Reich ) stimmt und das Inklusion Programm ist !
Die Finanzierung solcher Schulen muss auf den Prüfstand ! Privatschulen müssen für Kinder von Beziehern aller Einkommensschichten:offen stehen ! Damit dort die Qualität stimmt müssen mehr in´s Schulboot: Steuermittel, Stiftungsgelder und die Umleitung von Werbegeldern hin zu Social-Sponsoring ! Es muss endlich Anreize dafür geben, Gelder aus den Werbebudgets großer Konzerne und kleiner Firmen in sinnvolle Projekte zu stecken, die der Gesellschaft einen Mehrwert geben, statt im Nirvana zu verpuffen !!. Wir brauchen innovativere, gestaltende Politik !!!

Labore?

doch wohl eher nicht- eher Refugien oder Reservate für die, die es sich leisten können, eigenes Geld vorzulegen- wenn auch mit gewisser Steuerbefreiung.

Ein paar Arme mit Stipendien ändern nichts am Gesamtwerk. Wer sich Bildung leisten kann, ist im Vorteil und wird via Steuerrecht von denen subventioniert, die sich das gerade nicht leisten können.

Die Spitze schickt ihre Kinder auf Privatschulen

Die ehemalige Bundesbuldungsminst. Schleswig schickt ihre Kinder auf Privatschulen. Noch Fragen? Chancengleichheit predigen, und selber nicht daran glauben, da gluckste auf wah, jenosse

Aus Erfahrung kann ich sagen,

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Bildung davon abhängt, ob Eltern in der Lage sind bzw. die finanziellen Mittel aufwenden können, den Unterrichtsstoff der Schule am Nachmittag mit ihren Kindern aufzuarbeiten. Ich habe die Grundschule in DE-West (das ist über 25 Jahre her) als Lehrstoffherausgabeanstalt kenngelernt. Chaotisch was die Organisation anbelangte als auch der Unterrecht selbst. Lehrermangel herrschte an der Schule nicht. Den krassen Unterschied konnte ich dann feststellen, als meine Kinder eine Privatschule (die war nicht soooo teuer) besuchten, nicht nur was den Unterricht anbelangte, auch z.B. die Ordnung in den Schulbussen und die gesamte Organisation.