Glosse

Karl der Große? Armer Armin oder von den Tagträumen des Herrn L.

Jonas Jordan18. September 2020
Ein Bergwerk ist eben kein Schloss.
Ein Bergwerk ist eben kein Schloss.
Armin Laschet stammt also von Karl dem Großen ab. Befähigt ihn das jetzt zum König von Deutschland? Es könnte auch zum Bumerang werden, zumal zu Hause in Aachen die Hütte brennt. Eine Glosse.

König Markus, I. von Bayern, einstmals Kurfürst von Franken, hatte schon vor Monaten vorgelegt. Ein eindrucksvolles Bild war das, gemeinsam mit Königin Angela I., die einst von der Mark Brandenburg auszog, um nicht nur das Königreich Preußen, sondern ganz Deutschland zu regieren. Und was muss ein König können außer guter Regierungsführung natürlich? Na klar, sich inszenieren! Das weiß auch König Markus, als er Angela in sein Schloss auf dem Chiemsee einlädt. Samt Schifffahrt, CO2-armer Anreise in der Pferdekutsche und den eindrucksvollen Bildern in der historischen Spiegelgalerie des Schlosses. Ein Hauch von Versailles! Wie mondän!

Aus Aachen zu Weltruhm

Das kam auch Prinz Armin im fernen Rheinland zu Ohren. War er es doch, der sich seit Jahren um gute Beziehungen zu Königin Angela bemüht hatte. In seinem Reich befehligte er deutlich mehr Untertan*innen als König Markus. Doch fehlte es Armin ein wenig an Ruhm und Ansehen. Zwar lud er Angela wenig später auch in sein Reich ein. Doch ein Bergwerk, zumal seit Jahren still gelegt, konnte mit dem herrlichen Schloss natürlich nicht mithalten.

Armin musste sich etwas anders einfallen lassen, um im Ringen um Deutschlands Thron mithalten zu können. Er blätterte in den Familienchroniken, wälzte verstaubte Geschichtsbücher und ließ sich sogar Pergamentrollen aus fernen Bibliotheken kommen. Und siehe da! Wer hätte das gedacht? König Armin stammt von dem König aller Könige ab. Karl der Große! Wie Armin kam auch er aus Aachen und schaffte es zu Weltruhm. Er war der erste Kaiser seit der Antike und schaffte es in den Kriegen zwischen 772 und 804 gar, die Sachsen zu bezwingen!

„Was die Merkel kann, das kann ich auch“

Die Sachsen! Die waren schon damals ein seltsames Völkchen, dachte Armin und erinnerte sich an einen Auftritt in der vergangenen Woche. In einem Stadion mitten im Wald im tiefsten Gebirge, wo einst Erze abgebaut wurden, trat er dort in Sachsen vor 2.000 Menschen auf. Er hatte sie nicht ganz verstanden und doch lächelten sie selig nach seiner Rede. Ach, die Sachsen! Sollte ihm dasselbe gelingen wie einst Karl dem Großen? Sollte er die Sachsen bezwingen und König von Deutschland werden können?

Armin ist ganz beseelt von dem Gedanken und singt leise vor sich hin: „Ich denk mir, was die Merkel kann, das kann ich auch…“ Er wandert lächelnd in seinem Amtszimmer auf und ab, stellt sich schließlich vor den Spiegel und singt laut: „Das alles und noch viel mehr, würd‘ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär!“

König von Frankreich? Lieber nicht!

Glücklich lässt er sich in seinen Sessel fallen und blättert noch einmal in einem Geschichtsbuch, schaut sich die Zeichnungen von seinem Urahnen, Karl dem Großen, an. Er könnte sich gar an Karneval als Karl der Große verkleiden. Oder wäre das zu prahlerisch? Ach, Karneval, geht ja gerade sowieso nicht. Also blättert er weiter und erschrickt: Moment, was steht da? Die Franzosen reklamieren Karl den Großen als ihren König und Stammvater? Der Kaiser des Frankenreiches wäre heute vielleicht eher König von Frankreich?

Armin muss an die Revolution denken und was damals mit dem französischen König geschehen ist. Vielleicht will er doch nicht mehr so sein wie Karl der Große. Als das Telefon klingelt, erwacht er aus seinen Tagträumen. Er muss eilends nach Aachen. Dort droht sein Erbprinz eine Wahl zu verlieren. An seiner Stelle könnte eine grüne Frau Oberhaupt der Karlsstadt werden! Ach herrje, armer Armin!

weiterführender Artikel