Kommentar

Kampagne gegen Tempolimit: Der Verkehrspopulismus der CSU

Kai Doering03. Februar 2020
Ein Tempolimit auf Autobahnen kann Leben retten und die Umwelt schützen: Der CSU ist das egal.
Ein Tempolimit auf Autobahnen kann Leben retten und die Umwelt schützen: Der CSU ist das egal.
Die CSU hat eine Kampagne gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gestartet. Fakten spielen dabei keine Rolle. Die Aktion ist vor allem eins: blanker Populismus.

Vor wenigen Tagen ereignete sich schier Unglaubliches: Der ADAC, jahrzehntelang Vorkämpfer für die Rechte von Autofahrer*innen, gab seinen grundsätzlichen Widerstand gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen auf. Doch die Lücke, die die „gelben Engel“ damit lassen, wird bereits gefüllt.

Alternative Fakten aus Bayern

Am Wochenende hat die CSU die Kampagne „Tempolimit? Nein danke!“ gestartet. Auf einer eigens eingerichteten Internetseite macht sie gegen generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf deutschen Autobahnen mobil. „Ein Tempolimit verbessert weder die Verkehrssicherheit noch die Klimabilanz des Verkehrs substanziell“, behauptet die bayerische Regionalpartei da. Dabei belegen Studien, dass die Zahl der Unfälle, der Verletzten und der Toten erheblich abnimmt, sobald ein Tempolimit von 130 km/h gilt.

Und auch bei der Klimabilanz argumentiert die CSU mit alternativen Fakten. Rund ein Fünftel des CO2-Ausstoßes in Deutschland stammt aus dem Verkehr. Es ist der einzige Bereich, in dem der Ausstoß seit 1990 nahezu nicht gesunken ist. Ein Tempolimit von 120 km/h würde den CO2-Ausstoß auf Autobahnen auf einen Schlag um fast ein Zehntel verringern. So hat es das Umweltbundesamt errechnet.

Der Schuss der CSU könnte nach hinten losgehen

All das ficht die CSU nicht an. „Unser Problem sind die Straßen, auf denen bereits Tempolimits gelten“, behauptet sie, ohne allerdings zu verraten, welche Probleme das denn sind. Ganz ähnlich „argumentierte“ bereits vor einem Jahr Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, na klar) als er ein Tempolimit als „gegen jeden Menschenverstand“ bezeichnete. Spätestens mit dieser Äußerung machte sich der Verkehrsminister endgültig zum Autominister.

All das zeigt: Der CSU geht es nicht um Verkehrspolitik, sondern um reinen Populismus. Sie setzt auf die Wut der Autofahrer*innen, die sich – so das Kalkül – in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, sollten sie das Gaspedal auf der Autobahn künftig nicht mehr bis zum Anschlag durchdrücken können. Fakten stören da nur. Allerdings könnte der Schuss aus Bayern nach hinten losgehen: Mehr als die Hälfte der Deutschen spricht sich nämlich für ein Tempolimit aus.

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Kommentare

Tempolimit 120

Vernünftig ! Ich weiß das aus eigener Erfahrung: solange ich über Landstraße oder tempobegrenzter Autobahn zur Arbeit fahre verbraucht mein Caddi (Diesel !!!) ca. 5,5 L/100 km, mache ich aber mal eine Fernreise auf unlimitierten Autobahnen, dann bin ich gleich bei >6 L/100 km. Herstellerangaben für Mixverbrauch: 6.1 L/100 km.
Also ein Tempolimit würde nicht nur Umwelt und Portemonnaie schonen, sondern wäre vielleicht auch hilfreich zu einem Mentalitätswechsel bei den Autokonzernen beizutragen. Kleine Motoren mit hoher Lebensdauer haben die "in der Schublade". Aber was hat das für Konsequenzen für die Mineralölindustrie und die KFZ-Steuer Eintreiber ?

Verbietet doch lieber Kreuzfahrten.

deutschland ca. 830.000 km straßen.
230.000 km gut befahren
13.000 km davon sind autobahnen. das sind ca. 5,6%. 70% sollen ohne tempolimit also 3,9% (stand 2015)!

2/3 aller autos und sonstigen verkehrsteilnehmer fahren bereits 130 km/h und langsamer, z. b. LKW, busse, wohnwägen, pkw mit hänger und fahrer ohne eile. also haben wir 1,2% raser die zwischen 180 und 200 km/h fahren. 50 – 70 km/h schneller als die erwünschten 130 km/h, d. h. diese 1,2% der autos stoßen ca. 46% mehr CO2 aus, als wenn diese nur 130 km/h fahren. ich verbrauche mit meinem pkw anstatt 7l/100 km dann ca. 10,2 l wenn ich im schnitt 190 km/h fahre. nun müssen wir natürlich noch den faktor einrechnen wie viele der zugelassenen PKW`s prozentual auf diesen straßen ohne limit täglich unterwegs sind.

ist das wirklich die rede wert, wenn man bedenkt wie viele autos das betrifft? CO2 ausstoß bei stau, einem zäh fließenden verkehr oder einer permant roten ampel ist schlimmer? alleine durch eine gute ampelregelung oder einem guten straßenausbau hätten mehr CO2 gespart, aber das würden den staat natürlich geld kosten. noch besser wäre eine geeignete filteranlage für alle kreuzfahrt- und transportschiffe!!!

Was sollte gegen generelles Tempolimit 130 sprechen ?

Ich kenne nur Vorteile, inbesondere weniger Todesopfer, Kranke und Verletzte ! Gemeinhin nennen wir das auch "gesunden Menschenverstand". Es gibt weitaus "intelligentere" Möglichkeiten Aggressivität abzubauen oder derer eine spezielle persönliche Freiheit auszuleben (die anderen keine Schaden zufügt) als auf der öffentlichen Strasse ! Das hat der überwiegende Teil der europäischen Bevölkerung schon längst begriffen und gehandelt . Jetzt warten alle noch auf die etwas lahmende deutsche Groko, denn längst gibt es diese Mehrheit für generelles Tempolimit 130 (o. darunter) auch in Deutschland ! Den schönen Nebeneffekt erkennen wir wenn wir z. Bsp. in den Niederlanden Urlaub machen. Die entschleunigte Gesellschaft wird dort als sehr angenehm wahrgenommen. Es bleibt Zeit für Rücksichtnahme und gegenseitige Wahrnehmung ganz im Gegensatz zum deutschen aggressiven "Ich zuerst". Eine Chance für die gesamte Gesellschaft und es spart noch Steuergeld und schont die Krankenkassen !

weniger tote und verletzte OK

weniger tote und verletzte OK das akzeptiere ich bedingt. klar ist die chance bei hoher geschwindigt zu überleben geringer als bei niedrigeren. aber frag mal google oder wiki nach verkehrstote in europa und du wirst sehen dass deutschland sehr wenige hat und davon sicher nicht alle auf den autobahnen. weniger als in länder wo ein tempolimit gilt! deutschland 5,7 tot je 100.000 fahrzeuge und niederlande 5,8 OH OH! wenn du wie in holland 120 km/h fahren möchtest kannst du das ja gerne tun aber zwing es keine auf es auch tun zu müssen. wir sollten allgemein das allgemeine problem verkehr in den griff bekommen! heute morgen auf dem weg zur arbeit 10 minuten stau trotz strecke ohne tempolimt! in jedem PKW nur EINE person! kaum gute anbindung an das öffentlich verkehrsnetz. zu viele autos (inzwischen haben die meisten 2 und 3 PKW`s) noch einmal TEMPOLIMIT ist nicht das problem! sondern alternativen zum PKW oder eine möglichkeit mehr als eine person pro PKW (fahrgemeinschaften)! durch tempolimit erhalten wir keine CO2 ersparnis. dann besser nur noch autos mit max. 100 - 150 PS herstellen/ erlauben und protzkarren verbieten. das spart....

so ist es, aber...

...gerade ein generelles Tempolimit kann dazu beitragen auch die Anzahl der Fahrzeuge zu reduzieren. Ist doch für nicht wenige das Auto zum Protzwerkzeug geworden. Wenn das Protzen mit der dazu passenden rücksichtslosen Fahrweise auf der Autobahn kaum mehr ungestraft möglich ist, wird sich dieser "Autospaß" in Grenzen halten und manch einer wird feststellen dass man sich und seine "Goldkettchen" oder anderweitiges Statussymbol im ÖPNV viel besser zur Schau stellen kann !
Da wir im Übergang zur Postwachstumsgesellschaft sind, wird auch manch eine/r merken dass Protzen megaout ist und zunehmend wieder die "inneren Werte" zählen. Auch kommt unsere Gesellschaft langsam auf den Trichter, das Bequemlichkeit kein Lebensziel sein kann. Glücklich ist wer Gelegenheit hat zur Bewegung und zur Kommunikation mit Mitmenschen. Warum also nicht einfach das Auto stehen lassen wann immer das möglich ist !? Dann brauchen wir kein eigenes, sparen Geld und Nerven und leihen uns ab und zu ein Sharing-Mobil...aber nur dann wenn wir es wirklich mal nicht ohne Auto geht !

also vom tempolimit kommst du

also vom tempolimit kommst du jetzt über protzen zu den inneren werten. du schweifst ab! kleine kinder protzen. ich will nur schnell von a nach b kommen und da sollte es mir überlassen sein wie schnell ich auf der autobahn fahre. das ging doch die ganze zeit auch problemlos. dauernd muss man uns wie kleine kindern herumkommandieren. das schöne ist, in deutschland wird niemand gezwungen schnell zu fahren. es obliegt in eigener verantwortung. ich fahre um 2 uhr morgens von köln nach stuttgart, kein auto auf der straße und ich darf nur 130 km/h tuckern… ÖPNV ist auch ohne protzen eine gute lösung und einfach mal zum fahrrad greifen eine noch bessre. dennoch ist man aktuell in deutschland sehr bequem und bewegungsfaul. ich denke die „next generation“ ist da viel besser ausgestellt und wird alles besser machen.

Vielleicht sollte man in

Vielleicht sollte man in Sachen" Tempolimit - 130" mal eine andere Schiene ausleuchten, weg vom Spritverbrauch und CO2. Zeitlich macht es nicht viel aus, ob auf der Autobahn 130 oder 160 gefahren wird. Allerdings kommt der, der eine langsamere Fahrweise wählt, egal ob auf der Autobahn oder Bundesstraße, deutlich entspannter ans Ziel. Warum den soviel Energie im Straßenverkehr aufwenden, wenn man es deutlich besser haben kann, ohne großen Zeitverlust.