#PfandretterInnen

Juso-Aktion: Flaschenpfand für Menschlichkeit

Angelina Sortino06. September 2018
Manuela Schwesig ist der Aufforderung der Aktion "PfandretterInnen" gefolgt, hat ihre Flaschen an einem Pfandautomaten abegeben, den Bonwert verzehnfacht und das Geld gespendet.
Mit der Aktion „PfandretterInnen“ rufen die Jusos dazu auf, Flaschenpfand für Wohltätigkeitsorganisationen wie „Sea-Watch“ zu spenden. Prominente Politiker wie Kevin Kühnert und Manuela Schwesig haben bereits mitgemacht. Jeder, der Pfandflaschen zuhause hat, kann etwas Gutes tun.

Brauereien fehlt es an Flaschen, weil die Deutschen ihr Pfand nicht zurückbringen, sondern zu Hause lagern. Im Mittelmeer ertrinken Menschen. Das sind zwei Probleme, die nicht nur unterschiedlich schwer wiegen, sondern auf den ersten Blick auch nicht viel miteinander zu tun haben. Dem nordrein-westfälischen Juso-Landesvorsitzenden Frederick Cordes ist dennoch eine Idee gekommen, wie man beide Probleme mit geringem Aufwand angehen kann.

Zwei Probleme, ein Lösungsansatz

Der erste Teil seines Lösungsansatzes ist so naheliegend wie simpel. „Weil ich ein schlechtes Gewissen hatte, dass die Brauereien keine Flaschenhaben, habe ich mal wieder Pfand weggebracht“, erklärte Cordes in einem Video auf Twitter. Dabei sei er auf die Idee gekommen, den Pfand-Bon zur Unterstützung von Organisationen zu nutzen. Hier habe er an Organisationen gedacht, die sich dem zweiten Problem widmen. Er berichtet: „Sea-Watch rettet auf dem Mittelmeer Menschenleben.“

 Zwölf Euro waren Cordes Pfandflaschen wert. Damit aber noch etwas mehr zusammenkommen, beschloss er eine Aktion ähnlich der „Eisbucket Challenge“ zu starten. Er erstellte den Twitter Account „PfandretterInnen“ und lud darauf ein Video mit dem Aufruf seinem Beispiel zu folgen hoch. Außerdem nominierte er den Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert, die SPD-Europakandidatin Sarah Weiser und den Bundessprecher der Grünen Jugend Max Lucks ebenfalls ihr Pfand wegzubringen und den Bon zu spenden.

Prominente Unterstützer

Mittlerweile sind viele Jusos und SPD-Mitglieder Cordes Aufruf gefolgt, haben ihre Pfandflaschen weggebracht und dessen Wert gespendet. Es profitierte nicht nur „Sea-Watch“ von der Aktion, sondern auch Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder der „Kinderschutzbund Schwerin“. „Dass nun auch für andere Organisationen gespendet wird, hat sich aus dem Prozess ergeben. Ich finde das nicht verkehrt, wollte jedoch primär auf das Sterben im Mittelmeer aufmerksam machen“ erläutert Cordes.

Für die Aktion „PfandretterInnen“ wünscht er sich noch mehr Teilnehmer. Cordes berichtet: „Es haben jetzt schon einige bekannte Parteimitglieder wie Kevin Kühnert oder Manuela Schwesig mitgemacht. Ich hoffe aber, dass auch noch mehr Leute, die nicht aus dem politischen Umfeld kommen, sich an der Aktion beteiligen.“

Aktion soll noch mehr Aufmerksamkeit erhalten

Gern dürften deshalb auch Menschen teilnehmen, die noch nicht nominiert worden seien. „Als meine Schwester einfach so mitgemacht hat, habe ich mich sehr gefreut,“ berichtet der Juso-Landesvorsitzende. Er hofft, dass seine Aktion noch ein wenig mehr Reichweite und Aufmerksamkeit erreichen wird.

Auf dem Twitter Account „PfandretterInnen“ finden sich bisher unter anderem auch Videos von Lilly Blaudszun, Sarah Weiser und Micha Heitkamp, die bei der Challenge mitgemacht haben.

Alle können mitmachen

Jeder, der Pfandflaschen zuhause hat, sei herzlich eingeladen, sich ebenfalls an der Aktion zu beteiligen. Man müsse weder SPD-Mitglied noch nominiert sein. Videos können mit dem #PfandretterInnen auf Twitter gepostet werden. Wer es besonders unkompliziert mag, findet neben den Pfandautomaten im Supermarkt oft Spendenboxen, in die man seinen Bon direkt einwerfen darf. Allerdings trifft hier der Supermarkt die Wahl, welche Organisation von der Spende profitieren wird.

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Kommentare

Bezeichnend ...

Im ersten Augenblick mag man denken: Oh, was für eine tolle Aktion! Da mach ich mit!
Aber es lohnt sich auch ein zweiter Blick, denn diese Aktion ist bezeichnend für die Jusos und die SPD in Zeiten der unsäglichen Agenda 2010 und deren Auswirkungen auf die Ärmsten der Armen. Der Flaschenpfand, der dort von den Straßen "gesaugt" wird oder dort gar nicht mehr ankommt, fehlt den Flaschenpfandsammlern auf unseren Straßen, die man nicht nur in Berlin, Hamburg oder München sehen kann. Für viele Menschen in unserm Land ist das eine tägliche Einkommensquelle, die ihr Überleben sichert.
Ich kann diesem ganzen Charity-Mumpitz nach US-Vorbild unterm Strich sowieso nichts abgewinnen, weil das nur vom eigenen Versagen der Parteien und der Institutionen in diesem Land ablenkt. "Seht her, wir haben niemanden vergessen und spenden!" Mit anständiger Politik wäre das alles gar nicht erst nötig, aber davon will natürlich im Scheinwerferlicht niemand etwas wissen.
Einer der vielen Gründe, warum die SPD momentan in Umfragen nicht mal mehr 18% zusammen bekommt.

Volle Zustimmung

Mein erster Kommentar wurde (wegen deutlich unfreundlicherer Formulierungen ;) )nicht zugelassen, bewegt sich inhaltlich aber auf vergleichbarer Ebene.
Ich bewundere,das Sie es geschafft haben bei so einer dreisten "Scheinwohltätigkeit" nicht beißend sarkastisch zu reagieren.

Jungsozialist[inn]en retten die Welt?

Über die Aktion bin ich nur als Juso Aktion überrascht. Immerhin will sie Speerspitze einer politischen Bewegung sein. Hier laufen die Jusos Gefahr im Rahmen von karitativen Ethik etablierte Verhältnisse zu verfestigen und nicht fundamental zu hinterfragen. Schon bei einigen Supermärkten findet sich die dauerhafte Möglichkeit, Flaschenpfandmarken an die örtlichen Tafeln zu spenden. Und selbst die leiden, weithin mit dem Schatten zu leben, dass ihr Grundkonzept auf Bundesebene von Roland Berger entwickelt wurde. Karitative Ethik birgt die immense Gefahr, als Marketinggag der Konzerne, deren kapitalistischen Schweinereien zu überdecken. Warum sich die Jusos solcher Methoden bemächtigen bleibt mir ein Rätsel.

Flaschenpfand

Ist das die neue Sammlungsbewegung der SPD ?

Wo karitative Taten notwendig sind, da wird das Versagen des Sozialstaates offensichtlich. Macht endlich anständige Politik !